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BGA-Chef Bingmann : „Absolut verantwortungslos“

  • -Aktualisiert am

Holger Bingmann Bild: Annett Melzer

Eine Koalition aus Union, FDP und Grüne hätte eine „sensationelle Grundlage“ sein können, sagt Holger Bingmann. Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt er, warum das Aus von Jamaika „ganz, ganz bitter“ für die deutsche Wirtschaft ist.

          Was ein Handwerkspräsident ist, wissen die meisten. Beim BGA-Präsidenten ist das vermutlich anders. Wie stellen Sie sich und Ihren Verband vor, wenn es kurz und knackig sein soll?

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Wir sind der Bundesverband für Groß- und Außenhandel und Dienstleistungen und vertreten die Exportnation Deutschland – mit einem Exportvolumen von 1,2 Billionen Euro und einem Importvolumen von 900 Milliarden – und 120.000 Unternehmen. Die sorgen zum Beispiel dafür, dass Ihr Elektriker über Nacht die notwendigen Schalter bekommt oder dass Ihre Zeitung morgens um fünf an der Tankstelle liegt. Wir sind mit Leidenschaft Händler.

          Wenn Sie sich so vorgestellt haben, entschuldigen Sie sich dann als Nächstes für den deutschen Exportüberschuss?

          Es ist scheinbar etwas furchtbar Schlechtes, dass wir diesen Überschuss haben. Aber können wir den Firmen verbieten, gute Produkte zu machen? Ist es unser Verschulden, dass mehr Amerikaner deutsche Autos kaufen als Deutsche amerikanische? Was wir tun können, ist, den Import zu stärken. Aber nicht den Export zu schwächen.

          Sie sind erst seit zwei Monaten BGA-Präsident und kein „Berliner Gewächs“. Worüber haben Sie in dieser Zeit gestaunt?

          Ich bin weder Politiker noch klassischer Verbandsmensch. Ich bin Unternehmer und habe Spaß daran. Was mich positiv überrascht hat, ist das echte Interesse von Politikern und Verbandsleuten an uns Unternehmern, auch an den Schwierigkeiten, die wir tagtäglich haben. Und ich staune angesichts der großen Kompetenz und der unglaublich vielen interessanten Menschen, die hier in Berlin versammelt sind.

          Haben Sie schon das Büro der Kanzlerin von innen gesehen?

          Ich habe die Bundeskanzlerin bereits getroffen, und wir haben intensiv miteinander gesprochen, auch wenn ich vielleicht ein bisschen nervös war. Wenn man mitbekommt, wie Politik gemacht wird und wie man auch als Unternehmer und Verband etwas mitgestalten kann – das finde ich toll.

          Ist es das, was Sie reizt an Ihrem Amt?

          Ich habe ein Unternehmen aufgebaut, das jetzt 2000 Mitarbeiter hat. Meine größte unternehmerische Leistung ist es, dass ich heute sechs junge Geschäftsführer habe, die alle genauso hungrig und energisch sind, wie ich es mal war, und die eine tolle Firma führen. Ich habe mich vor ein, zwei Jahren entschieden, im operativen Geschäft etwas lockerer zu lassen und mehr Sachen zu machen, die mir Spaß machen. Wie unsere Blogfabrik in Kreuzberg, die wir aufgebaut haben. Oder die Gründung einer Universität, die wir aktuell hier in Berlin vorbereiten und voll finanzieren werden.

          Was wollen Sie als Pressegroßhändler mit einer Universität?

          Ich will die verrückten, digitalen Menschen, die konstruktiv destruktiv denken. Anders als wir traditionellen Unternehmer. Die kriegen Sie nicht mit mehr Gehalt und breiten Reifen auf dem Auto. Dafür müssen Sie komplett umlernen und die Unternehmenskultur drehen. Ich zum Beispiel habe kein Sekretariat mehr. Ich habe zwei ehemalige Start-up-Unternehmer im Vorzimmer sitzen, die mir tolle Fragen stellen, durch die ich ins Nachdenken komme. Etwa: „Holger, du willst doch nicht allen Ernstes noch ein Old-Economy-Unternehmen kaufen? Gib mir das Geld, ich mache was G’scheites draus.“ Diese Art Leute wollen wir als Universität ausbilden. Mit einem Bachelor, aber auch mit verrückten Lehrmodellen an verrückten Orten.

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