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John Cryan : Deutsche-Bank-Chef zeigt sich doch

John Cryan Bild: dpa

Eigentlich hatte es der neue Deutsche-Bank-Chef anders geplant, doch nach Kritik ändert John Cryan seine Pläne: Der Brite wird am Donnerstag die neue Strategie doch in Frankfurt persönlich verkünden - und nicht per Telefonkonferenz.

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          Am Donnerstag ist es endlich soweit: Der neue Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, wird die Einzelheiten zur neuen Strategie nun doch zuerst in Frankfurt auf einer Pressekonferenz vorstellen. Damit hat der Brite seine Pläne geändert: Zunächst war geplant gewesen, die Analysten und Fondsmanager auf einer Investorenveranstaltung in London zu unterrichten und anschließend am späten Nachmittag die deutschen Medien in einer Telefonkonferenz. Doch das stieß auf Kritik: Cryan wurde vorgeworfen, als neuer Chef der Deutschen Bank die deutsche Öffentlichkeit zu meiden. Nun hat er seinen Kurs korrigiert und wird am Donnerstagvormittag seinen ersten Auftritt in der deutschen Öffentlichkeit haben. Zusammen mit dem noch bis Mitte Mai amtierenden Ko-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen, Finanzvorstand Marcus Schenk und Privatkundenvorstand Christian Sewing wird Cryan erklären, wie er die Deutsche Bank nach den vielen Skandalen wieder auf Kurs bringen will.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit Spannung werden die Details zu den Kosteneinsparungen erwartet, weil der Abbau von mehreren tausend Stellen droht. Aber auch die neuen Ertragsziele, die künftige geographische Aufstellung sowie die Aufspaltung des Bereichs Investmentbanking werden wichtige Themen sein. Ebenso die noch zu erwartenden Strafen, die vor allem die Investmentbanker zu verantworten haben. Zum größten Rechtsrisiko hat sich zuletzt der Geldwäscheskandal in der Moskauer Niederlassung entwickelt. Denn die Ermittlungen amerikanischer und britischer Aufsichtsbehörden konzentrieren sich nun auf mögliche Sanktionsverstöße und die Geschäftsbeziehungen zu engen Vertrauten des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin. Schon im August hat sich das amerikanische Justizministerium eingeschaltet. Die Deutsche Bank hatte stets auf eigene Untersuchungen verwiesen, wonach es keine Anhaltspunkte für Sanktionsverstöße gebe. Doch die Transaktionen im Umfang von bis zu 6 Milliarden Dollar liefen von 2011 bis Anfang 2015. Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland wurden wegen des Krieges in der Ostukraine Mitte 2014 verhängt.

          In amerikanischen und britischen Medien werden die Brüder Arkadi und Boris Rotenberg als Kunden der Deutschen Bank genannt. Sie sind Milliardäre, stammen wie Putin aus St. Petersburg und gehören zu dessen Machtzirkel. Sollten die Aufseher Sanktionsverstöße nachweisen, dürfte die Strafe teuer ausfallen. Zumal die Bank schon seit längerem mit den amerikanischen Behörden wegen Sanktionsverstößen im Iran-Geschäft über einen Vergleich verhandelt. Derzeit belaufen sich die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten auf 5 Milliarden Euro. Ein großer Teil entfällt auf Verfahren um amerikanische Hypothekenanleihen, die ausfallgefährdete Kredite enthalten und den Investoren hohe Verluste bereitet hatten. Auch die Affäre um Zinsmanipulationen, bei der die Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen musste, wird noch Klagen von Investoren, die sich dadurch geschädigt fühlen, nach sich ziehen. Insgesamt ist die Bank mit 7000 Rechtsstreitigkeiten konfrontiert.

          Im Aufsichtsrat ruft die Geldwäscheaffäre in Russland seit Monaten die größte Besorgnis hervor. Im Mittelpunkt stehen Aktienkäufe russischer Kunden über die Moskauer Händler und der anschließende Verkauf der Papiere in London. So wurden hohe Rubel-Summen, nach deren Herkunft die Moskauer Mitarbeiter offenbar nicht gefragt hatten, über Wertpapiergeschäfte in britische Pfund oder Dollar getauscht. Da sich die mutmaßlichen Geldwäschetransaktionen auf die jeweiligen Landeswährungen beziehen, ermitteln amerikanische und britische Behörden seit Monaten.

          Der Skandal hat auch schon an der Spitze Konsequenzen gehabt. Der frühere Personal- und Rechtsvorstand Stephan Leithner verlässt die Bank. Er war als Verantwortlicher für das Europa-Geschäft Aufsichtsratsvorsitzender der russischen Tochtergesellschaft. Leithner war auch in den Ermittlungen zur Zinsmanipulationsaffäre von der deutschen Finanzaufsicht Bafin kritisiert worden. Darüber hinaus musste Colin Fan, ehemaliger Chef des Wertpapierhandels, gehen, weil er in der Russland-Affäre eine unglückliche Rolle gespielt haben soll. Die amerikanischen und britischen Behörden dürfte auch interessieren, wann die Deutsche Bank von den Vorgängen in Moskau informiert gewesen ist. Dem Vernehmen nach sollen die ersten Hinweise von der russischen Notenbank gekommen sein.

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