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Japan : Drohende Kostenexplosion rund um Olympia 2020

Die Baustelle des Olympischen Dorfes in Tokio. Bild: Reuters

Der japanische Rechnungshof legt den Finger in eine klaffende Wunde: Die Kosten für die Olympischen Spiele im Jahr 2020 in Tokio sind offenbar mehr als doppelt so hoch wie bisher genannt.

          Vor drei Jahren traf Japans Ministerpräsident Shinzo Abe eine mutige Entscheidung. Weil die Kosten aus dem Ruder liefen und sich schon fast verdoppelt hatten, entzog die Regierung dem Büro des mittlerweile verstorbenen international anerkannten Stararchitektin Zaha Hadid den Bauauftrag für das neue Nationale Stadion in Tokio. Der Bau wurde neu ausgeschrieben und die Kosten wurden auf 150 Milliarden Yen (1,2 Milliarden Euro) gedeckelt. Gerade mal fünf Jahre vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 war das in einem engen Zeitplan eine tapfere Entscheidung. Doch sieht es aus, als ob die Bauarbeiten noch rechtzeitig abgeschlossen werden können.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Als Kostenbremse hat Abes Signal nur bedingt gewirkt. Nach Angaben des Rechnungshofes in Tokio hat die japanische Regierung schon jetzt rund 800 Milliarden Yen (6,2 Milliarden Euro) mit Verweis auf die Olympischen Spiele ausgegeben. Mit der Kostenexplosion auf nationaler Ebene drohen sich auch die Gesamtkosten für die Olympischen Spiele zu verdoppeln. Der Rechnungshof schätzt die Gesamtkosten bis 2020 nun auf 2,81 Billionen Yen (22 Milliarden Euro). Das ist mehr als das Doppelte der Summe von 1,35 Billionen Yen, die das olympische Organisationskomitee noch im Dezember genannt hatte.

          Die Kosten für die Spiele werden formal von drei Akteuren getragen. Das Olympische Organisationskomitee und die Metropolregierung von Tokio übernehmen je 600 Milliarden Yen und die japanische Regierung 150 Milliarden Yen. Das ergibt die bislang genannte Summe von 1,35 Billionen Yen. In dieser Rechnung ist aber unklar, welche Kosten den Spielen zugeordnet werden und welche nicht. Die Regierung von Tokio hatte im Januar schon angekündigt, dass sie zusätzliche 810 Milliarden Yen für die Spiele aufbringen werde, unter anderem zur Vorbereitung von städtischen Einrichtungen für Behinderte. Zusammen mit den weiteren Ausgaben der japanischen Regierung, die der Rechnungshof jetzt ermittelt hat, sind knapp 3 Billionen Yen erreicht.

          Olympische Spiele immer weniger attraktiv

          Das Wirrwarr um die steigenden Kosten von Tokio 2020 kommt zu einer Zeit, in der es immer weniger Städte wegen zu hoher Kosten attraktiv finden, sich für die Olympischen Spiele zu bewerben. Die vielen unterschiedlichen Zahlen deuten darauf hin, dass im Bemühen, die Spiele kostengünstig erscheinen zu lassen, notwendige Ausgaben an anderer Stelle verbucht oder nicht genannt werden.

          Zu steigenden Kosten des Sportereignisses kann auch beitragen, dass Ministerien oder staatliche Agenturen unter Berufung auf die anstehenden Olympischen Spiele mehr Ausgaben für bestimmte Programme verlangen und genehmigt bekommen als es ohne die Spiele geschehen wäre.

          Der Rechnungshof zählt 286 Ausgabenprogramme, die von 2013 bis 2017 mit Verweis auf das Sportereignis genehmigt wurden. Das Gros davon wird in der Rechnung des olympischen Vorbereitungskomitees nicht erfasst. Zu den Ausgaben, die der Rechnungshof aufaddiert und die bislang nicht zu den offiziellen Kosten der Spiele gezählt werden, gehören 140 Milliarden Yen zur Verbesserung der Straßen in der Nähe der Olympischen Stätten, 18,5 Milliarden Yen für die Sicherheit oder 8 Milliarden Yen für die Aufrüstung der Yoyogi-Sportstätten, die schon während der Olympischen Spiele in Tokio 1964 genutzt wurden.

          Andere Ausgaben wie die Förderung von Wasserstoff-Tankstellen für Brennstoffzellenautos oder zur Unterstützung des ländlichen Tourismus in Japan haben dagegen nur scheinbar einen Bezug zu den Olympischen Spielen. Der Rechnungshof fordert die Regierung auf, klar aufzuzeigen, welche Ausgaben wirklich für Tokio 2020 geleistet werden und wie viel das Ereignis den Steuerzahler letztlich kostet.

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