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Brexit-Folge : Jaguar führt Drei-Tage-Woche ein

Werbung vor Jaguars Werk im englischen Birmingham (Archivbild) Bild: Reuters

Der größte britische Autohersteller bereitet sich auf Schwierigkeiten vor. Und nicht nur er wappnet sich für einen chaotischen Brexit.

          Der größte britische Automobilhersteller Jaguar Land Rover verkürzt die Arbeitswoche. Mit Beginn des Oktober stellen Mitarbeiter in dem Werk in Castle Bromwich nur noch an drei Tagen in der Woche Autos her, teilte das Unternehmen mit. Dadurch sollen Entlassungen vermieden werden. Angesichts von „Gegenwinden für die Autoindustrie“ handele es sich um „zeitweilige Anpassungen“ der Produktion.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Unternehmenschef Ralf Speth hatte zuvor vor den Folgen eines ungeordneten Ausstiegs Britanniens aus der Europäischen Union gewarnt. Jack Dromey, Abgeordneter der oppositionellen Labour-Partei im britischen Unterhaus, teilte über Twitter mit, verantwortlich dafür seien „Brexit Chaos und die falsche Handhabung des Übergangs weg vom Diesel durch die Regierung“.

          Nicht nur Industrieunternehmen stellen sich zusehends darauf ein, dass der Ausstieg nicht so gelingt, wie von der britischen Regierung erhofft. Auch die ersten Banken stellen sich auf ein Ausscheiden ohne eine Einigung ein. „Das Finanzsystem geht bereits davon aus, dass es keine Einigung gibt“, sagte nun erstmals öffentlich der Chef einer internationalen Großbank, Sergio Ermotti von der Schweizer UBS. „Was auch immer ab jetzt passieren wird, es wird das Unterfangen nicht weniger teuer machen“, sagte er dem Finanzdienst Bloomberg. Die UBS veranschlagt die damit verbundenen Kosten auf rund 100 Millionen Franken.

          IWF: Erhebliche Kosten

          Auch die Deutsche Bank sichert sich für den Fall eines harten Brexits ab und will einen Großteil ihres bisher in Großbritannien gebuchten Geschäfts nach Deutschland verlagern. Vermögenswerte von bis zu 450 Milliarden Euro könnten dadurch innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre von London nach Frankfurt verlegt werden, wie am Montag in Finanzkreisen bestätigt wurde.

          Das entspricht etwa drei Vierteln der Vermögenswerte, welche derzeit in den Londoner Einheiten der Bank liegen, von wo aus sie ihr Investmentbanking in weiten Teilen der Welt steuert. Hintergrund sind Forderungen der Europäischen Zentralbank, die vermeiden will, dass sie im Falle einer Schieflage der Bank keinen ausreichenden Zugriff auf die Vermögenswerte der Bank haben könnte.

          Fertige Jaguar-Autos vor dem Werk in Castle Bromwich.

          Die Regierung in London und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben derweil vor einem wirtschaftlich besonders schädlichen, ungeordneten Brexit gewarnt. Die britische Premierministerin Theresa May forderte ihre innenpolitischen Gegner auf, den Widerstand gegen die stark umstrittenen Brexit-Planungen der Regierung aufzugeben.

          Über Nacht raus

          May strebt zumindest im Güterhandel eine weiterhin enge Bindung an den Handelsblock der EU an. „Die Alternative dazu wäre, dass wir kein Austrittsabkommen haben“, sagte May in der BBC.

          Der IWF warnte vor „erheblichen Kosten“ für Großbritannien im Falle eines ungeordneten Austritts. Die britische Wirtschaft würde dann rasch nicht mehr wachsen, sondern schrumpfen, sagte die IWF-Direktorin Christine Lagarde während der Veröffentlichung des Jahresberichts der Organisation zu Großbritannien in London.

          Im Falle eines solchen „No Deal Brexit“ würde das Land am 29. März 2019 ohne ein Austrittsabkommen aus der EU ausscheiden. Die Briten würden über Nacht Binnenmarkt und Zollunion der EU verlassen, die Folge wären gravierende Handelsverwerfungen. Banken würden den EU-Finanzpass für grenzüberschreitende Geldgeschäfte verlieren.

          Ein ungeordneter Austritt würde auch den EU-Staaten schaden, aber weniger stark als Großbritannien, prognostiziert der IWF. Die Wirtschaft hofft unterdessen weiter auf einen einvernehmlichen Brexit mit Übergangsfrist und einem anschließenden umfassenden Freihandelsabkommen.

          Die Austrittsverhandlungen zwischen London und Brüssel sind aber seit Monaten kaum vorangekommen. Auch ist unklar, ob May für einen Brexit-Deal mit der EU die notwendige Zustimmung des britischen Parlaments bekommen würde. Der Brexit wird auch auf der Tagesordnung des informellen EU-Gipfels am Donnerstag in Salzburg stehen.

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