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Verleihung der Hayek-Preise : Ein Lob der Freiheit von zwei Bundespräsidenten

Alt-Bundespräsident Joachim Gauck erhält von seinem Vorgänger Horst Köhler den Hayek-Preis. Bild: dpa

Die Hayek-Preise würdigen Persönlichkeiten, die sich beispielhaft für eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in Deutschland einsetzen. Dieses Jahr wird die Ehre dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und der Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Heike Göbel zuteil.

          Wie würde Friedrich August von Hayek wohl über die grundsätzlichen Fragen unserer Zeit denken? Mit dieser Frage hat der grüne Freiburger Oberbürgermeister am Sonntag sichtlich stolz gleich zwei Bundespräsidenten zur Verleihung der Hayek-Preise in seiner Stadt begrüßt. Spalte sich der freie Westen? Die Politik in Deutschland sei immer sozialdemokratischer geworden, doch nationalistische Kräfte hätten Zulauf, wie auch in anderen EU-Ländern, sagte Dieter Salomon und fragte mit Blick auf den Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten: Macht der amerikanische Präsident gerade Schluss mit uns?

          Der österreichische Ökonom und Sozialphilosoph Hayek zählt zu den wichtigsten Vordenkern für eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Da sei es folgerichtig, dass der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck den Internationalen Preis der Friedrich-August-vonHayek-Stiftung für seinen unbeirrbaren Einsatz für Demokratie und Freiheit entgegennehme, sagte der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler in seiner Laudatio. Hayeks Warnungen vor dem Sozialismus und dem „Weg in die Knechtschaft“ habe Gauck am eigenen Leib erlitten. Er wisse, wie es sich in einer Plan- und Zuteilungswirtschaft lebe, in der auf die ökonomische Entmächtigung die gesellschaftliche und politische folge.

          „Verfassung der Freiheit“

          Gauck habe mit seinen Mitstreitern Mut zur Veränderung aufgebracht und die erste friedliche Freiheitsrevolution in Deutschland auf den Weg gebracht. „Das war und ist ein Glück für unser Land“, sagte Köhler. Gauck werbe für Freiheit und Marktwirtschaft im Wissen, dass dies unbequem sein könne. „Wir sind froh und dankbar, dass Gauck der Freiheit in seiner Präsidentschaft so viel Raum gegeben hat“, sagte Köhler. Die heutigen Umbruchzeiten forderten die Verantwortung für Freiheit neu heraus. „Wie halten wir es im Umgang mit China?“, fragte er. Ziele die Plattformökonomie auf globale Digitalmonopole? „Leben wir schon in Vorzeiten einer digitalen Gängelung?“

          Er habe als „Insasse“ der DDR erlebt, wie Kollektivismus und Einschränkung der Freiheit zusammenwirkten, antwortete Gauck. Ohne den Sozialismus wären Sachsen und Thüringen heute ein Äquivalent zum blühenden Baden-Württemberg, ist Gauck überzeugt. Hayeks „Verfassung der Freiheit“ bezeichnete er als die theoretische Blaupause für die Wiedervereinigung. Doch Freiheit von etwas unterscheide sich von Freiheit für etwas, manche empfänden eine freiheitliche Gesellschaft auch als Last. Denn im Wettbewerb könne man scheitern oder abgehängt werden. Die nicht eingeübte Haltung selbst gelebter Verantwortung führe heute in vielen Ländern zum Aufkommen von Nationalismus. Der Westen werde nicht nur von außen, sondern auch aus seiner Mitte heraus bedroht, sogar in der EU, warnte Gauck. Demokratie schließe die Rückkehr der Illiberalität nicht aus. Heute forderten viele den freien Handel, die zuvor gegen ein Freihandelsabkommen mit Amerika demonstrierten. Es sei schwierig, in Deutschland stolz auf etwas zu sein. Doch müssten wir uns nicht schämen für Demokratie, soziale Marktwirtschaft und Rechtsstaat. „Wir müssen verteidigen, was wir lieben und schätzen“, mahnte Gauck.

          Laudatio auf Heike Göbel

          Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio hielt die Laudatio auf Heike Göbel, der für Wirtschaftspolitik verantwortlichen Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die für ihr unentwegtes Eintreten für die Werte von Freiheit und Marktwirtschaft mit dem Publizistik-Preis ausgezeichnet wurde. Göbel durchdringe das notwendige Zusammenspiel der Institutionen, damit Ordnung, Markt und Recht durchgesetzt werden könnten, sagte Di Fabio. Das Land brauche Journalisten mit dem Mut zur eigenen Meinung, wie ihn Göbel habe, und auch ihren Scharf- und Weitblick, um die Mitte der Gesellschaft nicht zu verlieren.

          Nun seien ja alle froh, dass Deutschland endlich wieder eine Regierung bekomme, aber Hayek hätte gefragt, „was diese Regierung denn im Programm hat, worauf wir gewartet haben“, sagte Di Fabio. Der Konkurrenzdruck einer offenen Welt, für welche die Wirtschaftsredaktion der F.A.Z. seit je eintrete, setze dem Paternalismus auch der neuen Koalition Grenzen, antwortete Göbel. Sie erinnerte an den Gewinn von Freiheit und Wohlstand durch Reformen wie die Abschaffung des Post- und Telekommunikationsmonopols. Die 1999 zum 100.Geburtstag des Nobelpreisträgers errichtete Hayek-Stiftung vergibt ihre Preise alle zwei Jahre.

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