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IWF-Prognose für 2023 : Kein großes Industrieland schneidet so schlecht ab wie Deutschland

Der IWF erwartet eine stagnierende Weltwirtschaft. Bild: dpa

Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2023 eine stagnierende Weltwirtschaft und eine hartnäckige Inflation. „Das Schlimmste kommt noch“, heißt es in seinem Ausblick. Preisdeckel sieht der IWF kritisch.

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          Die Wirtschaftsleistung in Ländern, die ein Drittel der Weltwirtschaft repräsentieren, schrumpft im kommenden Jahr. Die drei größten Volkswirtschaften USA, Europäische Union und China stagnieren. „Kurz gesagt, das Schlimmste kommt noch“, heißt es im Weltwirtschaftsausblick, den der Internationale Währungsfonds (IWF) jetzt zum Auftakt der Jahrestagung von IWF und Weltbank vorgelegt hat. Für viele Menschen werde sich 2023 anfühlen wie eine Rezession. Der Krieg in der Ukraine, die Stagnation sowie China und die hohe Inflation reißen Wunden der Pandemiekrise auf, die in vielen Volkswirtschaften zumindest teilweise zu Beginn des Jahres verheilt schienen.

          Deutsche Wirtschaft schneidet besonders schlecht ab

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Kein großes Industrieland schneidet der Prognose zufolge schlechter ab als Deutschland. Die größte Volkswirtschaft Europas schrumpft im kommenden Jahr um 0,3 Prozent nach einem unterdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent in diesem Jahr. Italien ist das einzige andere große Industrieland, für das der IWF eine Rezession im kommenden Jahr prognostiziert. Die gesamte Eurozone wächst um spärliche 0,5 Prozent im kommenden Jahr nach 3,1 Prozent in diesem Jahr. Europa leidet unter den dramatisch gestiegenen Gaspreisen in Folge des Krieges: Der Preis hat sich vervierfacht seit dem Vorjahr, Russland liefert nur nach 20 Prozent der Liefermenge des Vorjahres und erhöht damit die Möglichkeit, dass Energie knapp werden könnte. „Der kommende Winter wird schwierig für Europa, aber wahrscheinlich noch schlimmer 2023.“

          Das globale Wirtschaftswachstum schwächt sich von 6 Prozent 2021 auf 3,2 Prozent in diesem und auf 2,7 Prozent im kommenden Jahr ab. Das ist die langsamste Konjunkturentwicklung seit 20 Jahren, sieht man von der Finanz- und der Pandemiekrise ab. Es kommt zusammen, dass die US-Wirtschaft im ersten Halbjahr dieses Jahres schrumpfte, während sie in Europa im zweiten Halbjahr 2022 kleiner ausfällt. Dazu schwächelt China.

          Der Währungsfonds sieht in der wachsenden Teuerung die drängendste Bedrohung künftigen Wohlstands, indem sie Realeinkommen nach unten drückt und ökonomische Stabilität unterminiert. Die Autoren des Ausblicks sehen zwar auch das Risiko, dass die Zentralbanken die Geldpolitik zu stark straffen, doch sie gewichten die Gefahr, dass die Notenbank zu früh zu einer lockeren Geldpolitik zurückkehren, eindeutig schwerer. Zu zaghafte Straffung der Geldpolitik verfestige die Inflationsentwicklung, lasse die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken erodieren und bringe die Inflationserwartungen ins Rutschen. Nach IWF-Prognose bleibt die Inflation hartnäckiger als erwartet mit immerhin 4,1 Prozent im Jahr 2024, nachdem sie Ende dieses Jahres ihren Höhepunkt überschritten haben dürfte.

          In China fordern Lockdowns ihren Tribut

          Zur Teuerungskrise und dem Krieg in der Ukraine gesellt sich als belastender Faktor die Wirtschaftslage in China. Regelmäßige Lockdowns zur Eindämmung der Pandemie forderten ihren Tribut, speziell im zweiten Quartal 2022. Sorgen bereitet auch der Immobiliensektor, der sich rapide abschwächt und rund ein Fünftel der chinesischen Volkswirtschaft repräsentiert. Die Probleme des Landes sind von globaler Relevanz, wegen seiner Rolle in internationalen Lieferketten und im Welthandel.

          Der IWF-Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas warnt im F.A.Z.-Interview Regierungen, mit ihrer Ausgabenpolitik die Bemühungen von Zentralbanken zu konterkarieren, die Teuerung zu bändigen. Die aktuelle Energiekrise sieht er nicht als Übergangsphänomen an, sondern als Ergebnis der geopolitischen Neuausrichtung. Er wendete sich gegen Versuche von Regierungen, die Energiepreise durch Preisdeckel, unspezifische Subventionen oder Exportverbote zu kontrollieren zu wollen. Das funktioniere selten. Stattdessen sollten besonders anfällige Bevölkerungsgruppen mit direkten Zahlungen unterstützt werden. Generell, so der IWF, sollten Regierungen ihre raren Mittel nutzen, um die Menschen besser auszubilden, die Wirtschaft zu digitalisieren und klimaverträglich zu machen und die internationale Lieferbasis zu verbreitern.

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