https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/iran-revolutionsgarden-setzen-zwei-griechische-oeltanker-fest-18064156.html

Iran : Revolutionsgarden setzen zwei griechische Öltanker fest

  • Aktualisiert am

Der unter griechischer Flagge fahrende Öltanker „Prudent Warrior“ (im Hintergrund) während einer Durchfahrt in Istanbul (Archivbild). Bild: AP

In Iran sind zwei griechische Öltanker gestoppt worden. Laut iranischen Revolutionsgarden hätten sie sich nicht an Regeln im Schiffsverkehr gehalten. Beobachter vermuten eine Vergeltungstat.

          2 Min.

          Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben im Persischen Golf zwei griechische Öltanker festgesetzt. Die Schiffe hätten maritime Vorschriften missachtet, hieß es auf dem IRGC-Webportal am Freitag. Weitere Details zu den beiden Tankern und der Crew sollten demnächst bekanntgegeben werden. Griechenland protestierte auf das Schärfste und sprachen von einem Akt der Piraterie.

          Beobachter vermuten hinter der Aktion einen Vergeltungsakt. Jüngst war in griechischen Gewässern der unter russischer Flagge fahrende Tanker „Lana“ mit iranischem Öl an Bord festgesetzt worden. Aus Protest dagegen wurden am Freitag bereits Geschäftsträger der griechischen und Schweizer Botschaft ins Außenministerium einbestellt. Die Schweiz vertritt in Teheran auch Interessen der USA.

          Das griechische Außenministerium bestellte am Freitag den iranischen Botschafter ein. Es sei Protest eingelegt worden, teilte ein Sprecher mit. „Diese Aktionen sind praktisch Piraterie“, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Athen.

          Griechenland forderte die sofortige Freilassung der Besatzungen. Den Schiffen solle die Weiterfahrt erlaubt werden. Diese Aktionen hätten „sehr negative Auswirkungen“ auf die griechisch-iranischen Beziehungen, so das Außenministerium.

          Nach Angaben aus Athen hatte die Besatzung eines Hubschraubers der iranischen Kriegsmarine am Freitag das griechische Schiff „Delta Poseidon“ in internationalen Gewässern rund 22 Seemeilen (rund 35 Kilometer) vor der Küste Irans geentert. Bewaffnete Iraner hätten dann die Besatzung festgenommen. Auch ein zweites griechisches Schiff sei gestoppt worden und die Besatzung sei festgenommen worden, teilte das griechische Außenministerium mit.

          Athen habe alle zuständigen internationalen Organisationen über die Zwischenfälle informiert und alle griechischen Bürger aufgerufen, Reisen in den Iran zu meiden, hieß es weiter. Auch seien alle griechischen Schiffe, die sich in der Region des Persischen Golfes bewegten, benachrichtigt worden.

          Griechische Medien wie die Zeitung Kathimerini haben über den Zwischenfall mit dem russischen Tanker berichtet. Demnach herrschte am 14. April in der Ägäis ein schwerer Sturm. Die aus dem türkischen Marmaris kommende „Lana“ suchte Zuflucht in einer Bucht der griechischen Insel Euböa vor dem Kleinhafen von Karystos. Dort stellten die griechischen Behörden fest, dass der Tanker der russischen Promswjasbank gehörte. Weil die EU gegen die Bank Sanktionen verhängt hatte, wurde der Tanker gestoppt. Als klar wurde, dass die Bank den Tanker bereits im März an eine nicht sanktionierte russische Bank verkauft hatte, sollte er eigentlich weiterfahren. Inzwischen wurde aber festgestellt, dass der russische Tanker iranisches Öl transportierte. Deshalb meldeten sich nach Angaben der griechischen Medien US-Behörden und forderten, dass die Griechen Unterstützung leisten und die „Lana“ weiter festhalten. Wegen der gegen den Iran verhängten US-Sanktionen hätte das Öl auf einen anderen Tanker gepumpt und auf US-Kosten in die USA gebracht werden sollen.

          Offensichtlich scheint dies gerade im Golf von Karystos zu geschehen. Das Marineportal MarineTraffic zeigt, dass ein anderer Tanker neben der „Lana“ im Golf von Karystos liegt und allen Anzeichen nach das Öl aus dem Schiff tankt.

          Weitere Themen

          Siemens legt digital nach

          Neue Projekte : Siemens legt digital nach

          Der Industriekonzern verkündet eine Reihe neuer Projekte: An den finanziellen Zielen ändern die jedoch erst einmal nichts.

          Bethmann Bank gibt deutsche Banklizenz zurück

          Eingliederung in ABN Amro : Bethmann Bank gibt deutsche Banklizenz zurück

          Der Verlust der Eigenständigkeit verlief schleichend. Jetzt geht Bethmann in der Niederlassung von ABN Amro auf. Für die Kunden soll sich nichts ändern. Dabei ist die die Aufnahme in den Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken kein Selbstläufer.

          Topmeldungen

          Wladimir Putin mit dem turkmenischen Präsidenten Serdar Berdymuchamedow am Mittwoch in Aschgabad

          Beziehungen zu Moskau : Putin sucht neue Allianzen

          Der Kreml versucht andere Bündnisse als Alternative zu G7 und NATO aufzubauen. Auf China kann Wladimir Putin dabei bauen. Auch ehemalige Sowjetrepubliken versucht er zu gewinnen.
          „Historische Entscheidung“ der Allianz: Joe Biden, Jens Stoltenberg und Pedro Sanchez am 29. Juni in Madrid

          Beitritt Finnlands und Schwedens : Die Natoisierung Europas

          Beim NATO-Gipfel in Madrid zeigt sich das Bündnis geschlossen – wenn auch unter Wehen. Russland wird nun als größte und unmittelbarste Gefahr eingestuft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.