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Jagd auf Wirtschaftskriminelle : Briten stellen Steuersünder im Internet an den Pranger

Fahndungsfotos aus London Bild: AFP

Die britische Regierung macht im Internet Jagd auf Wirtschaftskriminelle. Fotos und Steckbriefe von 20 Gesuchten wurden online gestellt. Britische Medien sprechen von einer „Schurken-Galerie“.

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          Die britische Regierung macht via Internet Jagd auf flüchtige Steuerbetrüger. Erstmals stellte jetzt die königliche Steuerbehörde Fotos und Steckbriefe von 20 gesuchten Wirtschaftskriminellen online. „Diese Täter haben den Steuerzahler zusammen mehr als 765 Millionen Pfund gekostet und wir werden sie unbarmherzig verfolgen“, rechtfertigte Finanzstaatssekretär David Gauke die ungewöhnliche Aktion. Die Behörden hoffen, dass nach dem Fahndungsaufruf im Internet Hinweise aus der Bevölkerung eingehen, die zur Ergreifung der Gesuchten führen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In dem Online-Aufruf, den britische Medien als „Schurken-Galerie“ bezeichnen, werden Namen, Alter, Delikte und der vermutete Aufenthaltsort der Personen angegeben. Vielen von ihnen wird Schmuggelei und Mehrwertsteuerbetrug vorgeworfen. Andere sollen bandenmäßig Ansprüche auf Steuerrückerstattungen gefälscht haben. Teilweise handelt es sich um Straftäter, die in Abwesenheit verurteilt worden sind. Andere haben lediglich den Status von Verdächtigen.

          Finanzminister Osborne will Härte demonstrieren

          Einer der dicksten Fische auf der Liste ist ein Mann, dem Betrugsdelikte im Volumen von 200 Millionen Pfund angelastet werden. Er soll mehrere Tonnen Tabak illegal ins Land eingeführt haben und damit Abgaben von 750.000 Pfund unterschlagen haben. Der Gesuchte, der im Golfstaat Dubai vermutet wird, war in Abwesenheit von einem Gericht in Birmingham unter anderem wegen Schmuggelei zu einer Haftstrafe von elf Jahren verurteilt worden.

          Die harte Gangart ist für die britische Steuerbehörde ein Novum. Finanzminister George Osborne will damit demonstrieren, dass Steuerhinterziehung entschlossener bekämpft werde als bisher. Osborne hat in Großbritannien vor zwei Jahren das härteste staatliche Sparprogramm seit Jahrzehnten aufgelegt, um das bedenklich gestiegene Haushaltsdefizit der Regierung zu senken.

          Steuerflüchtlinge aus anderen Ländern werden gleichzeitig umworben

          Während die Briten die Steuerdelikte von Wirtschaftskriminellen verfolgen, umwerben sie allerdings zugleich unverhohlen legale Steuerflüchtlinge aus anderen Ländern. Premierminister David Cameron sorgte kürzlich für Verärgerung in Paris, als er ankündigte, vermögenden Franzosen werde an der Themse „der rote Teppich ausgerollt“, falls sie aus Steuergründen über eine Umsiedlung nachdächten. Der neue französische Staatspräsident Francois Holland hatte zuvor höhere Einkommensteuern für Frankreichs Millionäre angekündigt.

          Vor allem die Hauptstadt London ist zudem zu einem Auffangbecken für ausländische Superreiche geworden. Unter anderem haben sich eine ganze Reihe von russischen Milliardären in Nobelvierteln wie Kensington und Mayfair niedergelassen - nicht zuletzt deshalb, weil ihnen der britische Staat großzügige Erleichterungen bei der Einkommensteuer gewährt. Der „Milliardärs-Rabatt“ ist allerdings in der britischen Bevölkerung stark umstritten.

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