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JP-Morgan-Chef Dimon : Ein Banker, so hart wie Trump

JP-Morgan-Vorstandschef Jamie Dimon Bild: Bloomberg

Jamie Dimon führt die größte amerikanische Bank JP Morgan. Nun wirbt er für einen Ausbau des Sozialstaats – und nährt wieder mal Gerüchte um eine Präsidentschaftskandidatur.

          Es sind geschäftige Tage für Jamie Dimon. Am Freitag wird die größte amerikanische Bank JP Morgan Chase ihre Quartalszahlen vorlegen und ihr langjähriger Vorstandschef Dimon die wirtschaftliche Lage bewerten. Die Bank eröffnet den Reigen der Quartalsergebnisse an der Wall Street und prägt damit häufig die Stimmung an der Börse. Dimon ist aber nicht nur dort die Aufmerksamkeit sicher.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Am Mittwoch war er gemeinsam mit sechs anderen Spitzenbankern zu einer Anhörung des Finanzdienstleistungsausschusses im Repräsentantenhaus in Washington geladen. Thema: „Megabanken zur Verantwortung ziehen“. Nachdem die Demokraten bei den jüngsten Kongresswahlen die Mehrheit im Repräsentantenhaus geholt haben und der Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2020 seine Schatten vorauswirft, waren kritische Fragen programmiert.

          Immerhin wollen ausgewiesene Bankenkritiker wie die Senatorin Elizabeth Warren und ihr Kollege Bernie Sanders für die Demokraten gegen Donald Trump ins Rennen gehen. Als Senatsmitglieder waren die beiden zwar nicht auf der Anhörung zugegen. Aber auch die Abgeordneten der Demokraten attackierten die hohe Einkommensdifferenz von Bankvorständen und Durchschnittsverdienern, ein zu geringes Kreditvolumen für kleine Unternehmen, hohe Überziehungsgebühren oder Aktienrückkäufe.

          Gemeinsamkeiten mit Ocasio-Cortez

          Der neue Superstar der Demokraten sitzt ebenfalls im Ausschuss: Alexandria Ocasio-Cortez, die junge Abgeordnete aus New York, die in den Vorwahlen im vergangenen Jahr überraschend ein politisches Schwergewicht der Demokraten aus dem Rennen warf. Sie erinnerte Dimon und seine Kollegen an die vielen Geldstrafen für Banken in den Jahren nach der Finanzkrise und warf die böse Frage auf, ob Finanzinstitute eine Kosten-Nutzen-Analyse für Rechtsverstöße erstellten – was die Banker natürlich verneinten.

          Der 63 Jahre alte JP-Morgan-Chef Dimon und die 29 Jahre alte Ocasio-Cortez, die sich wie Sanders selbstbewusst als „demokratische Sozialistin“ bezeichnet, haben dennoch einige Gemeinsamkeiten. Dimon stammt aus dem New Yorker Arbeiterviertel Queens. Ein Teil von Queens gehört zum Wahlkreis von Ocasio-Cortez, und ihr Büro dort liegt unweit der Grundschule, die Dimon besucht hat, bevor seine Eltern nach Manhattan zogen. Auch Donald Trump stammt aus Queens, ist aber in einer etwas feineren Enklave aufgewachsen. Möglicherweise hat Dimon, dessen Großvater 1919 aus Griechenland nach New York kam und sich vom Tellerwäscher zum Aktienmakler hocharbeitete, deswegen eine besondere Sensibilität für soziale Fragen.

          Jedenfalls hat Dimon schon auf die Diskussion um die Einkommenschere reagiert. In seinem jüngst veröffentlichten Aktionärsbrief verteidigte Dimon den Kapitalismus zwar als das „fraglos erfolgreichste“ Wirtschaftssystem, das es je in der Welt gegeben habe. „Es hat Millionen Menschen aus der Armut geführt und dazu beigetragen, den Reichtum, die Gesundheit und die Bildung von Menschen überall in der Welt zu steigern.“

          „Marshallplan für Amerika“

          Aber Dimon, der der demokratischen Partei nahesteht und zeitweilig als Lieblingsbanker von Trumps Vorgänger Barack Obama galt, räumt auch ein, dass der Kapitalismus Mängel hat. Er schreibt von wachsender Ungleichheit der Einkommen, seit Jahren stagnierenden Löhnen der Mittelschicht, Mangel an Chancengleichheit und mangelhafter Gesundheitsversorgung. „Einfach gesagt, die sozialen Bedürfnisse viel zu vieler unserer Bürger werden nicht erfüllt.“

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