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Kommentar zur Weltwirtschaft : Runter mit den Schulden

Die Wirtschaft befindet sich im Aufwind. Der Internationale Währungsfonds rät, nun die Staatshaushalte in Ordnung zu bringen. Recht hat er!

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          Christine Lagarde ist bekannt für ihre bildhafte Sprache. Zum Auftakt der aktuellen Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds benutzt die geschäftsführende Direktorin die Metapher vom Dach, das man am besten ausbessert, wenn die Sonne scheint. Und sie lacht gerade wie lange nicht vom Himmel. Der Fonds hat seine Wachstumsprognose nach oben korrigiert. Die Weltwirtschaft ist im Aufwind. Der globale Handel zieht an. In den vergangenen zehn Jahren hat man so gute Zahlen nicht gesehen. Mehr und mehr Länder und Regionen profitieren.

          Nun ist es also auch nach Auffassung der internationalen Organisation an der Zeit, die im Zuge der Finanzkrise und der sich anschließenden Rezession in die Höhe geschnellte Staatsverschuldung anzupacken und die öffentlichen Haushalte in Ordnung zu bringen. Ja, kann man da nur sagen, wann, wenn nicht jetzt? Die Verschuldung kennt in bedeutenden Industrieländern seit langem nur eine Richtung: nach oben. Deutschland, das in den vergangenen Jahren seine Schuldenlast im Verhältnis zu seiner Wirtschaftskraft spürbar gedrückt hat, ist die große Ausnahme.

          Es wäre übertrieben, von einem Abschiedsgeschenk der Französin für Wolfgang Schäuble zu sprechen, ihren langjährigen Weggefährten. Dafür sind zu viele andere Interessen im Fonds zu berücksichtigen, dafür ist ein einzelner unter fast zweihundert Finanzministern zu wenig wichtig, selbst wenn er aus einem großen Mitgliedstaat kommt, lange dabei ist und zu denen gehört, die dort die Diskussionen prägen. Wie kein anderer hat der Deutsche wieder und wieder darauf gedrängt, die Widerstandskräfte der Volkswirtschaften zu stärken: Solide Staatshaushalte, Strukturreformen, Stopp der ultraexpansiven Geldpolitik sind Stichworte. Für den deutschen Finanzminister war es somit eine Genugtuung, dass der Währungsfonds nun endlich seinen Kurs korrigiert hat.

          Doch ist die internationale Organisation auf halbem Weg stehengeblieben. Es reicht nicht aus, die hohe Verschuldung anzupacken. Es wäre auch höchste Zeit, den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einzuleiten. Doch da ist den meisten Finanzministern das Hemd näher als der Rock, um ebenfalls ein Bild zu benutzen. Die Gefahr wächst, dass sich abermals eine Blase an Märkten für Aktien, Anleihen und Immobilien bildet. Die Notenbanker dürfen nicht warten, bis der Währungsfonds auch in der Geldpolitik den Zeitpunkt für einen Kurswechsel gekommen sieht.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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