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Rüstung : Japan plant seinen ersten Flugzeugträger

Das japanische Militärschiff Izumo Bild: Reuters

Was ist 248 Meter lang, sieht wie ein Flugzeugträger aus, hat aber nur Helikopter an Bord? Es ist der japanische Zerstörer Izumo. Nun soll das Schiff so umgebaut werden, dass auch Flugzeuge starten können. Es wäre Japans erster Flugzeugträger seit dem Zweiten Weltkrieg.

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          In dieser Angelegenheit spielen der amerikanische Präsident Donald Trump und China ungewollt Hand in Hand. Japan plant den Kauf von 100 weiteren F-35 Kampfflugzeugen von den Vereinigten Staaten. Die Regierung reagiert damit auf die andauernde Aufrüstung Chinas, aber auch auf den Druck aus Washington, mehr amerikanische Militärgüter aus Amerika zu kaufen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die neuen Flugzeuge, die zum Teil auf kurzer Bahn starten und senkrecht landen können, sollen nicht nur auf dem Land, sondern auch „auf dem Wasser“ stationiert werden. Verteidigungsminister Takeshi Iwaya hat signalisiert, dass die Regierung den Hubschrauberträger Izumo umrüsten will, damit von dem Zerstörer auch Flugzeuge starten können. Es sei wünschenswert, dass die Izumo so weit wie möglich für vielfältige Zwecke verwendet werden könne, sagte Iwaya in Tokio.

          Reaktion auf China

          Damit würde Japan faktisch seinen ersten Flugzeugträger seit dem Zweiten Weltkrieg in Betrieb nehmen. Der 248 Meter lange Zerstörer Izumo wurde 2013 in Betrieb genommen und sollte Hubschrauber unter anderem zur Überwachung chinesischer U-Boote transportieren. Schon damals aber gab es den Verdacht, dass das Schiff, das fast wie ein Flugzeugträger aussieht, künftig auch so genutzt würde. Ganz offensichtlich zielt Japan damit auf China, das gerade angekündigt hat, an einem dritten Flugzeugträger zu bauen. Kritik aus China an den japanischen Plänen ist sicher. Japan hat mit der Kaga mittlerweile auch einen zweiten Hubschrauberträger in der Izumo-Klasse in Betrieb.

          Japan mit seiner pazifistischen Verfassung verzichtete bislang auf den Bau von Flugzeugträgern, weil diese üblicherweise als offensiv und nicht als defensives Verteidigungsinstrument angesehen werden. Die Regierung will nach Medienberichten vermeiden, dass Schiff offiziell als Flugzeugträger zu bezeichnen. Sie werde in den im Dezember zu beschließende Verteidigungsrichtlinien darauf verweisen, dass die Umrüstung der Izumo notwendig sei, um entlegene Inseln Japans im Pazifik zu verteidigen, heißt es.

          Der Kauf der Flugzeuge und die Umrüstung des Zerstörers Izumo sollen in den Verteidigungsrichtlinien festgelegt werden. Die F-35-Flugzeuge kosten je Stück mehr als 10 Milliarden Yen (78 Millionen Euro) oder in der Summe mehr als 1 Billion Yen. Sie sollen zum Teil alternde F-15 ablösen. Japan hat schon jetzt 42 F-35 in seine Verteidigungsplanung eingestellt.

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