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Organspendereform : Besser organisiert, besser vergütet

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Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird am Eingang eines OP-Saales vorbeigetragen. Bild: dpa

Im Jahr 2017 erreichte die Zahl der Organspenden einen Tiefpunkt. Gesundheitsminister Spahn sieht das Problem nicht bei der Bereitschaft. Seine geplante Reform soll offenbar in den Kliniken ansetzen.

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          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will einem Medienbericht zufolge mit einer verbesserten Organisationsstruktur und einer höheren Vergütung für die Kliniken die Zahl der Organspenden in Deutschland erhöhen. Das berichtete die „Rheinische Post“ am Freitag unter Berufung auf einen Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums. Mit der Neuregelung würden „die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen in den Entnahmekrankenhäusern geschaffen, um die Organspendezahlen nachhaltig zu erhöhen“, heißt es darin.

          Die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken sollen demnach mehr Zeit für ihre Arbeit und intern eine stärkere Stellung erhalten. Die betroffenen Krankenhäuser sollen für die Organspenden und für das Vorhalten der Infrastruktur besser bezahlt werden. Zudem solle ein flächendeckendes Berichtssystem offenlegen, ob die Kliniken tatsächlich die Chancen für Organspenden auch wahrnehmen.

          Auch kleinere Krankenhäuser sollen Organe entnehmen können

          2012 trat nach Skandalen um manipulierte Organspenden ein neues Gesetz in Kraft, das jeder Klinik mit
          Intensivstation vorschrieb, Transplantationsbeauftragte einzusetzen. Sie sollen potenzielle Organspender erkennen, melden und Betroffene begleiten. Verbände kritisierten, dass viele Beauftragte diese Aufgaben zusätzlich zu ihrer normalen Tätigkeit übernehmen und daher kaum Zeit dafür hätten.
          Künftig soll es verbindliche Vorgaben für die Freistellung der Transplantationsbeauftragten geben, die sich dem Ministerium zufolge aus der Zahl der Betten auf Intensivstationen ergibt.

          Das Hauptproblem sei nicht die Spendenbereitschaft – immer mehr Menschen hätten einen Organspendeausweis. „Ein entscheidender Schlüssel liegt vielmehr bei den Kliniken. Ihnen fehlen häufig Zeit und Geld, um mögliche Organspender zu identifizieren“, heißt es demnach aus dem Ministerium. Zunehmende Arbeitsverdichtung im klinischen Alltag auf den Intensivstationen und die fehlende Routine führten dazu, „dass die Gemeinschaftsaufgabe Organspende nicht wahrgenommen wird“, beschreibt der Gesetzentwurf die Problemlage.

          Geplant ist ferner, dass auch kleine Krankenhäuser Organe bei Verstorbenen entnehmen können sollen. Damit eine Organspende überhaupt möglich ist, muss der „nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms festgestellt werden“. Damit dieser Befund auch in kleineren Kliniken festgestellt werden kann, sieht Spahns Gesetzentwurf einen bundesweiten beratenden neurologischen Bereitschaftsdienst vor.

          Widerspruchslösung zunächst nicht geplant

          Die Bundesärztekammer hat den Entwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Organspende-Reform gelobt. „In der Tat sind die Strukturen in den Kliniken das Problem“, sagte Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Freitag). Die Spenden würden nicht ausreichend finanziert, und die Transplantationsbeauftragten hätten nicht genug Rechte.

          Montgomery sprach sich zudem für die Widerspruchslösung aus, die in dem Entwurf allerdings nicht enthalten sei. „Als Arzt vertrete ich die Widerspruchslösung, ich halte sie in unserem Rechtssystem, in dem man für jeden Pieks und jeden kleinen Eingriff eine einzelne Einwilligung geben muss, jedoch für sehr schwer durchsetzbar.“ Mit einer Widerspruchslösung könnten Organe entnommen werden, wenn der verstorbene Patient nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. In Deutschland gilt bislang aber die sogenannte Entscheidungslösung, sodass eine Entnahme nur möglich ist, wenn eine Zustimmung vorliegt.

          Die Zahl der Organspender hatte nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation im vergangenen Jahr mit 797 einen Tiefpunkt erreicht. Im ersten Halbjahr 2018 gab es eine Zunahme.

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