https://www.faz.net/-gqe-aaepf

Nach dramatischem Anstieg : IWF erwartet für 2021 noch mehr Schulden

  • Aktualisiert am

Die neue IWF-Chefin Kristalina Georgiewa Bild: dpa

Corona-Hilfsprogramme kosten Geld. Geld, das die Staaten der Welt meist nicht haben – sodass sie Schulden machen müssen. International nähert sich die Verschuldung inzwischen einer kritischen Schwelle.

          1 Min.

          Die Staatsverschuldung ist durch die Coronavirus-Krise dramatisch gestiegen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds wird sie auch 2021 weiter zulegen, wenn auch nur noch leicht. Im Schnitt lag die Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftskraft 2020 weltweit bei 97,3 Prozent – ein Rekordwert. Dieses Jahr werde sie weiter auf 98,9 Prozent steigen hieß es in einem am Mittwoch in Washington veröffentlichten Bericht des IWF.

          Damit sind die Staaten im Durchschnitt fast so hoch verschuldet, wie sie Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften. In den meisten Ländern dürften die Haushaltsdefizite aber zurückgehen, weil Corona-Hilfen ausliefen und die Einnahmen langsam wieder stiegen, teilte die internationale Organisation weiter mit. In den Jahren danach dürfte sich die Verschuldung bei Werten von unter 100 Prozent stabilisieren. Zum Vergleich: 2019 waren es erst knapp 84 Prozent.

          IWF betont Bedeutung der Impfungen

          Die Verschuldung wird laut IWF für Industriestaaten leichter zu stemmen sein, weil für sie die Zinsen niedriger sind als für viele Schwellenländer. Besonders schwierig werde es für Entwicklungsländer, die nicht immer einen Zugang zum Kapitalmarkt hätten. Diese Staaten bräuchten Hilfen – durch Fördergelder, Schuldenerleichterungen oder in einigen Fällen auch Zugeständnisse der Gläubiger.

          Für Deutschland prognostiziert der IWF dieses Jahr eine leicht steigende Verschuldung auf gut 70 Prozent. In den Jahren danach dürfte sie wieder sinken. 2025 soll die Verschuldung wieder unter 60 Prozent liegen, dem Wert vor Ausbruch der Pandemie. Das Statistitische Bundesamt hatte der deutschen Staatskasse am Mittwoch ein Rekorddefizit bescheinigt.

          Entscheidend für die wirtschaftliche Erholung und damit auch die Verschuldung wird laut IWF das Tempo der Corona-Impfungen. Hier gebe es von Land zu Land große Unterschiede. Allein in den Industriestaaten könnten sich die zusätzlichen Steuereinnahmen bis 2025 auf mehr als eine Billion Dollar summieren, sollte es eine rasche Immunisierung der Bevölkerung geben. „Die Covid-19-Impfungen werden sich also mehr als rechnen“, hieß es in einem IWF-Blog.

          Den Regierungen empfahl der Währungsfonds, gezielter als bisher vor allem Arme, Junge, Frauen und wenig gebildete Arbeitskräfte zu unterstützen. Diese litten am stärksten unter den Folgen der Pandemie. Auch die Hilfen für Unternehmen müssten genauer ausgestaltet werden, kontaktintensive Dienstleister und kleinere Unternehmen müssten im Fokus stehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.