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Ausländische Investoren : Das Geschäft mit der Tiermedizin

Hund nach einer Analdrüsen-OP (Symbolbild) Bild: Rainer Wohlfahrt

Deutschen lassen sich ihre Tierliebe einiges kosten. Immer mehr Investoren aus dem Ausland kaufen für viel Geld Tierarztpraxen hierzulande auf. Was bedeutet das für Hund und Halter?

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          Was haben Schokoriegel mit der Tierarztpraxis um die Ecke zu tun? Noch nichts. Ziemlich bald aber vielleicht schon ziemlich viel. Dann gehört die Praxis nämlich möglicherweise dem amerikanischen Schokoriegelproduzenten Mars. Die Firma ist seit Mitte Juni dick drin in der deutschen Tierarztwelt. Und sie hat mit 33 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr mehr als genug Kraft, um das Geschäft mit der Tiermedizin hierzulande durcheinanderzuwirbeln. Was kaum einer weiß: Mars verdient mit Tierfutter, etwa den Marken Whiskas, Frolic und Chappi, mehr als mit Lebensmitteln. In Amerika gehört dem Familienunternehmen außerdem schon fast jede fünfte Tierklinik, Mars beschäftigt dort rund 50.000 angestellte Veterinärmediziner. Jetzt haben die Amerikaner mit einem Schlag ihre ersten dreißig Praxen in Deutschland gekauft. Und klar ist: Es sollen viel mehr werden.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das ist für deutsche Verhältnisse aufsehenerregend. Tierarzt, das ist hier für viele weniger ein Beruf als ein Klischee, in Kinderbüchern und Vorabendserien gepflegt. Selbständig, erdverwachsen, idealistisch – und tierlieb natürlich. Weit weg von Profiten, Businessplänen und Investoren. Die Wahrheit ist, wie üblich, nicht so eindeutig. Es gibt in Deutschland rund 12.000 niedergelassene Tierärzte. Und weil die Zahl der Haustiere stetig zunimmt, viele Deutsche Hunde oder Katzen zudem als Lebensabschnittsgefährten oder Kinderersatz behandeln, steigt auch die Zahlungsbereitschaft für tierärztliche Leistungen. Auf rund 200 Euro im Monat veranschlagen Hundebesitzer die Arztkosten durchschnittlich, gezahlt wird meistens gleich aus der eigenen Tasche. Schön für den Veterinär, einerseits. Andererseits braucht, wer von diesem Trend so richtig profitieren will, teure Geräte und Instrumente. Außerdem ist eine Spezialisierung nicht schlecht, Einzelkämpfer haben es fachlich und finanziell schwer. Viele Ärzte haben sich deshalb in der Vergangenheit schon zu Gemeinschaftspraxen oder gar Tierkliniken zusammengeschlossen.

          Der Knackpunkt kommt oft, wenn Gründer oder Gesellschafter anfangen, an ihren Ruhestand zu denken. Da berichten die Tierärzte dasselbe wie viele Humanmediziner: Selbst für gut laufende Praxen ist es schwierig, einen Nachfolger zu finden. Die einen scheuen das finanzielle Risiko, schließlich geht es beim Kaufpreis um sechs- oder sogar siebenstellige Beträge. Die anderen scheuen die Selbständigkeit ohne vertraglich geregelte Arbeitszeit. Rund um die Uhr für die Tiere und ihre Halter da zu sein, das entspricht zwar dem Klischee. Aber nicht dem Lebensentwurf der meisten Absolventen an den veterinärmedizinischen Instituten.

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