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Japan : Stolperstein vor Wiedereinstieg in die Kernkraft

Kernkraftwerk Takahama Bild: AP

Ein Gericht in Japan stoppt wegen Sicherheitsbedenken das Hochfahren von zwei Reaktoren. Doch die Regierung hält an der Kernkraft fest.

          Ein Bezirksgericht in Westjapan hat der Regierung einen neuen Stolperstein vor den Wiedereinstieg in die Kernenergie gelegt. Das Gericht in Fukui untersagte es dem regionalen Energieversorger Kansei Electric Power, zwei Reaktoren des Kraftwerkkomplexes Takahama in Betrieb zu nehmen. Die Sicherheit vor Erdbeben sei nicht nachgewiesen, erklärte das Gericht.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Geklagt hatten Anwohner. Kansai Electric wollte die Reaktoren im November wieder anlaufen lassen. Die nationale Aufsichtsbehörde hatte die Reaktoren im Februar geprüft und für unbedenklich befunden. Das gleiche Gericht hatte schon im Mai vergangenen Jahres dem Unternehmen den Start zweier anderer Reaktoren untersagt.

          Nach dem Kernkraftwerksunglück 2011 in Fukushima Daiichi hatte Japan bis 2013 alle 48 Reaktoren abgeschaltet. Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe plant, diejenigen Reaktoren wieder anlaufen zu lassen, die die verschärften Sicherheitsprüfungen bestehen. Die Regierung nennt diese Standards die „strengsten der Welt“. Zwei Reaktoren von Kyushu Electric Power im Südwesten Japans nahe Kagoshima haben die Prüfung bestanden und sollen im Sommer wieder ans Netz gehen. Doch auch hier steht noch eine Gerichtsentscheidung darüber an.

          Vor der Fukushima-Katastrophe trug die Kernenergie rund 30 Prozent zur Stromversorgung in Japan bei. Die Abe-Regierung debattiert für 2020 ein Ziel von fast 20 Prozent Kernenergieanteil. Mit dem temporären Verzicht auf die Kernkraft und der stärkeren Nutzung von Kohlekraftwerken hat der Ausstoß von Klimagasen sich erhöht. Im Fiskaljahr bis März 2014 lag der Ausstoß mit 1,4 Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten so hoch wie seit dem Rekordjahr 2007 nicht mehr, zeigen Daten des Umweltministeriums. Das waren 0,8 Prozent mehr als 2005 oder 10,8 Prozent mehr als 1990. Die Regierung hat die Klimaziele verringert und strebt dem Vernehmen nach an, bis 2030 den Ausstoß um etwa 20 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. Amerika und Europa haben sich größere Reduktionsziele gesetzt.

          Für den Energieversoger Kansai Electric ist das Gerichtsurteil ein schwerer Schlag, weil es vor dem vierten Verlustjahr steht. Das Unternehmen, das wie andere Versorger unter der Energieimportrechnung ächzt, kündigte Widerspruch gegen das Urteil an.

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