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Jobwechsel der Politiker : Bäumchen, wechsle dich

Anschließend wurde er im bayerischen Finanzministerium erst Staatssekretär und dann Minister. Der überraschende Wechsel auf den Präsidentenposten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes war lukrativ, aber auch sonst reizvoll. Denn unter dem sprunghaften Ministerpräsidenten Horst Seehofer war die Arbeit für Fahrenschon nicht immer erfreulich. Leo Dautzenberg wiederum war drei Jahrzehnte Parlamentarier, im Düsseldorfer Landtag und in Berlin. Im Herbst 2009 wählte ihn die Unionsfraktion zum finanzpolitischen Sprecher, ein gutes Jahr später zog er es vor, Repräsentant des Chemiekonzerns Evonik zu werden. Manche wechseln sogar mehrfach hin und her: Der SPD-Politiker Thomas Mirow mischte in der Hamburger Politik mit, arbeitete als Unternehmensberater, beriet die EU-Kommission und den ehemaligen Kanzler Schröder.

Christine Scheel hat auch die Politikbühne verlassen

Unter Peer Steinbrück wurde er Staatssekretär im Finanzministerium und 2008 Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Nachdem Schwarz-Gelb seine Ambitionen für eine zweite Amtszeitvereitelt hatte, kehrte er in die Wirtschaft und nach Hamburg zurück: als Aufsichtsratsvorsitzender der HSH Nordbank. Auch der Jurist Andreas Krautscheid hat mehrfach gewechselt. Erst saß er für die CDU im Bundestag, dann wurde er Konzernsprecher für den Zementhersteller Readymix/RMC, anschließend ging er zur Telekom. 2006 wechselte er wieder in die Politik, erst als Regierungssprecher in Düsseldorf, dann als Europaminister. Heute ist er Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bankenverbandes.

Roland Koch zog von Hessen aus zum Baukonzern Bilfinger

Auch wenn die Jobs für Ex-Politiker in der Regel lukrativ sind: Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. So wechselte die ehemalige Mittelstandsbeauftragte der Grünen im Bundestag, Christine Scheel, Anfang 2012 zum südhessischen Energieversorger HSE. Ein kurzes Gastspiel, denn schon im Mai 2012 verlor sie im Streit mit dem HSE-Hauptaktionär, der Stadt Darmstadt, ihr Vorstandsamt wieder. Nicht von Dauer war auch der Wechsel der grünen Bundestagsabgeordneten Marianne Tritz 2008: Sie ging ausgerechnet zur Zigarettenlobby, wo die Grünen doch stets vehement den Nichtraucherschutz fordern. Im Herbst 2012 beendete der Zigarettenverband dann die Zusammenarbeit.

Nicht ohne Beigeschmack war, dass der Grüne Matthias Berninger 2007 als Lobbyist zu Mars ging, war er doch unter Rot-Grün im Bundesverbraucherministerium Parlamentarischer Staatssekretär - ein Kontakt, den sich der Süßwarenkonzern offenbar nicht entgehen lassen wollte. Thematisch nah dran am neuen Job war auch SPD-Politiker Rainer Wend, der bis 2005 Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag und danach wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Partei war - bevor er 2009 als Lobbyist zur Post ging.

Ein besonders begehrtes Ziel politikmüder Politiker ist die bundeseigene Deutsche Bahn. Jüngstes Beispiel ist der ehemalige CDU-Abgeordnete Georg Brunnhuber. Er wechselte 2010, nachdem er 2009 nicht mehr für den Bundestag kandidiert hatte, in den Konzern und ist dort jetzt Cheflobbyist. Vor ihm wählten schon andere diesen Weg: Der ehemalige bayerische Wirtschaftsminister Otto-Wiesheu (CSU) wechselte 2006 in den Bahnvorstand, wo ihm die Pflege der politischen Beziehungen oblag. Auch der ehemalige bayerische Finanzminister Georg von Waldenfels (CSU) ging in Bahndienste.

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