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Restriktionen aufgehoben : Ein Geschenk für Japans neue Regierung

Spaziergänger in Kyoto, am ersten Wochenende nach der Aufhebung des Corona-Notstands. Bild: dpa

Am Freitag fielen in Japan die Virus-Notstandserklärungen. Gemessen an der Impfquote ist das Land für die wirtschaftliche Erholung gut aufgestellt. Schwierigkeiten gibt es dennoch genug für den neuen Ministerpräsidenten.

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          Die scheidende japanische Regierung hat dem neuen Ministerpräsidenten Fumio Kishida ein Geschenk hinterlassen. Am Freitag fielen in allen betroffenen Präfekturen die Virus-Notstandserklärungen. Das Land hat die fünfte und bislang schwerste Viruswelle hinter sich. Zum ersten Mal seit Anfang April ist ganz Japan frei von verschärften Beschränkungen des Wirtschaftslebens zur Bekämpfung der Pandemie. Bars und Restaurants dürfen wieder länger öffnen und Alkohol ausschenken. Sport- und Konzertveranstalter dürfen bis zu 10.000 Gäste empfangen. Der beginnende Ansturm auf beliebte touristische Ziele schon an diesem Wochenende zeigt, dass viele Japaner willens sind, von den neuen Freiheiten Gebrauch zu machen. Der neuen Regierung, die an diesem Montag installiert wird, verschafft das einen wirtschaftlich positiven Beginn.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Möglich wurde das durch eine rigorose Covid-Schutzimpfkampagne. Japan begann zwei bis drei Monate später als etwa Deutschland mit Schutzimpfungen im großen Stil, hielt dann aber ein rasantes Tempo durch. Mit 71 Prozent der Bevölkerung sind relativ mehr Japaner mindestens einmal gegen Covid geimpft als die 68 Prozent in Deutschland. Impfmüdigkeit zeigt sich noch nicht. In Kürze wird Japan Deutschland auch beim Bevölkerungsanteil der voll Durchgeimpften überholt haben. In absoluten Zahlen sticht Japan ohnehin hervor. Mehr als 89 Millionen Japaner haben schon eine Impfung erhalten, während Deutschland an die 57 Millionen Menschen impfte. Für die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio kam Japans Regierung mit den Impfungen zu spät. Für die wirtschaftliche Erholung nach der Delta-Varianten-Welle aber ist das Land, gemessen an der Impfquote, besser aufgestellt als Deutschland.

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