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IWF-Jahrestagung : 12 Milliarden Dollar für arme Länder

Eine Frau lässt sich in der pakistanisch-indischen Grenzregion Kashmir auf das Coronavirus testen. Bild: AP

Auf seiner Jahrestagung warnt der Internationale Währungsfonds vor einer weltweiten Überschuldung durch die Corona-Pandemie. Es gibt allerdings auch gute Nachrichten.

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          Die Chefin des Internationalen Währungsfonds sieht Lichtblicke in der Düsternis der Pandemie-Krise. Regierungen und Zentralbanken hätten mit außergewöhnlichen Maßnahmen die Weltkonjunktur vor einem größeren Einbruch bewahrt, sagte Kristalina Georgiewa zum Auftakt der Jahrestagung von Fonds und Weltbank, die wie schon die Frühjahrstagung virtuell stattfindet. Sie lobte zudem die beispiellose Bemühungen, Impfstoffe und Medikamente gegen die Krankheit Covid 19 zu finden.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Weltbank-Chef David Malpass gab unterdessen bekannt, dass seine Institution 12 Milliarden Dollar für Entwicklungsländer bereitstellt, damit diese Impfstoffe und Medikamente kaufen und verteilen und ihre Covid-Test-Infrastruktur ausbauen können. Weitere 4 Milliarden Dollar hat die International Finance Corporation, die Weltbanksparte zur Finanzierung der Privatwirtschaft, mobilisiert, um die Produktion von Medizingütern einschließlich Impfstoffen zu fördern.

          Zu den guten Nachrichten gehört auch, dass sich der Finanzsektor als stabil erwiesen hat. Allerdings könnten eine lang andauernde Rezession oder politische Fehltritte die Verwundbarkeit des Finanzsektors offenlegen. Global systemrelevante Banken zeigten sich als robust genug, um auch noch gegen weitere Schocks gewappnet zu sein, teilte IWF-Direktor Tobias Adrian mit. Europäischen Banken allerdings zeigten sich anfälliger. Die Bundesbank hatte jüngst vor möglichen Bankeninsolvenzen gewarnt.

          Hilfen bleiben wichtig

          Georgiewa hob hervor, dass die Welt langsam beginne, mit dem Virus zu leben. Der Fonds sagt eine Erholung der Weltwirtschaft fürs kommende Jahr voraus mit einem Wirtschaftswachstum von 5,2 Prozent. Die Comeback-Prognose sei allerdings unsicher angesichts des unklaren Verlaufs der Corona-Pandemie. Nach ihrer Darstellung ist eine dauerhafte wirtschaftliche Erholung nur denkbar, „wenn wir die Pandemie überall besiegen“. Deshalb müsse die medizinische Versorgung weiter verbessert werden. Genauso wichtig bleibe es weiterhin, die Haushalte und Unternehmen zu stützen, zum Beispiel mit Kreditgarantien und Lohnsubventionen. Regierungen, die Hilfe zu früh einstellten, drohten große wirtschaftliche Risiken.

          Der Weltwährungsfonds sieht öffentliche Investitionen in die digitale Infrastruktur und in Klima- und Naturschutzprojekte als besonders vielversprechend an. Millionen Arbeitsplätze könnten entstehen, während gleichzeitig die Produktivität und die Einkommen stiegen. Georgiewa problematisierte zugleich die wachsende öffentliche Verschuldung, die im kommenden Jahr die psychologisch wichtige Grenze von 100 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung erreichen dürfte. Die Regierungen gaben nach Berechnungen des Währungsfonds „atemberaubende 12 Billionen Dollar“ zusätzlich aus, um die Pandemie-Krise zu bändigen, wie der IWF-Direktor Vitor Gaspar berichtete.

          Entwicklungsländer müssen mehr mit weniger erreichen

          Er wies darauf hin, dass gerade Schwellen- und Entwicklungsländer kaum finanziellen Spielraum hätten. Sie seien gezwungen, mehr mit weniger zu erreichen. Regierungen sollten allerdings auch versuchen, die Steuerehrlichkeit zu erhöhen, und zudem höhere Steuern von reichen Bürgern und hochprofitablen Unternehmen verlangen. Georgiewa sieht allerdings vor allem arme Länder überfordert: Sie hätten oft nicht genug Mittel, um basale staatliche Dienstleistungen aufrechtzuhalten. Sie bräuchten mehr Spenden, mehr Kredite und einen Schuldennachlass.

          Der Währungsfonds hat seit März rund 100 Milliarden Dollar verloren, mehr als ein Drittel der kompletten Ausleihungen an insgesamt 81 Länder. Laut Georgiewa hat der Fonds noch immer genügend Feuerkraft, um Ländern zu helfen. Die ärmsten Länder müssen zur Zeit keinen Kreditdienst an den Fonds leisten. Für sie springen die reichen Länder ein, allen voran Großbritannien und Deutschland. Die Weltbank hat nach eigenen Angaben 160 Milliarden Dollar mobilisiert, um die ärmsten Länder im Kampf gegen die Pandemie zu unterstützen.

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