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Hurrikan : „Irma“ könnte Versicherer 40 Milliarden Dollar kosten

  • Aktualisiert am

Ein zerfetztes Straßen-Plakat weht in Florida über der menschenleeren Interstate 95 Bild: dpa

Der Hurrikan „Irma“ hat sich über dem Festland von Florida abgeschwächt, die Lage bleibt aber angespannt. Die Versicherungen müssen sich auf hohe Schäden einstellen.

          Der Hurrikan "Irma" ist Experten zufolge eines der teuersten Ereignisse für die Versicherungsbranche seit Jahren. Die versicherten Schäden in den Vereinigten Staaten könnten insgesamt zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar liegen, schätzte der Fachdienst Air Worldwide am Montag. Auch die Ratingagentur Moody's und der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück gehen von erheblichen Schäden für die Branche aus. Für sich selbst gab die Münchener Rück aber Entwarnung.

          "Irma" zieht seit Sonntag (Ortszeit) über Florida hinweg. "Weil der Hurrikan an der Westküste des amerikanischen Bundesstaates aufgeschlagen ist und Miami weitgehend verschont blieb, dürften die Schäden aber unter dem 'Worst-Case-Szenario' liegen", erklärten die Analysten der Investmentbank KBW. Es ist bereits der zweite Hurrikan, der in diesem Jahr das amerikanische Festland trifft. Ende August hatte "Harvey" in Texas und Louisiana gewütet. Die Münchener Rück schätzt die versicherten Schäden für die Branche  durch diesen Wirbelsturm auf 20 bis 30 Milliarden Dollar. Experten sprachen von wirtschaftlichen Schäden, die mehr als 100 Milliarden Dollar betragen könnten. In der texanischen Metropole Houston hat "Harvey" vor allem durch Überschwemmung große Zerstörungen angerichtet.

          Zum Vergleich: Die bislang teuerste Naturkatastrophe in Nordamerika war der Hurrikan "Katrina", der 2005 New Orleans verwüstete. Er verursachte versicherte Schäden von 74 Milliarden Dollar (inflationsbereinigt).

          Was die jüngsten Unwetter angeht, sind Münchener Rück und der Wettbewerber Hannover Rück zuversichtlich, recht glimpflich davonzukommen. Der Marktanteil der Hannover Rück in Florida und Texas liege deutlich unter zwei Prozent, erklärte der Konzern am Montag. Hannover Rück erwartet für 2017 weiterhin einen Gewinn von über einer Milliarde Euro. Die Münchner Rück sei in Florida ebenfalls nicht stark engagiert, sagte deren Vorstand Torsten Jeworrek.

          Erleichterungsrally an der Börse

          "Harvey" und "Irma" könnten den Rückversicherern in den anstehenden Verhandlungen mit den Kunden sogar helfen - und den jahrelangen Preisdruck in der Branche dämpfen. Der war entstanden, weil es in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenig Großschadenereignisse gegeben hatte. Außerdem kam neue Konkurrenz in den Markt: Hedgefonds und andere finanzkräftige Kapitalgeber, die sich im Niedrigzinsumfeld mit weniger Rendite zufriedengeben als die auf ihr Risiko bedachten Rückversicherer. Sie schöpften einiges an Geschäft ab, während die angestammten Anbieter wählerischer wurden, weil sie Risiken nicht zu günstig absichern wollten.

          Noch vergangene Woche - bevor "Irma" auf Florida traf - hatten die Ratingagenturen S&P und Moody's für 2018 für die Branche einen Rückgang der Prämien um bis zu fünf Prozent vorhergesagt, der Konkurrent Fitch sogar ein Minus von bis zu 7,5 Prozent.

          Swiss Re und Hannover Rück rechnen nun zumindest mit stabilen Preisen, wie sie am Montag beim Branchentreffen in Monte Carlo erklärten. Dort treffen Rückversicherer, Makler und Kunden einmal im Jahr zusammen, um die Konditionen für die Erneuerung eines großen Teils der Rückversicherungsverträge im traditionellen Schadens- und Unfallgeschäft zum Jahreswechsel vorzubesprechen.

          Die Aussicht auf ein Abschwächen des Preiskampfes sorgte zu Wochenbeginn auch bei den Anlegern für gute Stimmung. Die Aktien von Münchener Rück, Swiss Re und Hannover Rück stiegen jeweils um mehr als vier Prozent.

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