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Sparte trübt Gesamtbild : Investmentbanking macht Deutscher Bank zu schaffen

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Sind bessere Zeiten in Sicht? Bild: Wolfgang Eilmes

Schon am Donnerstag präsentierte die Deutsche Bank einige Zahlen für das erste Quartal – und die waren überraschend gut. Doch der Blick ins Detail offenbart diverse Baustellen.

          Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal im Investmentbanking rote Zahlen geschrieben. Wie das größte deutsche Geldhaus am Freitag in Frankfurt mitteilte, brachen vor allem im Handel mit Anleihen und Aktien die Erträge um fast ein Fünftel ein. Unter dem Strich musste die Unternehmens- und Investmentbank - die größte der drei Säulen des Finanzkonzerns - deshalb einen Verlust von 88 Millionen Euro hinnehmen. Im Startquartal 2018 hatte sie noch einen Gewinn von 203 Millionen Euro geschrieben. Auch andere Großbanken hatten zuletzt in diesen Geschäftszweigen teils herbe Rückschläge hinnehmen müssen.

          Die Deutsche Bank hatte bereits am Vortag Eckdaten ihrer Quartalsbilanz veröffentlicht, nachdem Gespräche mit der Commerzbank über einen möglichen Zusammenschluss abgebrochen worden waren. Unter dem Strich fuhr das Institut einen Gewinn von 201 Millionen Euro ein und übertraf damit die Erwartungen des Finanzmarktes klar. Im vergangenen Jahr hatte das Ergebnis nach Steuern bei 120 Millionen Euro gelegen. Die Einnahmen sanken jedoch um neun Prozent auf 6,35 Milliarden Euro.

          Die Erträge in der Privat- und Firmenkundenbank beliefen sich im ersten Quartal auf 2,5 Milliarden Euro - ein Minus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr - allerdings legte das verwaltete Vermögen um sechs Prozent auf 502 Milliarden Euro zu. Das Geschäft auf dem Heimatmarkt Deutschland ging um sieben Prozent zurück. Der Gewinn vor Steuern gab um elf Prozent auf 287 Millionen Euro nach.

          Klatsche für Scholz?

          In der Vermögensverwaltung - hauptsächlich ist hier die Fondstochter DWS gemeint - sanken die Einnahmen um vier Prozent auf 525 Millionen Euro. „Der Rückgang im Jahresvergleich beruht zum Teil auf geringeren Verwaltungsgebühren, weil das verwaltete Vermögen infolge von Nettomittelabflüssen und der negativen Marktentwicklung Ende 2018 geringer war“, hieß es zur Begründung. Das verwaltete Vermögen stieg um 42 auf 706 Milliarden Euro. Die DWS verhandelt derzeit mit der Schweizer Großbank UBS über einen Zusammenschluss mit deren Vermögensverwaltungs-Sparte.

          Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat sich unterdessen gegen den Eindruck gewehrt, Finanzminister Olaf Scholz habe die Fusions-Gespräche hinter den Kulissen vorangetrieben. „Es gab keinen Druck aus Berlin“, sagte der Vorstandschef in einem internen Video der Deutschen Bank, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Die Politik sei „konstruktiver Begleiter“ gewesen. „Ich habe keinen Druck gespürt“.

          Die Überlegung einer Konsolidierung im deutschen Bankenmarkt, die auch Berlin habe, sei sicherlich sinnvoll. Doch es müsse „wirtschaftlich passen“, sagte Sewing. „Es war immer eine Entscheidung beider Unternehmen, die ist nun gefallen.“ Nach knapp sechs Wochen Gesprächen hatten die Vorstände von Deutscher Bank und Commerzbank am Donnerstag mitgeteilt, dass sie die Idee eines Zusammenschlusses nicht weiterverfolgen, da eine Fusion „keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde“.

          Die Opposition hatte das Aus der Fusionspläne als Klatsche für Bundesfinanzminister Scholz (SPD) gewertet. Scholz und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, werben seit Sommer 2018 ungewöhnlich laut für starke deutsche Banken. Der Bund ist seit der Rettungsaktion mit Steuermilliarden in der Finanzkrise mit gut 15 Prozent größter Aktionär der Commerzbank. Er sei gegenüber der Idee eines Zusammenschlusses nicht skeptisch gewesen, sagte Sewing weiter, doch solche Transaktionen seien „enorm komplex“. Die Historie von Übernahmen und Zusammenschlüssen zeige, dass viele scheiterten. „Wir sind zum Schluss gekommen, dass der alleinige Weg der Deutschen Bank für uns sinnvoller ist.“ Dieser verspreche ein „schnelleres und profitableres Wachstum“.

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