https://www.faz.net/-gqe-7ftvf

Joghurt : Das griechische Wunder

Bild: Prisma Bildagentur

Griechischer Joghurt erobert die Supermärkte in aller Welt. Angefangen hat es in Amerika. Jetzt kommt Europa dran. Nur mit Griechenland hat das alles nichts zu tun.

          5 Min.

          Vor zwei Jahren, im September 2011, brachte Christian Ehrmann, Chef der gleichnamigen Molkerei, in den Vereinigten Staaten ein neues Produkt auf den Markt: „Bavarian Goodness“, einen bayerischen Joghurt wahlweise mit Kirsche, Blaubeere, Erdbeere oder Brombeer-Granatapfel. Der bayerische Anstrich würde bei den Amerikanern sicher ziehen, dachte Ehrmann. Auf der Verpackung gab es eine junge Frau im Dirndl zu sehen.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der Joghurt floppte. Denn die Amerikaner, das musste Ehrmann schnell lernen, wollen derzeit nur eines: griechischen Joghurt. Empfanden sie Joghurt lange nur als gesund, aber nicht als Genuss, greifen sie bei der festen, cremigen, proteinhaltigen Griechenversion plötzlich zu.

          2007 hatte griechischer Joghurt noch einen Marktanteil von einem Prozent am gesamten amerikanischen Joghurtmarkt, heute sind es schon 35 Prozent des auf sechs Milliarden Dollar geschätzten Geschäfts.

          Dieser phänomenale Aufstieg ist eng mit einem Namen verbunden: Hamdi Ulukaya. Der Mann, der griechischen Joghurt populär gemacht hat, ist kein Grieche. Ulukaya ist gebürtiger Türke und lebt heute in den Vereinigten Staaten. Vor einigen Jahren fand er zufällig eine Anzeige, als er seinen Schreibtisch aufräumte: Der Nahrungsmittelkonzern Kraft verkaufte seine 95 Jahre alte Joghurtfabrik in dem kleinen Ort New Berlin im Bundesstaat New York. Ulukaya besichtigte sie noch am gleichen Tag, besorgte sich einen Kredit und stellte fünf der ehemaligen Fabrikmitarbeiter ein. Das war im August 2005, sieben Jahre nachdem der griechische Joghurthersteller Fage als erster in Amerika griechischen Joghurt auf den Markt gebracht hatte.

          Ulukaya hat die Griechen abgehängt. Seine Firma Chobani ist mit einem Anteil von 53 Prozent im Markt für griechischen Joghurt klar führend. Am gesamten amerikanischen Joghurtmarkt hat das Unternehmen damit inzwischen einen Anteil von 21,4 Prozent. Chobani beschäftigt heute 2000 Leute, macht einen Umsatz von etwa einer Milliarde Dollar (752 Millionen Euro) und produziert zwei Millionen Joghurts in der Woche. Im Dezember eröffnete das Unternehmen für 450 Millionen Dollar seine zweite Fabrik in Twin Falls, Idaho: Mit einer Million Quadratmeter ist sie die weltweit größte Joghurtfabrik. Und Ulukaya selbst ist mit einem geschätzten Vermögen von 1,1 Milliarden Dollar ein schwerreicher Mann.

          Griechischer Joghurt gilt in Amerika als besonders gesund. Er steht in den Diätplänen von Weight Watchers.

          Schon einmal ließen sich die Griechen abhängen: beim Schafskäse Feta. In vielen Ländern kommen Versionen „nach griechischem Stil“ (innerhalb der EU ist der Begriff Feta Schafskäse aus Griechenland vorbehalten) heute aus Dänemark.

          Wie konnte es passieren, dass die Amerikaner plötzlich griechischen Joghurt in Massen kaufen? Einer der Gründe ist gerade, dass griechischer Joghurt in Amerika meistens gar kein richtiger griechischer Joghurt ist: Während das hellenische Original einen sehr hohen Fettanteil hat (und gerne mit Honig und Nüssen gegessen wird), läuft „griechischer“ Joghurt in Amerika unter dem Label „low fat“: Er enthält oft gar kein Fett, maximal jedoch einen Anteil von zwei Prozent. Im Land der Burger und Hot Dogs achtet man seit langem auf die Kalorien. Griechischer Joghurt soll griechisch schmecken: Er enthält deutlich mehr Milch - vier Liter für ein Kilogramm Joghurt, bei normalem Joghurt ist es nur ein Liter - und man lässt die Flüssigkeit für die feste Konsistenz länger abtropfen. Zugleich muss griechischer Joghurt aber versprechen, dass er nicht dick macht.

          Zudem werben viele Hersteller wie auch Chobani mit „rein natürlichen Inhaltsstoffen“. Griechischer Joghurt wird in Amerika als besonders gesund wahrgenommen - so gesund, dass er inzwischen sogar auf den Diätplänen von Weight Watchers auftaucht.

          Weitere Themen

          Reich werden im Casino Video-Seite öffnen

          Macau : Reich werden im Casino

          Macau, einst eine vergessene portugiesische Kolonie, ist jetzt der zweitreichste Ort der Erde und das größte Zockerparadies der Welt. Aber dieser Wohlstand kostet.

          Zuckerberg im Kreuzfeuer

          Kritische Fragen zu Libra : Zuckerberg im Kreuzfeuer

          Facebook-Gründer Mark Zuckerberg steht unter Druck. Im Repräsentantenhaus muss er die geplante Kryptowährung Libra verteidigen. Die Abgeordneten befürchten, sie könne den Dollar gefährden und damit die Weltpolitik beeinflussen.

          Topmeldungen

          Gründer und Chef vom sozialen Netzwerk Facebook: Mark Zuckerberg

          Kritische Fragen zu Libra : Zuckerberg im Kreuzfeuer

          Facebook-Gründer Mark Zuckerberg steht unter Druck. Im Repräsentantenhaus muss er die geplante Kryptowährung Libra verteidigen. Die Abgeordneten befürchten, sie könne den Dollar gefährden und damit die Weltpolitik beeinflussen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.