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Tobias Piller (tp.)

Aufhebung des Patentschutzes : Die Frage nach der Zukunft fehlt

  • -Aktualisiert am

Italiens Premierminister Mario Draghi will den Patentschutz für Covid-Impfstoffe aufweichen oder sogar aufheben. Bild: Reuters

Die Absicht von Politikern wie Mario Draghi, den Patentschutz für Covid-Impfstoffe aufzuweichen, wirkt demotivierend. Gerade der Fall Italien zeigt, dass gut Gemeintes nicht immer positive Folgen hat.

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          Der Wettlauf zwischen den Mutationen des Coronavirus und der Forschung für angepasste Impfstoffe hat gerade erst begonnen. Daran so viele Unternehmen und Forscher wie möglich zu beteiligen, liegt eigentlich in aller Interesse. Demotivierend wirkt dabei die Absicht von Politikern wie Italiens Ministerpräsident Mario Draghi, den Patentschutz für Covid-Impfstoffe aufzuweichen oder sogar aufzuheben.

          Gerade der Fall Italien zeigt, dass gut Gemeintes nicht immer positive Folgen hat: 120 Jahre lang waren in Italien Patente auf Arzneimittel verboten, denn Medikamente sollten ohne Hürden allen zur Verfügung stehen. Außer Acht gelassen wurde jedoch: Ohne Patente machte es für Italiens Unternehmer keinen Sinn, Geld in die Forschung für neue Medikamente zu stecken. Erst 1978 hat das Verfassungsgericht das Patentverbot für Medikamente aufgehoben, erst seit diesem Zeitpunkt gibt es Pharmaforschung im Land.

          Das Beispiel Italiens hilft in der neuen Diskussion um die Patente für die Corona-Impfstoffe. Wieder fehlt die Frage nach der Zukunft: Was passiert, wenn das Ende der Impfstoff-Patente einen Stopp für weitere Forschung bedeutete?

          Die riesigen und erfolgreichen Anstrengungen für die Bereitstellung von Impfstoffen in Rekordzeit beruhten auf der Voraussetzung von Patentrechten. Das Bewusstsein, dass ein globales Problem zu bewältigen sei, koste es was es wolle, hat ein Rennen ausgelöst, an dem Dutzende von Unternehmen teilgenommen haben – sowohl Pharmariesen als auch Startups.

          Viele Forschungsprojekte waren bisher erfolglos und verlustreich, einige wenige führten zu Impfstoff, mit dem nun auch Geld verdient wird. Ein wenig hatte das auch Züge einer Lotterie. Doch nun soll mit populistischen Argumenten im Nachhinein der (Lotto-)Gewinn abgeschafft werden. Damit gehen zwei aktuelle Vorteile verloren: Wenn sich viele am Rennen um den Impfstoff beteiligen, ist das ein erfolgreiches Suchverfahren für die besten Lösungen. Wenn sich viele Unternehmen auf dem Markt für Impfstoff tummeln, ist das eine Garantie für niedrige Preise und preiswerte oder gar kostenlose Lizenzen.

          Tobias Piller
          Redakteur in der Wirtschaft.

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