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Steuerpolitik : Japans Steuerbehörde wirbt mit „Sake Viva!“ um junge Alkoholtrinker

In einem Restaurant in Tokio werden Sake-Gläser für Gäste vorbereitet. Bild: AP

Nach der Pandemie wirbt Japans Steuerbehörde mit „Sake Viva!“ um junge Alkoholtrinker. Neben der demographischen Entwicklung haben die Corona-Maßnahmen in der Gastronomie dem Alkoholkonsum in Japan zusätzlich geschadet.

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          Nach der Pandemie hat die japanische Regierung ein neues Problem. Junge Menschen trinken zu wenig Alkohol. Diesen Schluss legt eine Kampagne der Nationalen Steuerbehörde nahe, die unter dem Motto „Sake Viva!“ in einem Wettbewerb speziell junge Leute dazu aufruft, Geschäftsideen für mehr Alkoholkonsum und für die darbenden japanischen Brauereien zu entwickeln.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In der sozialen Medien löste die Kampagne, die sich mit „Ein Hoch auf den Alkohol“ übersetzen lässt, einen Sturm der Entrüstung aus. Viele Kommentatoren mokieren sich, dass die Regierung mit Steuergeld den gesundheitsschädlichen Alkoholgenuss fördere. Ein Nutzer auf dem Kurznachrichtendienst Twitter stellt die Frage, ob die Regierung das durchschnittliche Lebensalter reduzieren möchte, um die in der alternden Gesellschaft steigenden Sozialkosten zu verringern.

          Die Steuerbehörde erklärt, dass sie exzessiven Alkoholgenuss nicht bewerben wolle. Das Gesundheitsministerium ist an der Kampagne nach eigenen Angaben nicht beteiligt und empfiehlt, Alkohol mit Verantwortung zu trinken. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation von 2018 tranken Japaner umgerechnet 8 Liter reinen Alkohol je Kopf im Jahr. Für Deutschland werden 13,4 Liter genannt. Der Wettbewerb richtet sich an Menschen zwischen 20 und 39 Jahren, die bis Anfang September Marketingideen für mehr Alkoholkonsum einreichen können. Alkoholkonsum ist in Japan erst ab 20 Jahren erlaubt.

          Mehr Umsatz, höhere Steuereinnahmen

          In Kern zielt die Steuerbehörde darauf ab, den Konsum von Reiswein, Schnaps oder Whiskey zu steigern, um den heimischen Brauereien zu helfen und den Steuersäckel des hoch verschuldeten Staats aufzufüllen. Der Verbrauch an Alkohol geht schon seit Jahren zurück, auch als Folge der alternden Gesellschaft. 1995 tranken Japaner im Durchschnitt 100 Liter alkoholische Getränke im Jahr. 2020 waren es nur noch 75 Liter. Entsprechend rückläufig sind die Einnahmen aus der Alkoholsteuer. Im Fiskaljahr 2020 sammelte der Staat mit der Alkoholsteuer 1,13 Billionen Yen (8,2 Milliarden Euro) ein, 9,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch langfristig sinken die Einnahmen aus der Alkoholsteuer. Zuletzt trug die Alkoholsteuer nur noch 1,7 Prozent zu den gesamten Steuereinnahmen bei, 2011 waren es noch 3 Prozent und 1980 sogar 5 Prozent.

          Neben der demographischen Entwicklung schadete die Corona-Pandemie dem Alkoholkonsum in Japan zusätzlich. Eine der wichtigsten Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus war seit 2020 immer wieder, dass Bars und Restaurants abends früher schließen sollten. Zum Teil waren ausdrücklich die Ausschankzeiten für Alkohol zusätzlich begrenzt. Damit sollte verhindert werden, dass angeheiterte Gäste sich laut unterhielten. Das Gros der Restaurantbesitzer hielt sich an die Empfehlungen, die nicht mit Strafen belegt waren. Zusammen mit der Empfehlung, mehr von zu Hause aus zu arbeiten, entfielen so die in Japan verbreiteten Trinkabende mit Kollegen. Auch während der Pandemie aber trafen sich in den beliebten Ausgehvierteln in Tokio am Wochenende zu späten Nachtstunden oft jüngere Japaner vor kleinen Supermärkten, um gemeinsam Alkohol zu trinken.

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