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Julia Klöckner : Die Frau fürs Fleisch

  • -Aktualisiert am

Auch sie steht unter Druck: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner Bild: dpa

Julia Klöckner soll nun die Fleischindustrie reformieren – eine Branche, die sich in den vergangenen Jahrzehnten als ausgesprochen resistent gegen Veränderungen erwiesen hat.

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          Es gibt Minister, die seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie noch weniger sichtbar sind als zuvor. Und es gibt solche, die seitdem noch stärker im Rampenlicht stehen.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zählt zu den Letzteren. Die bundesweiten Ausgangsbeschränkungen waren noch nicht in Kraft, da hatte sie schon ihren ersten großen Auftritt: Schluss mit den Hamsterkäufen, appellierte sie an die aufgeregte Nation.

          Die Aufgabe, die jetzt vor der Siebenundvierzigjährigen liegt, ist ungleich schwieriger: Gemeinsam mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) soll sie die Fleischindustrie reformieren – eine Branche, die sich in den vergangenen Jahrzehnten als ausgesprochen resistent gegen Veränderungen erwiesen hat.

          Kommt nun die Tierwohlabgabe?

          Nachdem Heil für das Wohlergehen der Mitarbeiter schnell eine Lösung präsentierte – das Verbot von Werkverträgen – ließ Klöckner sich mehr Zeit. An diesem Freitag will sie nun mit den zuständigen Landesministerinnen aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ein Bündel von Maßnahmen für das Wohl der Tiere vorstellen.

          Anfang des Jahres zeigte sich Klöckner noch zurückhaltend gegenüber einer möglichen Tierwohlabgabe. Angesichts der Ereignisse bei Tönnies & Co. könnte diese nun aber schneller kommen als gedacht. Neben den Verbrauchern will sie auch den Handel stärker in die Pflicht nehmen. Hähnchenschenkel für 20 Cent je 100 Gramm seien unanständig, findet Klöckner.

          Gut möglich, dass auf den letzten Metern der großen Koalition auch noch ihr staatliches Tierwohllabel kommt. In der Theorie ist dieses längst fertig. Praktisch scheitert es bislang daran, dass die SPD die Nutzung verpflichtend machen will, Klöckner dies aber mit Verweis auf EU-Recht ablehnt.

          Auch in anderen Bereichen setzt die Ministerin auf freiwillige Lösungen, etwa wenn es um den Zuckergehalt in Fertiggerichten oder die Einführung einer Lebensmittelampel geht. Sie kusche vor der Industrie, werfen Verbraucherverbände Klöckner deshalb immer wieder vor. Und fühlen sich bestätigt, wenn sie Konzerne wie Nestlé öffentlich lobt oder, wie kürzlich geschehen, in einer Kochsendung auftritt, die von der Supermarktkette Kaufland gesponsert wird.

          Aufgewachsen ist Klöckner in einer Winzerfamilie an der Nahe, später studierte sie Politikwissenschaften und arbeitete als Journalistin. Ihren Alltag als Ministerin setzt sie in sozialen Netzwerken gern in Szene.

          Nur einmal mied sie in den vergangenen Monaten das Rampenlicht: als es um die Frage nach dem künftigen CDU-Vorsitzenden ging. Immer wieder fiel in Berlin in diesem Zusammenhang auch ihr Name – viele andere bekannte Frauen hat die Partei auch nicht. Doch Klöckner blieb in Deckung. Jetzt geht es für sie erst mal um die Wurst.

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