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Investor-Legende : Buffett rechnet mit schlechten Bankern ab

Warren Buffett Bild: AP

Warren Buffett hält nichts von Bankvorständen, die für zu hohe Risiken nicht haften. Er selbst steht voll hinter seinem Unternehmen Berkshire Hathaway. Dem haben zuletzt Derivate sehr geholfen.

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          Der amerikanische Starinvestor Warren Buffett hat in seinem jährlichen Brief an die Aktionäre seines Beteiligungsunternehmens Berkshire Hathaway Vorständen von Finanzdienstleistern wie Banken und Versicherern die Leviten gelesen, die mit ihren Investitionen ein zu großes Risiko eingehen.

          „Nach meiner Meinung versagt ein Verwaltungsrat eines großen Finanzdienstleisters, wenn er nicht darauf besteht, dass der Vorstand die volle Verantwortung für die Risikokontrolle übernimmt. Und wenn ein Vorstand das nicht schafft, sollte er sich einen anderen Arbeitgeber suchen. Wenn er in seinem Amt aber versagt, und die Regierung mit Garantien oder Geld einspringen muss, dann sollten die finanziellen Konsequenzen hart sein“, schreibt Buffett weiter, der seinerseits die volle Verantwortung für das Wohl und Wehe „seines“ Unternehmens übernimmt, ist er doch mit 98 Prozent seines gesamten Nettovermögens in Berkshire Hathaway investiert.

          Berkshire Hathaway selbst hat seinen Nettogewinn zuletzt kräftig gesteigert. Dazu beigetragen haben aber weniger die Beteiligungen an Unternehmen wie in Deutschland unter anderem an der Münchener Rück, sondern Kursgewinne aus Aktienmarktderivaten. Wie es in der Mitteilung von Berkshire Hathaway vom Samstag heißt, ist der Nettogewinn im vierten Quartal zwar auf knapp 3,1 Milliarden Dollar gestiegen. Im Jahr zuvor hatte der Wert lediglich 117 Millionen Dollar erreicht. Die Derivate dienen Berkshire als Versicherungspolicen. Einige decken Kursverluste ab, wenn bestimmte Aktienmarktindizes in den kommenden 15 bis 20 Jahren sinken sollten. Andere sorgen für Ausgleich im Fall von Kreditausfällen.

          Im operativen Geschäft, also ohne den Gewinn von 1,03 Milliarden Dollar aus Investitions- und Derivategeschäften, meldet Buffett für sein Beteiligungsunternehmen aber ein Gewinnminus von 50 Prozent auf etwas mehr als 2 Milliarden Dollar. Gleichwohl übertraf das Unternehmen mit Sitz in Omaha (Nebraska) damit noch immer knapp die Erwartungen der Analysten. Bisher sei das Hauptgeschäft von Berkshire mit Versicherungen und Versorgern zwar nicht nennenswert von der Krise beeinträchtigt worden. Die Rezession habe sich aber negativ in den Industrie-, Dienstleistungs- und Handelssparten bemerkbar gemacht, heißt es weiter.

          Sich selbst kritisiert Buffett dafür, in seinem Tochterunternehmen Netjets, einem Dienstleister für Reisen in Geschäftsflugzeugen, zu lange den wachsenden Verlusten zugesehen zu haben. Hier wurden 500 Piloten entlassen. Zudem erwies sich eine Kreditkarte, die der konzerneigene Versicherer Geico auf den Markt gebracht hatte, als Fiasko. Von diesem Geschäft hat sich Geico nach einem Nachsteuerverlust von 50 Millionen Dollar getrennt. Vor diesem Hintergrund ist der Umsatz des Konzerns im Schlussquartal um 23 Prozent auf 30,2 Milliarden Dollar gestiegen; im Geschäftsjahr hat der Umsatz um 4 Prozent auf 112,5 Milliarden Dollar zugelegt. Im gesamten vergangenen Jahr legte der Gewinn durch den Erfolg mit den Derivaten insgesamt um 61 Prozent zu, auf knapp 8,1 Milliarden Dollar.

          Die Holding von Buffett kontrolliert rund 80 Tochterunternehmen. Dazu gehören neben Versicherern und Versorgern auch Restaurantketten, Textilhersteller und Großhandelskonzerne. Jüngst hat Buffett auch seine Beteiligung an der Münchner Rück weiter ausgebaut und zudem für 26,7 Milliarden Dollar die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe übernommen. Durch den Kauf von Burlington Northern hatte Berkshire Hathaway auf einen Schlag 65 000 neue Aktionäre. Das vergangene Jahr hat Berkshire mit liquiden Mitteln von 30,6 Milliarden Dollar beendet, seither sind 8 Milliarden davon für die Burlington Northern-Akquisition abgeflossen.

          Mit Blick auf die Zukunft gibt sich Buffett in seinem Brief zurückhaltend: Durch den Ausbau des Konzerns habe dessen Fähigkeit dramatisch abgenommen, einen überdurchschnittlichen Nettobuchwert je Aktie zu erzielen. Der Kurs der Berkshire A-Aktien hat in den vergangenen zwölf Monaten um 52 Prozent zugelegt.

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