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Irak-Krise : Reiseverbote, Notfallpläne und fallende Ölpreise

  • Aktualisiert am

Der bevorstehende Angriff auf den Irak hat am Dienstag die Wirtschaft in ihren Bann gezogen. Vorkehrungen werden getroffen.

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          Der bevorstehende Angriff auf den Irak hat am Dienstag die Wirtschaft in ihren Bann gezogen. Nachdem die Vereinigten Staaten mit ihrem Ultimatum an Saddam Hussein für Klarheit gesorgt haben, fiel der Ölpreis am Dienstag deutlich. Der deutsche Aktienmarkt verzeichnete am vierten Tag in Folge Kursgewinne. Einzelne Unternehmen kündigten einschneidende Reisebeschränkungen für ihre Mitarbeiter an. Europas größte Fluggesellschaft British Airways strich alle Verbindungen nach Kuwait und Israel.

          Der Chemiekonzern Celanese hat seine Mitarbeiter angewiesen, wo irgend möglich, Interkontinentalflüge vorläufig durch Videokonferenzen und andere Kommunikationsformen zu ersetzen. Celanese beschäftigt knapp 11 000 Mitarbeiter. Bayer hat nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung getroffen, erwägt aber Reiseverbote auf bestimmten Routen und für einzelne Fluggesellschaften. Daimler-Chrysler teilte lediglich mit, es gebe "Reiseregeln, die der Situation angemessen sind."

          Die großen Fluggesellschaften reagierten am Dienstag unterschiedlich auf die Zuspitzung im Irak. Anders als British Airways will die Deutsche Lufthansa vorerst keine Flüge streichen, bietet jedoch erweiterte Umbuchungsmöglichkeiten an. Die Reisekonzerne TUI, Thomas Cook und LTU warnen Urlauber angesichts des drohenden Irak-Krieges vor Panik. Derzeit gebe es keine Gefahr etwa für beliebte Urlaubsregionen in der Türkei.

          Vertreter aus Wirtschaft und Politik bewerteten die möglichen Folgen eines Irak-Krieges für die Konjunktur verschieden. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sagte in München, er rücke von seiner Prognose eines Wirtschaftswachstums von einem Prozent in diesem Jahr vorerst nicht ab. Welche Auswirkungen ein Krieg gegen den Irak für die deutsche Wirtschaft haben werde, lasse sich nicht abschätzen. Die meisten Ökonomen erwarten weiterhin eine leichte Erholung der Konjunktur im Verlauf des Jahres. Beim 67. Kieler Konjunkturgespräch am Institut für Weltwirtschaft (IfW) überwogen am Montag und am Dienstag die gedämpft optimistischen Einschätzungen - wobei die Ökonomen freilich ein günstiges Szenario für den Kriegsverlauf unterstellen. Zwar sagt das IfW für 2003 nur noch ein Wachstum von 0,4 Prozent voraus, doch für 2004 ein Plus von 2,3 Prozent.

          Jürgen Strube, der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Chemiekonzerns BASF, rechnet angesichts des bevorstehenden Irakkrieges dagegen mit einer Stagnation des globalen Wachstums im ersten Halbjahr 2003. Bei einem zeitlich und lokal begrenzten Militärschlag gegen den Irak erwartet er, daß das globale Wirtschaftswachstum im Jahr um nahezu einen Prozentpunkt schwächer ausfällt und die weltweite Chemieproduktion nur rund 2 Prozent wächst.

          Hilmar Kopper, Bundesbeauftragter für Auslandsinvestitionen, hält es für unwahrscheinlich, daß die außenpolitischen Differenzen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten die deutsche Wirtschaft belasten werden. Die Geschäftspartner in der Wirtschaft pflegten über den Atlantik hinweg weiterhin gute Beziehungen zueinander. "Warum sollte sich das nun ändern", sagte der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank in Tokio.

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