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Bahn : Jeder dritte ICE verspätet

  • Aktualisiert am

Ein ICE am frühen Morgen bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof von Frankfurt. Bild: dpa

Die Deutsche Bahn ist im Fernverkehr aus dem Tritt wie lange nicht. Der Konzern räumt die Misere ein. Es sei ein „unseliger Mix aus Störfaktoren“ entstanden. Die Flüchtlinge verschärfen die Situation.

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          Die Deutsche Bahn bringt die Reisenden mit miserablen Leistungen gegen sich auf: Fernzüge sind unpünktlich wie lange nicht, ICEs fallen ganz aus, die Bordküche streikt. Die Lage sei „nicht zufriedenstellend“, bestätigte ein Konzernsprecher der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. „Wir wissen, das ist ärgerlich für unsere Kunden.“

          Fast jeder dritte Zug im Fernverkehr ist laut Statistik der Bahn zu spät unterwegs, das heißt er hat mehr als fünf Minuten Verspätung. An besonders chaotischen Tagen verpassen die Reisenden dadurch auch jeden dritten Anschlusszug. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Situation zu verbessern“, sagte der Sprecher der F.A.S.: „Trotzdem müssen wir uns eingestehen, unser Produktversprechen nicht eingehalten zu haben.“

          Das Unternehmen schafft derzeit nicht mal die eigenen Vorgaben: Mehr als 80 Prozent aller Fernverkehrszüge sollten pünktlich sein. Dieses Ziel erreichte die Bahn zuletzt Anfang des Jahres. Seither hat die Zahl der Verspätungen merklich zugenommen. „Die Verspätungen sind leider Ausdruck der Gesamtsituation der Bahn“, heißt es aus dem Bahn-Tower entschuldigend. Als Ursache für die Misere wird ein „unseliger Mix aus Störfaktoren“ genannt.

          Viele Baustellen und keine neuen Züge

          Ein Grund ist die Renovierung des Streckennetzes. 28 Milliarden Euro darf die Bahn in den kommenden fünf Jahren verbauen, das bringt Unmengen an Baustellen - und noch mehr Verspätungen. „Die Investitionen verschlechtern die Pünktlichkeit, das schlägt durch auf die Statistik“, hat Bahn-Chef Rüdiger Grube intern gewarnt. Zudem klagt die Bahn seit längerem über eine veraltete und zu kleine Flotte wegen ausbleibender Lieferungen von neuen Zügen. So agiert der Konzern ständig am Limit, mehr oder weniger ohne Ersatzzüge. An Freitagen und Sonntagen fährt alles, was irgendwie einsatzbereit ist. „Da haben wir keinen Spielraum mehr", sagte der Konzernsprecher. Tritt etwas Unplanmäßiges auf, kann die Bahn sich nur durch den Tag hangeln. Sie schiebt dann Züge oder Zugteile hin und her, was zur Folge hat, dass Reservierungen und Wagenreihungen hinfällig sind. An Tagen mit großen Störungen laufen bis zu einem Drittel aller Züge in der falschen Reihenfolge in den Bahnhof ein.

          Zusätzliche Dramatik bringt der Zustrom an Flüchtlingen. Die Massen an Hilfesuchenden, die seit Wochen nach Deutschland strömen, fordern die Bahn in doppelter Hinsicht. Zum einen muss sie Sonderzüge aufs Gleis setzen, die sie eigentlich nicht hat. Das führt immer wieder dazu, dass ein Zug irgendwo fehlt. Außerdem wurden die Direktzüge zwischen München und Salzburg eingestellt. Passagiere aus Österreich müssen somit über Passau fahren, erreichen München später als sonst. Die Bahn lässt ihre ICEs, wenn möglich, warten, um die Reisenden aufzunehmen - und schon ist der ICE-Fahrplan aus dem Takt. Im Zweifel den ganzen Tag: Startet ein ICE morgens von München nach Hamburg zu spät, kann auch dessen Rückfahrt am Nachmittag nicht pünktlich beginnen.

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