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Jemen : Das Armenhaus Arabiens

Wirtschaftszweig ohne Wachstumsperspektive: Jemens Fischer verfügen nicht über hochseetüchtige Schiffe Bild:

Nur etwa 200 Dollar beträgt das Pro-Kopf-Einkommen im Monat. Öl und Gas bringen bloß geringe Deviseneinnahmen. Die Landwirtschaft leidet, weil der Anbau der Volksdroge Qat zu viel Wasser verbraucht. Der Jemen ist das ärmste arabische Land - mit wenig Aussicht, dass sich dies ändern wird.

          Der Jemen ist als Rückzugsgebiet für Al Qaida nicht nur ein politisches Sorgenkind der arabischen Welt. Er ist auch das ärmste arabische Land, und es besteht wenig Aussicht, dass sich das ändern wird. Das hohe Wachstum der Bevölkerung von derzeit 24 Millionen macht das bescheidene Wachstum der Wirtschaft zunichte, so dass es die Armut lediglich stabilisiert. Die Weltbank hatte für 2008 ein Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent ermittelt und schätzt 3,8 Prozent für 2009. Damit stagniert das Einkommen je Einwohner seit Jahren. Nominal liegt es bei umgerechnet 1150 Dollar im Jahr, kaufkraftbereinigt sind es 2400 Dollar - also 200 Dollar im Monat.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Energiekonzerne aus Frankreich und Korea hatten zwar in den vergangenen Jahren 4,5 Milliarden Dollar in Großanlagen im Jemen investiert, um Gas zu verflüssigen und zu exportieren. Die Investition erhöhte einige Jahre die Statistik der ausländischen Direktinvestitionen. Das Leben der Jemeniten änderte sie aber nicht. Zudem hatte der Jemen, um das Projekt überhaupt zu ermöglichen und Interessenten zu finden, einer langfristigen Lieferbindung zu niedrigen Gaspreisen zugestimmt.

          An dem Konsortium hält Total 40 Prozent. Auf die beiden staatlichen südkoreanischen Energieunternehmen KNPC und Kogas sowie Hyundai entfallen 22 Prozent, auf das texanische Ölunternehmen Hunt 17 Prozent, die restlichen 21 Prozent auf die jemenitische Gasgesellschaft YGC und den staatlichen Pensionsfonds. Das Gas stammt aus dem „Block 18“, für das Hunt Oil lange eine Konzession hatte. Der jemenitische Staat hat diese aber annulliert und einer jemenitischen Ölgesellschaft übertragen, die der Familie des Staatspräsidenten Ali Abdullah Saleh gehört.

          Kontinuierlich sinkende Ölproduktion

          Eine 320 Kilometer lange Leitung befördert das Gas aus dem „Block 18“ an die Küste, wo es verflüssigt wird. Im vergangenen November fuhr das erste mit Flüssiggas LNG beladene Schiff nach Korea. Noch in diesem Jahr soll die maximale Produktion einer Menge erreicht werden, die 180.000 Barrel (je 159 Liter) am Tag entspricht. Damit kann der Jemen vorläufig die sinkende Ölproduktion auffangen. Anfang des Jahrzehnts hatte sie ihren Höchstmarke von 430.000 Barrel am Tag erreicht. Seither sinkt sie kontinuierlich und liegt bei nur noch 280 000 Barrel.

          Von der kanadischen Ölgesellschaft Nexen, die noch 45.000 Barrel am Tag fördert, heißt es, sie prüfe, ob sie weiter im Land bleiben soll. Bedeutende neue Funde sind seit langem nicht mehr gemacht worden, auch rechnet niemand mehr damit. Im vergangenen Jahr hatte kein einziges internationales Ölunternehmen Interesse an der Versteigerung für Konzessionen für die Exploration von Ölfeldern oder für die Förderung von Erdöl gezeigt, die das Ölministerium vorbereitet hatte. Einnahmen aus dem Verkauf von Öl- und Gasprodukten machen 70 Prozent des jemenitischen Staatshaushalts aus.

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