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Jürgen Boos : Der politische Messemacher

Jürgen Boos (r.), Direktor der Frankfurter Buchmesse Bild: dpa/dpaweb

Für den neuen Messedirektor Jürgen Boos ist die erste Veranstaltung unter seiner Führung eine Buchmesse zwischen Bewahrung und Aufbruch. Boos hat in Frankfurt Ruhe einkehren lassen, aber ein Verwalter ist er mitnichten.

          Jürgen Boos kennt die Internationale Buchmesse seit vielen Jahren - und doch ist in diesem Jahr vieles für ihn ganz neu. Der 44 Jahre alte gelernte Buchhändler kennt die Messe bisher als Besucher oder Aussteller. Als Messedirektor ist es seine erste Veranstaltung. Seit 1. April ist er Geschäftsführer der Ausstellungs- und Messe GmbH des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Nach den Turbulenzen um seinen Vorgänger, der die Messe nach München verlegen wollte, ist es um die kleine Messegesellschaft ruhig geworden. Aber die Ruhe täuscht. Ein Verwalter ist Boos mitnichten.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Im Gegenteil, er möchte die Buchmesse Frankfurt noch stärker in die Öffentlichkeit tragen - aber nicht wie sein Vorgänger mit dem Thema Hotelpreise, sondern mit kulturellen und vor allem mit politischen Themen. Boos hat ganz klare Vorstellungen, wie sich die Buchmesse zu entwickeln hat. Der Zufall in der Reihenfolge der Fragen auf der Pressekonferenz brachte es mit sich, daß sich Boos nacheinander zu den Hotelpreisen und zur Zukunft der Messe zu äußern hatte. Unfreiwillig wurde daraus die Quintessenz seines Handelns: Sein Vorgänger Neumann habe sich um die Zimmerpreise gekümmert, er habe sich die Meinungsfreiheit in der Welt auf die Fahnen geschrieben.

          „Vom Sinn und Zweck einer Buchmesse“

          Unter seiner Leitung soll die Buchmesse eindeutig politischer werden. Zwar keine Politschau, aber die Messe steht für ihn „gleichberechtigt auf den Säulen Wirtschaft, Kultur und Politik“, sagte Boos in seinen „Vom Sinn und Zweck einer Buchmesse“ überschriebenen Ausführungen zur Eröffnung der diesjährigen Veranstaltung. Das sei gar nicht so revolutionär wie es sich anhöre, wiegelt er ab. „Wir bewegen uns in einer langen Tradition - in einer Tradition ständiger Veränderung. Die Frankfurter Buchmesse ist eine Veranstaltung zwischen Event, Wirtschaftsereignis und Eintritt für die Menschenrechte.“

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          Schon sein Äußeres vermittelt dieses Spannungsverhältnis zwischen Bewahrung und Aufbruch. Als Messedirektor ist er seriöser Kaufmann und trägt einen grauen Anzug. Aber die lachsfarbene Krawatte und der einer vorübergegangenen Mode nachempfundene mittellange Haarschnitt signalisieren, daß hier kein Pfeffersack am Werk ist. Hier gibt es auch Widerspruch. Und was eignet sich besser dazu als das Thema Menschenrechte, als die Freiheit der Autoren weltweit? Das Buch sei eben kein Produkt wie jedes andere, sagt er und bekennt sich zum Engagement der Buchmesse für unterdrückte Autoren auf der Welt und für Meinungsfreiheit. Die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den türkischen Autor Orhan Pamuk freut ihn daher sehr. Daß er mehrere Werke dieses in seinem Land heftig umstrittenen Autors auf seinem Nachttisch liegen hat, glaubt man ihm sofort. Die Messe muß aber auch ein wirtschaftliches Ereignis sein.

          Große Pläne

          Der Buchhändler und Diplomkaufmann Boos weiß aus seinen Tätigkeiten in Buchhandlungen und Verlagen - vor seinem Engagement bei der Buchmesse war er Mitglied der Geschäftsleitung in der zum amerikanischen Verlag John Wiley & Sons gehörenden deutschen Tochtergesellschaft Wiley-VCH -, wie wichtig die wirtschaftliche Basis allen Tuns ist. Und gerade die Messegesellschaft des Börsenvereins, ein mit 26 Millionen Euro Umsatz eher kleines Unternehmen, das neben der Frankfurter Buchmesse vor allem Beteiligungen deutscher Verlage auf ausländischen Messeplätzen organisiert, ist darauf angewiesen, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Zu seinen wirtschaftlichen Vorstellungen gehört die Erschließung neuer Finanzquellen beispielsweise über Sponsoren ebenso wie die Erweiterung der Messe um neue Themen.

          Da die Zahl klassischer Verlage durch Fusionen und Firmenaufgaben immer kleiner wird, sollen künftig Antiquariate ebenso zum Bild der Buchmesse gehören wie Aussteller der Bereiche Buch und Spiel, Film & TV oder Informationswissenschaften. Boos will aber auch erstmals in der Geschichte des Börsenvereins die Idee der Frankfurter Buchmesse ins Ausland tragen. Gemeinsam mit dem Verlegerverband aus Südafrika plant er eine Buchmesse am Kap. Er möchte, daß die Buchmesse auch dort stärker ins Gespräch kommt - aber nicht ins Gerede.

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