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IWF-Chefin in China : Lagarde befürchtet „verlorenes Jahrzehnt“

„Über der Weltwirtschaft brauen sich dunkle Wolken zusammen”: Christine Lagarde Bild: dpa

IWF-Chefin Christine Lagarde hat in einer Rede ein düsteres Bild von der Weltwirtschaft gemalt. Gleichzeitig sprach sie aber von Hoffnungszeichen, die der IWF hegt: Asien treibe die globale Erholung voran.

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          Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzt auf Asien, um die Weltwirtschaft zwischen Schuldenkrise und Konjunkturschwäche wieder flott zu machen. „Asien treibt die globale Erholung voran“, sagte die Geschäftsführende IWF-Direktorin Christine Lagarde am Mittwoch in Peking. In China zu sein, dessen Wirtschaft durchschnittlich um 10 Prozent im Jahr wachse, erfülle sie „mit Hoffnung und Zuversicht für die Zukunft“, sagte Lagarde auf dem Internationalen Finanzforum in der chinesischen Hauptstadt. Es wurde erwartet, dass sie während ihres dreitägigen Besuches um Unterstützung für die Bemühungen zur Eurorettung werben wird.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Am Mittwoch habe sie bereits mit dem chinesischen Zentralbankpräsidenten Zhou Xiaochuan über die Lage der Weltwirtschaft, die Rolle des IWF und die Reform des internationalen Währungssystems gesprochen, teilte die Bank mit.
          Auf Lagardes Station zuvor in Moskau hatte Russland die Bereitschaft der so genannten Brics-Länder bekräftigt, an einer vom IWF koordinierten Stützung der überschuldeten Euroländer mitzuwirken. Zu der Gruppe gehören neben Russland auch China, Indien, Brasilien und Südafrika.

          Der Aufsichtsratsvorsitzende der staatlichen chinesischen Investmentgesellschaft CIC, Jin Liqun, bekundete vor Lagardes Besuch die Bereitschaft seines Landes, in Europa zu investieren. Die Europäische Union müsse zuvor aber ihre eigene „Trägheit“ überwinden und den Anlegern verlässliche Renditen garantieren. Die CIC hält Finanzwerte von mehr als 400 Milliarden Dollar.
          In ihrer Rede in Peking warnte Lagarde vor einem „verlorenen Jahrzehnt mit geringem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit“. Um das zu verhindern, müssten die Industrie- und Schwellenländer kooperieren. „Wenn wir nicht zusammen handeln, könnten wir in eine Abwärtsspirale geraten aus Unsicherheit, finanzieller Instabilität und einem Zusammenbruch der weltweiten Nachfrage.“ Die zurückliegenden Krisentreffen der Euroländer und der Gruppe der 20 (G20) bewertete die IWF-Chefin positiv, es gebe aber „ganz klar Wolken am Horizont“.

          In einer gemeinsamen Erklärung teilten Indien und China mit, die Lage in den Industrieländern belaste zunehmend auch die aufstrebenden Volkswirtschaften. Dort verlangsame sich das Wachstum. Die Weltwirtschaft befinde sich in einer „kritischen Phase“, weshalb stärkere internationale Absprachen nötig seien.
          Lagarde gestand zu, dass auch der Ferne Osten mit Schwierigkeiten kämpfe. „Selbst Asien ist nicht immun.“ Die Länder müssten sich auf einen „Sturm“ einstellen, der sie erreichen könnte.

          So bestünden Überhitzungsgefahren und Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte. China sei auf dem richtigen Weg, müsse sich aber auf schwächere Wachstumsaussichten einstellen, die internen Reformen vorantreiben und seine Währung aufwerten. „China steht wieder in der Mitte der Weltbühne und spielt dort eine entscheidende Rolle, heute und in der Zukunft“, sagte Lagarde. Aus Peking reist sie nach Tokio weiter. Japan ist einer der größten Geldgeber im Euro-Stabilisierungsfonds EFSF.

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