https://www.faz.net/-gqe-97c5b

Jameda-Kommentar : Dem Treiben Grenzen gesetzt

  • -Aktualisiert am

Der Druck steigt: Aber die Bewertungsportale dürfen nicht alles (Symbolbild) Bild: dpa

Das Ärztebewertungsportal Jameda bevorzugt zahlende Mediziner. Deswegen ist das nun ergangene Urteil des Bundesgerichtshofs richtig.

          Das Arztbewertungsportal Jameda hat in der Revision vor dem Bundesgerichtshof den Kürzeren gezogen. Personenbezogene Daten der klagenden Dermatologin sind zu löschen, weil deren Speicherung – und damit die Möglichkeit für alle Nutzer des Portals, diese dauerhaft abzurufen – aus Sicht der Bundesrichter unzulässig ist. Noch vor drei Jahren hatte der gleiche Senat entschieden, dass das Speichern von Bewertungen der Ärzte durch Patienten zulässig ist.

          Was zunächst als Kehrtwende in der Frage anmutet, wie sich Patienten im Internet über ihre Gesundheit und Ärzte informieren, ist das Ergebnis einer gut nachvollziehbaren Abwägung, denn: Mittlerweile ist Jameda eben nicht nur der Intermediär, also neutraler Vermittler von Informationen, sondern behandelt zahlende Mediziner bevorzugt.

          Wer als Facharzt nicht ausschließlich auf seine eigene Heilkunst und das wohlwollende Urteil zufriedener Patienten vertrauen will, der kauft sich eine prominente Plazierung auf Jameda – und sticht damit möglicherweise den (vermeintlich besseren) Wettbewerber aus. Daten und die subjektiven Eindrücke von Patienten sorgen für eine Deutungshoheit über die Qualität der Behandlungsleistung.

          Stiftet Jameda aber Vertrauen, indem Ärzte das Angebot nur für Marketing nutzen? Meinungsfreiheit kann nicht jedes Geschäftsmodell im Internet rechtfertigen. Gerade dann nicht, wenn sich einzelne Ärzte bewusst gegen das Wetttreiben um Patienten entschieden haben.

          Zudem wird die Transparenz eines Portals Verbraucher nicht davon abhalten, sich dank „Dr. Google“ eine Diagnose zusammen zu dichten, bevor sie den Mediziner ihres Vertrauens aufsuchen. Und wie vertrauenswürdig sind positive Bewertungen von Patienten heutzutage? Wie einfach sie zu fälschen sind, haben Bespiele in der Hotel- und Gastronomiebranche gezeigt. Über gute Restaurants oder künftige Urlaubsziele spricht man auch heute noch mit Freunden und Bekannten. Wer in Sorge um die eigene Gesundheit ist, sollte sich bewusst machen, wessen vermeintlich gut gemeinten Rat in der Arztwahl er gerade befolgt.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Schneller zum ganz schnellen Internet

          Netzausbau : Schneller zum ganz schnellen Internet

          Die Bundesnetzagentur will den Markt der „letzten Meile“ neu regulieren. Das hat weitreichende Konsequenzen für den Glasfaser-Ausbau – und damit für die Digitalisierung Deutschlands.

          60 Satelliten auf einmal ins All Video-Seite öffnen

          Internet 2.0 von SpaceX : 60 Satelliten auf einmal ins All

          Die erdnahen Trabanten stellen die erste Stufe eines geplanten Netzwerks des Internetdiensts Starlink dar, das Hochgeschwindigkeits-Internet für zahlende Kunden auf der ganzen Welt zur Verfügung stellen soll. Starlink ist ein Projekt des Unternehmers Elon Musk.

          Topmeldungen

          Analyse der Europawahl : Grüne Großstädte – blauer Osten

          Die Grünen punkten bei der Europawahl in den Städten und in der Fläche, die AfD ist stärkste Kraft in Teilen Ostdeutschlands. Doch auch andere Entwicklungen sind bemerkenswert: Gab es einen Rezo-Effekt für die CDU? Und woher kommen die Stimmen für „Die Partei“?
          Innenminister und Lega-Chef Salvini bei einer Pressekonferenz nach der Europawahl

          Lega siegt in Italien : Und wieder küsst er das Kruzifix

          Matteo Salvinis Lega erzielt bei der Europawahl das beste Ergebnis ihrer Geschichte – und kann damit wohl auch ihren Koalitionspartner Fünf Sterne unter Druck setzen. Der Parteichef zelebriert den Erfolg am Montag mit einer umstrittenen Geste.

          Starke AfD im Osten : Ein Alarmsignal für die Landtagswahl

          Bei der Europawahl liegt die AfD in Sachsen vorn, bei den Kommunalwahlen ist das Bild nicht so eindeutig. Klar ist jedoch: Die Skepsis gegenüber dem „Raumschiff“ Brüssel ist in Ostdeutschland weit verbreitet. Das liegt auch an der Struktur der Wähler.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.