https://www.faz.net/-gqe-a2z4r

Bilanz der Abenomics : Abe hinterlässt ein stärkeres Japan

  • -Aktualisiert am

Der scheidende japanische Ministerpräsidenten Shinzo Abe hat den Arbeitsmarkt für Gastarbeiter geöffnet. Bild: EPA

Ob Japan von China und Amerika respektiert wird, hängt auch an seiner Wachstumskraft. Japans scheidender Ministerpräsident Abe hat hier manches erreicht. Bis Japan wieder ein attraktiver Standort ist, bleibt aber noch ein weiter Weg.

          3 Min.

          Es ist ein Leichtes, dem scheidenden japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe und seiner Wirtschaftspolitik der „Abenomics“ ein schlechtes Zeugnis auszustellen. Die Wirtschaft steckt seit der Erhöhung der Konsumsteuer im Oktober und drastisch verschärft durch die Corona-Krise in der Rezession. Die Bank von Japan flutet seit mehr als sieben Jahren schon die Wirtschaft mit monetärer Liquidität, und es ist unklar, wie dieses geldpolitische Abenteuer enden wird. Die Geldpolitik monetisiert zunehmend die öffentliche Schuld, die in den Abe-Jahren auf mehr als 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen ist. Das ist die negative Seite nach fast acht Jahren Abenomics.

          Zugleich aber hinterlässt Abe ein Land, das wirtschaftlich stärker und offener ist als zuvor. Abe hat mit Regeln und mittels des staatlichen Pensionsfonds den börsengetriebenen Aktionärskapitalismus vorangebracht und die Unternehmen so unter größeren Effizienzdruck gesetzt. Mit kleineren Reformen gab er dem verkrusteten Arbeitsmarkt mehr Flexibilität und eröffnete dadurch Millionen Japanern, vor allem Frauen und Älteren, Wege in die Beschäftigung. Abe öffnete den Arbeitsmarkt zudem legal für Gastarbeiter. Er führte Japan in den weitgehenden Freihandel in der Transpazifischen Partnerschaft und mit der Europäischen Union. All das stärkt auf mittlere Sicht die Wachstumsmöglichkeiten Japans, auch wenn sich die Reformen in den Statistiken noch nicht in einem Produktivitätsschub niederschlagen. Sicher hätte man sich noch mehr Reformen gegen das Starre und Verkrustete gewünscht. Doch wie stünde das Land mit seiner alternden und schrumpfenden Bevölkerung heute da, wenn es Abes begrenzte Reformen nicht gegeben hätte?

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+