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JP Morgan : Der Zwei-Milliarden-Dollar-Flop

  • -Aktualisiert am

Vor dem JP-Morgan-Quartier in Londons Canary Wharf Bild: REUTERS

Die größte amerikanische Bank hat zwei Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Es geht um Milliarden-Spekulation, Hedge-Fonds und einen Händler mit dem Spitznamen „der Londoner Wal“.

          Wie konnte die amerikanische Großbank J.P. Morgan Chase mit riskanten Geschäften in den vergangenen sechs Wochen 2 Milliarden Dollar Verlust machen? Die Verluste stammen aus verpatzten Wetten auf Derivate. JP Morgan vergibt Kredite, und deren Ausfall bedeute das „allergrößte“ Risiko für die Bank. Deshalb habe die Bank massiv Versicherungen gegen mögliche Kreditausfälle gekauft, sogenannte Credit Default Swaps (CDS) - und die Investmentabteilung handelte damit. Die Abteilung hat offenbar „unerhörte Fehler“ gemacht, wie es der Chef der Bank, Jamie Dimon, ausdrückte.

          Dieses Mal handelte es sich nicht um einen „rogue trader“, wie die heimlichen Zocker im Investmentbanking so gerne genannt werden.

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          Der Franzose Bruno Iksil und sein Londoner Handelsteam überraschten JP Morgan mit ihrem vorläufigen Handelsverlust von 2,3 Milliarden Dollar nicht etwa, nachdem sie verbotene Spekulationsgeschäfte verschleiert hatten, wie ehemals Jérôme Kerviel von der Société Générale. Sie hatten auch keine Absicherungsgeschäfte vorgetäuscht, wie Kweku Adoboli von UBS.

          Geschäfte mit Absicherungen gegen Kreditausfälle

          Iksil und seine Mannen arbeiteten an den Handelstischen des sogenannten Chief Investments Office, eine Einheit, die in London Risiken der Bank am Markt absichert, Gelder der Bank investiert und seit einiger Zeit von dem im Jahr 2006 angeheuerten Achilles Macris geführt wurde. Er hat die Anlagestrategie stark auf das Geschäft mit Kreditrisiken ausgerichtet. Seit Monaten schon fiel am Markt auf, dass Iksil und seine Truppe offenbar eine gewaltige Position mit dem Handel des CDX-Index IG9 mit zehn Jahre Laufzeit eingegangen war.

          JP Morgan hat die Details des verlustreichen Geschäfts nicht spezifiziert. Aber seit April wird in der Fachwelt beschrieben, welch Handelsgeschäft Iksil offenbar verfolgte. Der besagte CDX-IG9 ist ein Index, der sich auf die Kreditwürdigkeit von 125 amerikanischen Großkonzernen bezieht, mit dessen Kauf man sich gegen Kreditausfälle amerikanischer Unternehmen absichern kann (Gläubiger von vier dieser Unternehmen erlitten bereits Zahlungsausfälle).

          „Das ist jetzt Wasser auf die Mühlen all dieser Rechthaber - damit müssen wir leben“:  Bankchef Jamie Dimon

          Unter der Annahme, dass es den amerikanischen Unternehmen mit der Konjunkturerholung besser geht, kann es sinnvoll sein, Tranchen dieser Indizes zu verkaufen, zumal das übernommene Ausfallrisiko recht üppig bezahlt wird. Es gibt Geschäfte, die diese Risikoübernahme hebeln - im Falle dieses Produktes mit dem Faktor 7.5.

          Jemand, der die CDS-Tranchen verkauft und von dem Käufer für 1 Milliarde Dollar CDS-Risiken übernimmt, müsste sich also mit 7,5 Milliarden Dollar am Markt absichern und zwar am besten, in dem er den Index verkauft. Dies könnte erklären, warum die Truppe um Iksil lange als Verkäufer des Index wahrgenommen wurde. Iksil soll eine Position an diesem CDS-Marktsegment von geschätzten 100 Milliarden Dollar aufgebaut haben.

          Der Händler hatte lange ein gutes Händchen

          Theoretisch können diese Geschäfte für die Bank ertragreich sein. Iksil und sein Team haben offenbar seit Jahren ein gutes Händchen für erfolgreiche Anlagestrategien und steuern aus London angeblich gut 100 Millionen Dollar Ertrag im Jahr bei. Bei den jüngsten Transaktionen muss die Bank die Kreditrisiken nicht kaufen, sie erhält für die Übernahme der Ausfallrisiken Liquidität, der Vorstandsvorsitzende von JP Morgan, James Dimon, ist selbst von der besseren amerikanischen Konjunkturentwicklung überzeugt und die Transaktion ist weniger riskant als sie sein müsste, solange sie nicht in einem so gigantischen Umfang verfolg wird, dass der Markt gegen die Bank spekuliert.

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