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Filmproduktion : James Bond kapituliert vor Coronavirus

Bond-Darsteller Daniel Craig Bild: dpa

Gegen den Coronavirus ist auch Geheimagent 007 machtlos: Der Filmstart für den neuen Kinofilm wird verschoben.

          2 Min.

          Der internationale Filmstart des neuen James-Bond-Streifens  „No Time to Die“, geplant für April, wird auf November verschoben. Grund dafür ist, dass mehr und mehr Kinos wegen des Coronavirus schließen und die Kartenverkäufe besonders in Asien einbrechen. Viele potentielle Kinogänger nehmen den Bond-Filmtitel („Keine Zeit zu sterben“) wörtlich und meiden den Kinobesuch.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          In China, dem zweitgrößten Kinomarkt der Welt, sind siebzigtausend Filmtheater komplett geschlossen, einige andere Länder haben Großveranstaltungen untersagt. Die Filmproduktionsfirma Eon Productions und die Filmverleiher MGM und Universal gaben die Verschiebung am Mittwochabend bekannt und begründeten sie mit der Situation des „globalen Filmtheatermarkts“.

          Bond-Darsteller Daniel Craig wurde am Mittwochabend in New York prompt von enttäuschten Fans umringt und offenbar bedrängt, als er am Times Square ein Restaurant betreten wollte. Zuvor hatte der 52 Jahre alte Schauspieler noch Autogrammkarten unterzeichnet. Seine Bodyguards mussten einschreiten.

          Die Verschiebung von „No Time to Die“ wird die Produzenten nun sicher viel Geld kosten. Ihre Erwartungen waren hoch. Der letzte Bond-Film „Spectre“ spielte 2015 an den Kinokassen weltweit fast 900 Millionen Dollar ein. Aufgrund der Angst vor der Corona-Epidemie könnte die internationale Filmindustrie nach Ansicht von Analysten einen Einbruch von 5 Milliarden Dollar in diesem Jahr erleiden. Im vergangenen Jahr klingelten die Kinokassen noch und der Umsatz stieg auf ein Allzeithoch von mehr als 30 Milliarden Dollar, die Filmindustrie-Umsätze insgesamt kletterten auf den Rekord von 42,5 Milliarden Dollar.

          Kino-Umsätze in China brechen ein

          China ist der nach Nordamerika wichtigster Markt für internationale Filme. Im Februar brachen dort die Kino-Umsätze auf etwa einen Bruchteil des üblichen Niveaus ein. Nach Analystenschätzungen könnte die Einbußen in China schon umgerechnet 2 Milliarden Dollar betragen. In Südkorea, dem fünfgrößten Kinomarkt der Welt, brachen die Umsätze zuletzt um etwa 80 Prozent ein. Von einer „Atmosphäre der Angst“ sprach ein Vertreter von CGV, der größten koreanischen Kinokette; die Situation sei vergleichbar mit den Einbußen während der Schweinegrippe vor elf Jahren in Korea, an der damals Zehntausende erkrankten.

          Entsprechend haben die Börsenwerte von Film- und Kino-Unternehmen gelitten. Der Aktienkurs des weltweit operierenden Kinobetreibers AMC Entertainments lag vor zwei Wochen noch deutlich über 7 Dollar und ist seitdem unter 6 Dollar gesunken, allein am Mittwoch fiel er um 6 Prozent.

          Für die Fans von James Bond und Darsteller Craig, der in „No Time to Die“ letztmals den Geheimagenten 007 spielen wird, heißt die Verschiebung nun, sich in Geduld zu üben. Der Film sollte eigentlich als eine der großen Hollywood-Produktionen des Sommers ein Kassenschlager werden, die Uraufführung war für den 31. März in der Royal Albert Hall geplant. In London fordert die Angst vor der Corona-Ausbreitung derzeit noch weitere Opfer: Soeben wurde die für nächste Woche geplante große Buchmesse in der britischen Hauptstadt abgesagt.

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