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Kreditvergabe gefährdet : IWF findet Europas Banken zu schwach

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Der Internationale Währungsfonds untersucht regelmäßig die Finanzstabilität auf der Welt. Bild: dpa

Den meisten Banken in der Europäischen Währungsunion geht zu schnell die Puste aus, findet der IWF. Sie seien nicht in der Lage, genügend Kredite zu vergeben.

          Auch Jahre nach Beginn der zurückliegenden globalen Finanzkrise sind viele Banken nach einer neuen Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) immer noch zu schwach. Vor allem viele Geldhäuser in der Europäischen Währungsunion seien weiterhin nicht imstande, nachhaltig Kredite bereitzustellen, heißt es in einem Bericht der Organisation, der an diesem Mittwoch in Washington veröffentlicht worden ist. Diese Kraftlosigkeit des Bankwesens gefährde weltweit die Finanzstabilität.

          Der IWF untersuchte nach eigenen Angaben 300 große Banken in den Industrieländern. Insgesamt seien am Kapital gemessen 40 Prozent der Banken nicht zu einer volkswirtschaftlich angemessenen Kreditvergabe in der Lage. In der Eurozone hätten sogar 70 Prozent das Problem. Den Instituten gehe es durch Sanierungsmaßnahmen zwar meist gut genug, „um zu überleben“. Das reiche aber nicht. „In vielen Ländern müssen die Banken Athleten sein, die die wirtschaftliche Erholung energisch unterstützen können“, erklärte der Leiter der IWF-Finanzmarktabteilung, José Viñals.

          Die Schwäche führt dem Währungsfonds zufolge dazu, dass sich Unternehmen benötigtes Geld auf andere Weise besorgen, etwa durch die Ausgabe von Anleihen an Investmentfonds. Die in deren Portfolios gehaltenen Kreditinstrumente hätten sich seit dem Jahr 2007 verdoppelt. „Die Risiken verlagern sich in das System der Schattenbanken“, warnte Viñals. „Wenn darauf nicht eingegangen wird, könnten diese Risiken die globale Finanzstabilität gefährden.“ Denn die Turbulenzen an den Finanzmärkten könnte es sehr schnell zu Liquiditätsengpässen kommen.

          Hintergrund der Warnung ist, dass viele Banken heute aus IWF-Sicht mit der Vergabe von Krediten nicht genügend Gewinn erwirtschaften können, um ihre Kapitalbasis zu stärken. „Diese Banken müssen ihr Geschäftsmodell noch fundamentaler überholen“, meinte Viñals. Dafür müssten etwa Leistungsangebote teurer gemacht, verändert oder gestrichen werden. Quersubventionierungen von Geschäftsbereichen seien zu überdenken. Und wenn eine Bank die notwendige Profitabilität dennoch nicht erreichen kann, sollte sie nach IWF-Ansicht den Markt schnell ganz verlassen.

          Obwohl Notenbanken fast kostenlos Geld zur Verfügung stellen, komme es nicht ausreichend in der „echten Volkswirtschaft“ an, so der IWF. Zwar habe die lockere Geldpolitik geholfen, dass Konsumenten wieder mehr ausgeben und Firmen neue Arbeitsplätze schafften. Doch mehr noch habe das günstige Zentralbankgeld ermutigt, an den Finanzmärkten höhere Risiken einzugehen. Gefragt sei nun eine höhere Risikobereitschaft auch in der realen Wirtschaft, um das Wachstum anzukurbeln, erklärte Viñals. Es sei Aufgabe der Gesetzgeber, „die Übertragung der Geldpolitik in die echte Ökonomie zu verbessern“.

          Die Diagnose des Währungsfonds ist brisant, weil auch viele andere  Fachleute in der Stabilität der Banken ein wichtiges Kriterium dafür sehen, dass die Währungsunion höheres Wirtschaftswachstum erreicht. Zugleich veröffentlicht die Europäische Zentralbank in wenigen Wochen die Ergebnisse ihrer eigenen Untersuchung der Bilanzen der wichtigsten europäischen Geldhäuser - im November dann wird sie auch die Aufsicht über diese Institute übernehmen.

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