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Geldpolitik : Japans Notenbank erwartet höhere Inflationsrate

Haruhiko Kuroda, Gouverneur der Bank of Japan Bild: Reuters

Jahrelang hatte die Bank von Japan Deflationsrisiken in der Vordergrund ihrer expansiven Geldpolitik gestellt. Doch jetzt justieren die Geldpolitiker ihr Lagebild neu.

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          Der global steigende Inflationsdruck ist in der Bank von Japan angekommen. Zum ersten Mal nach sieben Jahren änderten die japanischen Geldpolitiker am Dienstag ihre grundlegende Einschätzung der Preisentwicklung in dem asiatischen Land. War diese bislang weitgehend von Deflationsrisiken bestimmt, heißt es im neuen Wirtschaftsausblick der Bank nun: "Die Risiken für die Preise sind generell ausgeglichen."

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Damit schließt die Zentralbank unter Gouverneur Haruhiko Kuroda nicht mehr aus, dass die Inflation stärker steigen könnte als in ihren Prognosen vorhergesehen. In den vergangenen Jahren hatte die Bank immer wieder betont, dass die Risiken für die Preise nach unten weisen und so Deflationsrisiken in den Mittelpunkt gestellt.

          Diese grundlegende Neubestimmung führte die Bank nicht zu einer Änderung der konkreten Geldpolitik. Die Zentralbank behielt am Dienstag den bisherigen Kurs des negativen Zinssatzes und der Ankäufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren unverändert bei.

          Signal für eine straffere Geldpolitik?

          Der japanische Yen gab nach der Entscheidung gegenüber Dollar und Euro kurzzeitig ein wenig nach. Investoren sehen die Entscheidung der Bank von Japan offenbar als ein Signal, dass die Bank von Japan weit später als die amerikanische Federal Reserve oder die Europäische Zentralbank mit einer Straffung der Geldpolitik beginnen werde. Der Nikkei-Aktienindex gab leicht nach und lag etwa 0,25 Prozent im Minus.

          Japan erlebt wie andere Länder teurere Energiekosten und den Preisdruck wegen der global angespannten Lieferketten. Mit einer Inflationsrate von zuletzt 0,6 Prozent aber ist das Preisniveau noch bei weitem nicht so stark gestiegen wie in Europa oder in Amerika. Die Erzeuger- und Großhandelspreise steigen demgegenüber stark. Zumindest ein Teil dieses Preisanstiegs wird auf die Verbraucherpreise durchschlagen.

          In der aktuellen Prognose erwartet die Bank im im April beginnenden Fiskaljahr eine Inflationsrate von etwa 1,1 Prozent. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im Oktober erwartet. Auch für das Folgejahr 2023 prognostiziert die Zentralbank nun eine Inflationsrate von etwa 1,1 Prozent. Käme es so, wäre die Bank freilich noch weit von ihrem mittelfristigen Inflationsziel 2 Prozent entfernt.

          Die Entscheidung kommt zu einer Zeit, in der die Omikron-Variante des Coronaviruses die Neuinfektionen drastisch in die Höhe treibt. Das birgt zumindest auf kurze Sicht neue wirtschaftliche Risiken. Die Regierung erwägt, die Großräume Tokio und Osaka wieder unter verschärfte Antivirusmaßnahmen zu stellen.

          Für das Wirtschaftswachstum setzt die Bank im kommenden Fiskaljahr eine Rate von rund 3,8 Prozent an. Das ist spürbar mehr als zuvor erwartet, spiegelt aber weitgehend eine Verschiebung in der wirtschaftlichen Erholung wider. Die Knappheit an Vorprodukten wie Halbleiter durch angespannte Lieferketten bremste die japanische Wirtschaft zuletzt aus. Die Erholung im laufenden Fiskaljahr mit 2,8 Prozent fällt in der Prognose entsprechend schwächer aus. Nach Einschätzung der Bank könnte diese Belastung im kommenden Fiskaljahr aber nachlassen und zusammen mit den geplanten Zusatzausgaben der Regierung das Wachstum zusätzlich antreiben.

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