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Journalismus im Internet : Verlage in Not

Es wird schwer werden für Verlage, die an Gratiskonsum gewöhnten Internetsurfer zum Bezahlen zu bringen. Am aussichtsreichsten sind womöglich Modelle, bei denen der Kunde gar nicht unmittelbar bemerkt, dass er bezahlt.

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          Es ist die Not, die große Verlage dazu treibt, die Leser der bisher kostenlosen Online-Ausgaben ihrer Zeitungen und Zeitschriften zur Kasse zu bitten. Die Medienhäuser müssen ihr schrumpfendes angestammtes Geschäft durch ein neues in der digitalen Medienwelt flankieren und vielleicht ganz ersetzen. Doch die Finanzierung der Online-Medienwelt über Werbung, worauf die Branche bisher setzte, bringt nicht annähernd genügend Einnahmen.

          Es wird schwer werden, die an Gratiskonsum gewöhnten Internetsurfer zum Bezahlen zu bringen. Selbst schuld - schließlich haben die Verlage zehn Jahre lang ihre Inhalte im Internet verschenkt. Ein Problem ist außerdem, dass durch Zwangsgebühren finanzierte öffentlich-rechtliche Medienriesen wie ARD, ZDF und BBC weiter frei zugängliche Online-Angebote offerieren und damit einen unfairen Wettbewerbsvorteil bekommen.

          Am aussichtsreichsten sind womöglich Modelle, bei denen der Kunde gar nicht unmittelbar bemerkt, dass er bezahlt, weil er dies nur indirekt tut. Medienabonnements könnten in einem Bündel mit dem DSL- oder Kabelanschluss angeboten werden. Die Kunden sind es gewohnt, dafür in die Tasche zu greifen. Auch um Endgeräte wie das iPhone von Apple und den Kindle, das elektronische Amazon-Buchlesegerät, könnten solche Pakete geschnürt werden. Die Verlage müssten sich aber in eine neue Abhängigkeit von großen Telekom- und Elektronikkonzernen begeben. Vor allem kleine Zeitungshäuser hätten es schwer.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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