https://www.faz.net/-gqe-nw6q

IWF und Weltbank : Der Glanz von Dubai trügt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Tagung von IWF und Weltbank in Dubai steht bevor. Das erfolgreiche Dubai ist allerdings die Ausnahme. Das Wachstum in der übrigen arabischen Welt stagniert ohne ausländische Investoren.

          3 Min.

          Ein Bild von der Wirklichkeit der arabischen Welt werden sich die 20000 Teilnehmer der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank nicht machen können. Vom 18. September an treffen sie in Dubai ein. Eine Woche lang werden sie eines der wenigen Erfolgsmodelle in der arabischen Welt sehen. Vor wenigen Jahrzehnten war Dubai noch ein bescheidener Handelsposten am Golf. Heute ist das Emirat das führende Tourismusziel in der arabischen Welt und der Standort vieler Konzerne. Sie bedienen von hier aus einen Markt, der von Ostafrika bis Indien und Zentralasien reicht.

          Weit weniger glänzend stellt sich dagegen die Wirklichkeit in der arabischen Welt dar. Das Wachstum liegt erheblich unter dem aller Entwicklungsländer, das Einkommen je Einwohner geht zurück. In manchen Ländern sind mehr als 30 Prozent der Erwerbsbevölkerung ohne Arbeit. Seit drei Jahrzehnten schöpfe die Region ihr Potential nicht aus, urteilt der IWF. Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (Unctad) hat errechnet, daß im vergangenen Jahr wieder einmal weniger als ein Prozent aller getätigten ausländischen Direktinvestitionen in die arabischen Staaten geflossen ist. Dort wohnen aber 5 Prozent der Weltbevölkerung.

          Potential für ausländische Direktinvestitionen ungenutzt

          In 13 Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas, der Mena-Region, lagern drei Viertel aller bekannten Ölreserven. Den Menschen kommt dieser Reichtum aber nicht zugute. In den neunziger Jahren sind die Volkswirtschaften um 1,3 Prozent im Jahr gewachsen; das durchschnittliche Wachstum aller Entwicklungsländer habe in dieser Zeit aber 4 Prozent erreicht, gab der IWF bekannt. Da die Mena-Bevölkerung jedoch schneller wächst als kaum eine andere Weltregion - in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 2,5 Prozent im Jahr -, nimmt das Einkommen je Einwohner ab. In den ölproduzierenden Ländern schrumpfte es seit 1970 in jedem Jahr um 1,2 Prozent. Leicht zulegen konnten indes die arabischen Staaten, die ohne Öl auskommen müssen.

          Keine Zahl spiegelt den Erfolg der Wirtschaftspolitik besser wider als der Zufluß der ausländischen Direktinvestitionen. Im vergangenen Jahr zog die arabische Welt gerade 4,6 Milliarden Dollar der international ausgegebenen 651 Milliarden Dollar an. Das ist ein Drittel dessen, was die Volkswirtschaften anziehen könnten, meint der IWF. Die meisten Länder gingen auch im vergangenen Jahr wieder leer aus. Denn allein 657 Millionen Dollar flossen nach Ägypten, überwiegend in Tourismusvorhaben, und 326 Millionen Dollar in Gasprojekte des kleinen Emirats Qatar.

          Ideologie versus Technik

          Vieles schreckt die Investoren ab: Die politische Instabilität, die unvorhersehbare Wirtschaftspolitik, die lethargische Bürokratie, der übermächtige Staatssektor. Nicht überraschend ist die Weltbank daher zu dem Ergebnis gekommen, daß die Kosten zur Gründung eines neuen Unternehmens in der Mena-Region fünfmal höher sind als in Ostasien und zweieinhalbmal höher als in Osteuropa. Die Investoren wenden sich auch ab, weil nirgendwo die Vermittlung ideologischen Wissens eine so große Rolle spielt wie in den Erziehungssystemen der Mena-Region; umgekehrt hat die technische Ausbildung nirgendwo einen so geringen Stellenwert wie dort.

          Wenig interessant ist die Mena-Region für Investoren nicht zuletzt auch deshalb, weil sie kaum in die Weltwirtschaft integriert ist. Immerhin wächst der Nicht-Ölexport, aber erheblich langsamer als der Export aller Entwicklungsländer. Daher hat sich der Anteil der Mena-Region an der Weltausfuhr in den vergangenen zwanzig Jahren halbiert. Selbst der Export in andere Mena-Länder ist gering. Denn nur 8 Prozent ihres Außenhandels wickeln die Mena-Länder untereinander ab. Der frühere jordanische Kronprinz Hassan Bin Talal hat sich erst jüngst wieder besorgt darüber geäußert, daß das wirtschaftspolitische Versagen der arabischen Regierungen nur die Menschen "in die Suppenküchen der extremistischen Organisationen" treiben würde. Was zu tun ist, ist bekannt. Gebetsmühlenartig wiederholt es der IWF in seinen Analysen zur Mena-Region: den Handel liberalisieren, ebenso die Finanz- und Arbeitsmärkte, Transparenz herstellen, die Qualität der staatlichen Institutionen verbessern, für einen fairen Wettbewerb sorgen, mehr Geld für Erziehung ausgeben.

          Der Fonds und die Weltbank sollten sich in Dubai nicht blenden lassen: In dem kleinen, erfolgsverwöhnten Emirat werden sie nicht auf die Probleme stoßen, die sie identifiziert haben und die in anderen Ländern einen Nährboden darstellen für Extremismus und Terrorismus.

          Weitere Themen

          China, das (un)geliebte Anlegerland

          Scherbaums Börse : China, das (un)geliebte Anlegerland

          Deutsche Privatanleger interessieren sich meist für einheimische Aktien – vielleicht noch für ein paar amerikanische Tech-Werte. China haben dagegen nur wenige auf dem Schirm. Das könnte ein Fehler sein, wie ein Blick auf die aktuelle Lage sowie die Erwartungen für 2021 zeigen.

          Topmeldungen

          Bald offiziell Amerikas Präsident: Joe Biden

          Joe Biden : „Wir sind im Krieg mit diesem Virus“

          Amerikas künftiger Präsident tritt sein Amt zu einer Zeit an, in der die Corona-Pandemie in den Vereinigten Staaten wilder tobt denn je. Die Impfung der Bevölkerung kommt nur schleppend voran. Joe Biden präsentiert nun Pläne, wie er das ändern will.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.