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Jerome Powell : Der mächtigste Notenbanker der Welt trotzt Trump

  • Aktualisiert am

Jerome Powell ist der Chef der mächtigsten Notenbank der Welt. Bild: AFP

Gerade noch beschwerte sich Donald Trump über die Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank. Deren Chef sagt nun, wie es wohl weitergehen wird.

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          Der amerikanische Notenbankchef Jerome Powell hat sich ungeachtet der Kritik von Präsident Donald Trump für eine Fortsetzung des bisherigen Kurses der behutsamen Zinserhöhungen ausgesprochen. Die Wirtschaft zeige sich stark und die Inflation liege nahe beim Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank, sagte Powell an diesem Freitag in seiner mit Spannung erwarteten Rede auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming. „Wenn das starke Wachstum bei Einkommen und Arbeitsplätzen anhält, werden weitere graduelle Anhebungen der Zielspanne für die Leitzinsen wahrscheinlich angemessen sein.“ Trump hatte gerade den Zinskurs der Fed ungewöhnlich offen attackiert.

          Die Währungshüter müssen laut Powell so navigieren, dass sowohl eine Überhitzung der Wirtschaft als auch eine übereilte Straffung der Geldpolitik vermieden werden. Denn trotz der niedrigen Arbeitslosigkeit im Land gebe es keine klaren Anzeichen für ein Inflationsproblem. Daher müsse die Notenbank vorsichtig vorgehen. Mit dem gegenwärtigen Kurs nehme die Fed diese beiden Risiken ernst.

          Trump verärgert

          Der Dollar gab nach Powells Aussagen nach. Der Euro kletterte im Gegenzug um bis zu 0,9 Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch von 1,16 Dollar. „Die Aussagen zur Inflation waren vielleicht ein wenig expansiv, aber es scheint keine Änderung beim eingeschlagenen Pfad gradueller Zinsanhebungen zu geben“, sagte Analyst Brad Bechtel von Jefferies. Er rechnet weiter mit Zinsschritten im September und im Dezember.

          Die Arbeitslosenquote stand in den Vereinigten Staaten im Juli bei 3,9 Prozent, was praktisch Vollbeschäftigung gleichkommt und eines der Ziele der Notenbank ist. Bei der Inflation achtet die Fed insbesondere auf Preisveränderungen bei den persönlichen Verbraucherausgaben (PCE) ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelkosten. Hier lag die Steigerungsrate im Juni mit 1,9 Prozent leicht unter dem Zielwert der Fed von zwei Prozent.

          Die Dollar-Wächter waren Ende 2015 nach Jahren der Krisenpolitik auf einen Kurs der behutsamen Zinserhöhungen umgeschwenkt. Dieses Jahr haben sie ihren Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bereits zwei Mal angehoben – zuletzt im Juni auf das aktuell gültige Niveau von 1,75 bis 2 Prozent. Eine Zwei vor dem Komma hatte es zuletzt im Jahr 2008 zur Zeit der Finanzkrise gegeben.

          Trump hatte Powell am Montag ungewöhnlich offen attackiert. Er kritisierte insbesondere die straffere Geldpolitik Powells, der von ihm selbst als Fed-Präsident nominiert worden war. „Ich bin nicht davon begeistert, dass er die Zinsen erhöht“, sagte Trump. Ihn treibt die Sorge um, dass wenige Monate vor den Zwischenwahlen im Kongress im November weitere Zinsschritte die Konjunktur bremsen könnten.

          Vor Powell hatten sich bereits mehrere Fed-Mitglieder für weitere Anhebungen der Sätze ausgesprochen. Die Chefin der Fed von Kansas City, Esther George, erklärte am Donnerstag, aus ihrer Sicht seien in diesem Jahr „zwei oder mehr Zinserhöhungen“ angebracht. 2019 könnten weitere Schritte abhängig von den wirtschaftlichen und finanzpolitischen Bedingungen folgen. Der Fed-Präsident von Dallas, Robert Kaplan, erklärte, die jüngsten Äußerungen Trumps würden die Notenbank-Entscheidungen nicht beeinflussen. Er rechnet mit drei bis vier Zinserhöhungen in den nächsten neun bis zwölf Monaten.

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