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Streit um Entschädigungen : Japaner stehen hinter harter Handelspolitik gegen Südkorea

Japans Regierungschef Shinzo Abe Bild: dpa

Die japanische Regierung kann sich bestätigt fühlen. Ein Großteil der Bevölkerung hält die neuen Handelsbeschränkungen gegenüber Südkorea für richtig.

          Die meisten Japaner stehen hinter den Handelsbeschränkungen, die die japanische Regierung vergangene Woche gegen Südkorea verhängt hat. Nach einer Umfrage des „Japan News Networks“ halten 58 Prozent der Befragten die verschärften Ausfuhrbestimmungen für richtig. 24 Prozent lehnten die Handelsbeschränkungen ab. Wenige Wochen vor der Oberhauswahl kann die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe sich so bestätigt fühlen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Im Streit um Entschädigungszahlungen für ehemalige südkoreanische Zwangsarbeiter hatte die japanische Regierung vergangene Woche die Ausfuhrkontrollen für drei Chemikalien nach Südkorea verschärft. Seit Donnerstag müssen japanische Exporteure für jede Ausfuhr der drei Chemikalien eine gesonderte Genehmigung beantragen, was Zeit kostet und die Lieferung verzögert. Japan erwägt zudem, Südkorea von der Liste sicherer Exportmärkte zu streichen. Das würde die Exportkontrollen für weit mehr Güter verschärfen.

          Tokio begründet Maßnahmen mit Sicherheitsbedenken

          Südkoreas Elektronikindustrie und die Regierung versuchen in Sondertreffen, den möglichen wirtschaftlichen Schaden zu erfassen und zu begrenzen. Die drei Chemikalien, darunter Fluorwasserstoff, werden für die Produktionen von Halbleitern benötigt. Japanische Hersteller halten nach Schätzungen einen Weltmarktanteil von 70 bis 90 Prozent.

          Nach einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap ist der faktische Chef des größten südkoreanischen Konglomerats, Lee Jae-yong, am Sonntag nach Tokio geflogen, um in Japan mit Zulieferern die Lage zu besprechen. Samsung Electronics wollte die Meldung nicht kommentieren. Das Unternehmen bewerte die derzeitige Lage und prüfe Gegenmaßnahmen, um den Einfluss auf die Produktion zu minimieren, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage.

          Die Regierung in Tokio begründet die Maßnahmen mit Sicherheitsbedenken, nachdem Südkorea nicht mehr als vertrauenswürdiger Handelspartner angesehen werden könne. Die Regierung in Seoul spricht dagegen von wirtschaftlicher Vergeltung, nachdem das höchste Gericht in Südkorea japanische Unternehmen zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter verurteilt hatte. Japan verweist darauf, dass diese Ansprüche mit dem Grundlagenvertrag von 1965 abgegolten seien. Die südkoreanische Regierung bestreitet das und hat die Aufforderung Japans, den Streit von Schlichtern klären zu lassen, faktisch abgelehnt.

          Der Ärger in der südkoreanischen Bevölkerung scheint sich bislang in Grenzen zu halten. Eine Petition auf einer Internetseite des südkoreanischen Präsidialamtes, deren Verfasser zum Boykott japanischer Waren aufruft, erhielt in einer Woche rund 33.000 Stimmen. Das ist zwar weit mehr als viele andere Petitionen, aber noch weit entfernt von den 200.000 Stimmen, die gesammelt werden müssen, damit in die Regierung zu einer Stellungnahme verpflichtet ist. Andere Petitionen auf der Internetseite rufen zum Boykott der Olympischen Spiele 2020 in Tokio auf, um Japan für die Handelserschwernisse zu bestrafen.

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