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Wegen des Ukrainekriegs : IWF senkt Wachstumsprognose für Weltwirtschaft deutlich

Blick auf Container im Hafen von Liverpool Bild: dpa

Der Krieg in der Ukraine belastet eine Weltwirtschaft, die sich von der letzten Krise noch längst nicht erholt hat. Von den Industrieländern ist Deutschland laut einer neuen Prognose des IWF besonders betroffen.

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          Der Krieg in der Ukraine bremst die Erholung der Weltwirtschaft, die gerade begann, sich von den Auswirkungen der Covid-Krise zu berappeln. Das Wirtschaftswachstum reduziert sich von 6,1 Prozent in Jahr 2021 auf 3,6 Prozent in diesem und im kommenden Jahr. Das geht aus dem Wirtschaftsausblick hervor, den der Internationale Währungsfonds (IWF) zur in dieser Woche begonnenen Frühjahrstagung von IWF und Weltbank veröffentlicht hat. Im Januar war er noch von 0,8 Prozentpunkten mehr für 2022 ausgegangen.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.
          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Deutschland gehört zusammen mit Italien im westlichen Europa zu den am stärksten betroffenen Ländern. Die Wirtschaft in Deutschland wächst nur noch um 2,1 Prozent in diesem und 2,7 Prozent im kommenden Jahr, sagen die Autoren des Berichts voraus. Das Land ist besonders stark von russischen Energielieferungen abhängig. Noch im Januar hatte der Währungsfonds ein Wachstum von knapp 4 Prozent für Deutschland in diesem Jahr prophezeit. Die Wirtschaft wächst damit schwächer als in den meisten anderen Industrieländern. Die Vereinigten Staaten können immer noch auf ein Plus von 3,7 Prozent in diesem Jahr hoffen.

          Russland und die Ukraine sind wichtige Lieferanten

          Der Krieg hat schwerwiegende internationale Folgewirkungen, weil Russland und die Ukraine Lieferanten für wichtige Energie- und Lebensmittelrohstoffe sind. Der IWF erwartet, dass die Preise für Öl gezügelt werden können, weil andere Länder über Reservekapazitäten verfügen und weil strategische Vorräte freigegeben werden. Erdgas sei schwieriger zu ersetzen, weshalb der Rohstoff auf längere Zeit teuer bleibe.

          Die Ökonomen gehen von weiteren Preissteigerungen bei Lebensmittelrohstoffen aus, so steuerten Russland und die Ukraine 30 Prozent der globalen Weizenexporte bei. Der IWF hofft gleichwohl, dass die Weltwirtschaft eine „Stagflation“ – also hohe Inflation bei stagnierender Konjunktur – wie in den Siebzigerjahren vermeiden kann: Der Ölpreisschock ist geringer als damals, die Abhängigkeit der Volkswirtschaften ist deutlich kleiner, zudem sind Zentralbanken unabhängiger als damals. Gleichwohl ist zumindest Europa wegen seiner starken Energieabhängigkeit nicht komplett vor einem Stagflation-Szenario gefeit.

          Der Krieg und Sanktionen stoppen große Teile des Handels mit den beteiligten Ländern. Das trifft Länder wie Bulgarien, Belarus oder die baltischen Staaten besonders. Zudem spielen Russland und die Ukraine spezialisierte Rollen in internationalen Lieferketten. Sie steuerten zum Beispiel Neongas für die Produktion von Mikrochips bei, hatten aber spezielle Aufgaben in der Autoproduktion. Ukraine lieferte Elektronik-System, deren Ausfall nun schon zu Produktionsunterbrechungen in Deutschland geführt hat, wie der IWF berichtet. Der Fonds empfiehlt gerade Europa, mit fiskalischen Maßnahmen der schrumpfenden Nachfrage entgegen zu wirken. Die Zentralbanken vor allem in den entwickelten Industrienationen sieht er in einem echten Dilemma: Sie müssen die Gefahr einer steigenden Inflation gegen die Abschwächungstendenzen in der Konjunktur abwägen.

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