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Japan : Das Roboterland entwickelt Arbeitskräfte der Zukunft

  • -Aktualisiert am

Jüngster Roboter-Sproß von Toyota Bild: EPA

Ob als „Kinder der Unterhaltungsindustrie“ oder als Arbeitskräfte einer alternden Gesellschaft: Japan setzt auf Roboter. So fährt der jüngste Hit des Automobilherstellers Toyota nicht, sondern läuft.

          3 Min.

          Der jüngste Hit des Automobilherstellers Toyota fährt nicht. Er läuft. Aufrecht auf zwei Beinen, den Kopf hoch erhoben, die eine Hand winkt, die andere hält eine Trompete. Die Bühne ist frei, das Publikum gespannt. Später wird es noch ein Ständchen geben, eine kleine Jazzmusik, dann eine Verbeugung, schließlich der Abtritt.

          Japans größter, erfolgreichster und wohlhabendster Autobauer ist seit Donnerstag einer der Großen im Roboterbau. Knapp drei Jahre hat es gedauert, die Maschine zu entwerfen, sie zu bauen und ihr laufen, winken und das Spiel auf der Trompete beizubringen. Volle Backen, fliegende Finger, keine Tricks, kein doppelter Boden. Toyota überläßt nichts gern dem Zufall. Doch seine Ingenieure sind immer gut für eine Überraschung.

          Arbeitskräfte für eine alternde Gesellschaft?

          "Vor dem Hintergrund unserer schnell alternden Gesellschaft haben wir uns Gedanken über den Erhalt der Arbeitskraft Japans gemacht", sagt Toyota-Präsident Fujio Cho. "Und das kam dabei heraus." Kein Wort zu den Kosten, keines zur Arbeit. An eine Kommerzialisierung sei bislang nicht gedacht.

          Ein „humanoider” Roboter der jüngsten Generation. Steuerung über Mobiltelefon ist möglich. Laufzeit 30 Minuten, dann sind die Lithium-Batterien leer

          Auf der Expo 2005 im japanischen Aichi wird Toyota nicht das einzige japanische Unternehmen sein, das seine letzten technischen Leistungen in Gestalt eines Roboters vorführt. Die Maschinen vereinen verschiedene technische Entwicklungen und sind vielfältig einsetzbar. Daß sie in den Autofabriken eines Tages die schweren Industrieroboter bedienen, wollte Cho nicht ausschließen. Sein Engagement wird der seit Jahren forcierten japanischen Roboterentwicklung neue Impulse geben.

          Honda als Pionierunternehmen

          Lange vor Toyota hatte bereits Honda auf die Entwicklung sogenannter "menschenähnlicher Roboter" gesetzt. Japans zweitgrößter Autobauer hatte Anfang der achtziger Jahre in aller Stille begonnen, eine Entwicklung aufzunehmen, die 1973 von Ichiro Kato am Ingenieurstudiengang der Tokioter Universitäten Waseda ausgegangen war. Nach fast zwanzigjähriger Arbeit und milliardenschweren Investitionen rückte eine kleine Mannschaft um den Honda-Ingenieur Masato Hirose 1996 "Asimo" ins Rampenlicht. Japan war erstaunt, die Welt perplex, die Konkurrenz verblüfft. Ein Roboter wie aus dem Kinderbuch. Er konnte laufen, sprechen, Treppen steigen, singen, tanzen, lachen. Die Vorstände der großen Elektronikkonzerne zeigten sich geschockt. Sie setzten alle Hebel in Bewegung, um nachzuziehen.

          In den großen Wirtschaftszentren Osaka und Tokio gründeten sich kleine Ingenieur-Büros. Sie machten sich an die Entwicklung "humanoider Roboter". Gestützt von staatlichen Subventionen und privaten Fonds, studierten, kopierten und produzierten sie menschliche Bewegungsmuster und Körperteile, bauten sie nach und setzten sie über Mikrochips in Bewegung. So hat etwa Hiroaki Kitano in seiner High-Tech-Werkstatt nahe der Tokioter Einkaufsmeile Omote-Sando mit seinem "Morph" ein ultraflexibles zweibeiniges Bewegungswunder entworfen, das Vorbild für viele andere werden sollte. Der studierte Physiker hatte lange Jahre in Amerika den Roboterbau studiert, war anschließend in Tokio zu Sony gegangen und beteiligte sich an der Entwicklung des Roboterhundes Aibo.

          Roboter als „Kinder der Unterhaltungsindustrie“?

          Sony stellte schon Anfang der neunziger Jahre seine besten Ingenieure frei, um einen eigenen Roboter zu schaffen. Mit Toshi Doi an der Spitze - in den siebziger Jahren einer der Erfinder der Compact Disc, in den Achtzigern Internetpionier und ewiger saxophonspielender Jazzliebhaber - wurde später der zweibeinige "Sony Dream Robot" kreiert. Das Geschöpf in der Größe eines Gartenzwergs scheint Hondas Asimo in nichts nachzustehen. Auf der vergangenen Robotermesse im japanischen Yokohama waren sie die vielbeklatschten Stars. Doi meinte damals, Roboter seien Kinder der Unterhaltungsindustrie. "Ich glaube, der Unterhaltungssektor wird die Roboter groß machen." Toyota tritt dem nun entgegen, trotz des Ständchens auf der Trompete und trotz der geplanten Robo-Combo auf der Weltausstellung 2005.

          Unternehmenspräsident Fujio Cho sagte, niemand wisse, was die Zukunft bringe. Niemand wisse, wer später in den Fabriken an den Maschinen stehen werde. "Nur eines ist sicher, die Technik wird viel mehr Teil unseres Lebens sein als heute." So ist am jüngsten Geschöpf aus dem Hause Toyota alles dran, was einen richtigen Roboter ausmacht, Nase, Augen, Ohren, Mund. Nur einen Namen hat es noch nicht. Sein erstes Publikum nannte es einfach Cho.

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