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Jameda-Kommentar : Dem Treiben Grenzen gesetzt

  • -Aktualisiert am

Der Druck steigt: Aber die Bewertungsportale dürfen nicht alles (Symbolbild) Bild: dpa

Das Ärztebewertungsportal Jameda bevorzugt zahlende Mediziner. Deswegen ist das nun ergangene Urteil des Bundesgerichtshofs richtig.

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          Das Arztbewertungsportal Jameda hat in der Revision vor dem Bundesgerichtshof den Kürzeren gezogen. Personenbezogene Daten der klagenden Dermatologin sind zu löschen, weil deren Speicherung – und damit die Möglichkeit für alle Nutzer des Portals, diese dauerhaft abzurufen – aus Sicht der Bundesrichter unzulässig ist. Noch vor drei Jahren hatte der gleiche Senat entschieden, dass das Speichern von Bewertungen der Ärzte durch Patienten zulässig ist.

          Was zunächst als Kehrtwende in der Frage anmutet, wie sich Patienten im Internet über ihre Gesundheit und Ärzte informieren, ist das Ergebnis einer gut nachvollziehbaren Abwägung, denn: Mittlerweile ist Jameda eben nicht nur der Intermediär, also neutraler Vermittler von Informationen, sondern behandelt zahlende Mediziner bevorzugt.

          Wer als Facharzt nicht ausschließlich auf seine eigene Heilkunst und das wohlwollende Urteil zufriedener Patienten vertrauen will, der kauft sich eine prominente Plazierung auf Jameda – und sticht damit möglicherweise den (vermeintlich besseren) Wettbewerber aus. Daten und die subjektiven Eindrücke von Patienten sorgen für eine Deutungshoheit über die Qualität der Behandlungsleistung.

          Stiftet Jameda aber Vertrauen, indem Ärzte das Angebot nur für Marketing nutzen? Meinungsfreiheit kann nicht jedes Geschäftsmodell im Internet rechtfertigen. Gerade dann nicht, wenn sich einzelne Ärzte bewusst gegen das Wetttreiben um Patienten entschieden haben.

          Zudem wird die Transparenz eines Portals Verbraucher nicht davon abhalten, sich dank „Dr. Google“ eine Diagnose zusammen zu dichten, bevor sie den Mediziner ihres Vertrauens aufsuchen. Und wie vertrauenswürdig sind positive Bewertungen von Patienten heutzutage? Wie einfach sie zu fälschen sind, haben Bespiele in der Hotel- und Gastronomiebranche gezeigt. Über gute Restaurants oder künftige Urlaubsziele spricht man auch heute noch mit Freunden und Bekannten. Wer in Sorge um die eigene Gesundheit ist, sollte sich bewusst machen, wessen vermeintlich gut gemeinten Rat in der Arztwahl er gerade befolgt.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

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