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Joachim Gauck : Liebhaber der Freiheit

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Joachim Gauck ist Anwalt der sozialen Marktwirtschaft - das zeigt auch sein neues Buch „Freiheit“. Bild: dpa

Viele bringen Joachim Gauck mit dem Begriff „Freiheit“ in Verbindung. Wie aber steht er genau zur sozialen Marktwirtschaft und zur Antikapitalismusdebatte? Sein neues Buch gibt Aufschluss.

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          Ein „Liebhaber der Freiheit“ sei er, schreibt Joachim Gauck im Geleitwort zu seinem neuen Buch. „Freiheit“ lautet folgerichtig der Titel des schmalen Bändchens. Die Freiheit, die der Bürgerrechtler meint, ist vor allem jene, die die Deutschen 1989 lieben gelernt haben. Da hätten die Menschen es abgelehnt, weiter nutzloses Beiwerk des Staates zu sein, schreibt er. Vom Staatsinsassen wollten sie zum Bürger werden.

          Für sich selbst sorgen

          Doch Freiheit ist für den Zweiundsiebzigjährigen untrennbar mit Verantwortung verbunden. Er beklagt das Unvermögen vieler Menschen, aktiv zu werden, wenn aus der Sehnsucht nach Freiheit die Gestaltung von Freiheit wird. Wer Glück wie im Schlaraffenland suche, werde Enttäuschung erleben. Für sich selbst sorgen, nicht auf ein glückliches Schicksal warten, das den idealen Partner, die Karriere oder das Einfamilienhaus beschert - diese Botschaft verbreitet Gauck, für den Gerechtigkeit mehr bedeutet als Verteilung und der sich den Staat nicht als gütigen Fürsten mit Füllhorn wünscht.

          Dass Gauck Freiheit, Verantwortung und Selbstverantwortung so stark betont, macht ihn zum Anwalt der sozialen Marktwirtschaft. „Ja, es gibt Mängel in unserer Demokratie und Marktwirtschaft“, schreibt Gauck. Er hält das Prinzip „Fördern und Fordern“ für richtig. Das System sei nicht vollkommen, aber lernfähig. Wenn man politische Freiheit gestalten wolle, gebe es nicht allzu viele Varianten - er jedenfalls kenne keine, die vorzuziehen wäre. Gegenentwürfe, in denen der Einzelne im Kollektiv verschwindet, hätten sich nicht behauptet. In ihnen hätten die Menschen „weniger Freiheit, weniger Lebensfreude, weniger Rechtssicherheit und weniger Wohlstand“ erfahren.

          Ein linker Konservativer

          Die herrschende Kapitalismuskritik bezeichnete Gauck einmal als „unsäglich albern“. Zwar verlangt er, kapitalistischen Systemen kritisch gegenüberzutreten. „Es soll und muss debattiert werden, ob konservative, liberale oder linke Vorstellungen einer sozialen Marktwirtschaft eher gerecht werden oder bessere Lösungen für künftige Krisen anbieten.“ Trotzdem gebe es keinen Grund, „eine neue Variante von Antikapitalismus in die politische Debatte zu bringen“.

          Neben Freiheit und Verantwortung betont Gauck, der sich einen linken, liberalen Konservativen nennt, die Toleranz. Kritiker haben ihm vorgeworfen, dass er Thilo Sarrazin für dessen Buch „Deutschland schafft sich ab“ „Mut“ attestiert hatte. In seinem Freiheitsplädoyer präzisiert Gauck: Der Toleranz sei nicht gedient, wenn man das eigenes Profil verwässere, sondern indem man sich der eigenen Werte vergewissere. Dann könne man die Tür öffnen, ohne den Fremden vorzuschreiben, zu werden wie man selbst.

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