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Investmentbanking : Goldman Sachs macht reich und manchmal müde

„Morning Huddle” bei Golman Sachs: Morgenkonferenz in der Aktienabteilung Bild: Wolfgang Eilmes

Die Elite des Investmentbanking: Sie loben das Team und lieben den Kampf. Viele sind mit 50 am Ende. Zu Besuch bei den Goldmännern.

          5 Min.

          Um 9.55 Uhr läutet Peter Hollmann die Glocke. In der 58. Etage des Frankfurter Messeturms beginnt in der Aktienabteilung von Goldman Sachs der sogenannte „Morning Huddle“, eine tägliche Stehkonferenz, auf der die aktuelle Lage auf den Finanz- und Rohstoffmärkten besprochen wird.

          Etwa 20 Teilnehmer hören den Ausführungen junger Krawattenträger zu, die über den Handelsverlauf an der Wall Street am Vorabend, die Tendenz an der Tokioter Börse oder die neuesten Kapriolen des Rohölpreises berichten. Währenddessen klingeln unaufhörlich Telefone.

          Männerdomäne Investmentbanking

          Die Sprache ist kurz und knapp, über alle Hierarchieebenen redet man sich mit Vornamen und „du“ an. Reines Deutsch spricht hier niemand, vielmehr eine Mischung aus Deutsch und Englisch. „War das above expectations?“ fragt jemand, als die Rede auf das gerade veröffentlichte Quartalsergebnis eines Konkurrenten zu sprechen kommt.

          Die Mannschaft bei Goldman Sachs ist jung; selbst bei den Führungskräften sind kaum einmal graue Haare zu sehen. Philip Holzer, der zusammen mit seinem langjährigen Kollegen Hollmann kürzlich den begehrten Status eines Partners erhalten hat, ist gerade 38. Die Truppe ist aber nicht nur jung, sie ist auch ganz überwiegend männlich. Goldman Sachs stellt Frauen ein; bisher haben sie die Männerdomäne Investmentbanking noch nicht erobert.

          „Getrieben vom Anspruch, zu den Besten gehören zu wollen“

          Um Goldman Sachs ranken sich seit Jahrzehnten viele Mythen. Kein Wunder bei einem Unternehmen mit einer sprichwörtlichen Bescheidenheit und zugleich neiderregenden Erfolgsgeschichte. Bis 1999 in der eher ungewöhnlichen Form einer Partnerschaft organisiert, hat Goldman Sachs niemals Wert auf Öffentlichkeit gelegt. Auch heute noch wird Journalisten diskret bedeutet, man würde am liebsten auf Artikel verzichten.

          Goldman Sachs genießt in der Branche einen besonderen Ruf: Das Haus gilt als elitär und von einer sehr speziellen Unternehmenskultur geprägt, die sich Außenstehenden verschließt. Anerkennung, aber auch Neid prägen diese Beurteilung mit. Dabei streitet man bei den „Goldmännern“ den Willen, ganz vorne zu sein, gar nicht ab. Er gehört zur Unternehmensphilosophie. „Unsere Kultur ist getrieben vom Anspruch, zu den Besten gehören zu wollen“, bestätigt Theodor Weimer, Partner im Investmentbanking und einer der wenigen, die von einem anderen Unternehmen hinzugestoßen sind.

          Fachliche und soziale Kompetenz ist erwünscht

          Das Haus ist eine Kaderschmiede par excellence für junge Aufsteiger, die weder einen Adelstitel tragen noch aus Fabrikantenfamilien stammen. „Insofern bilden wir durchaus eine leistungsgetriebene Mannschaft, auch wenn die meisten von uns gesellschaftlich andere Wurzeln haben und oft aus einfachen Verhältnissen kommen“, erläutert Weimer. „Keiner will diese Wurzeln vergessen.“

          Der typische „Goldmann“ wird direkt nach dem Prädikatsexamen von der Universität eingestellt. Aber nicht nur fachliche Kompetenz ist erwünscht, sondern auch soziale. Wer sich in seiner Jugend nebenher in Mannschaftssportarten betätigt hat, besitzt einen Bonus, denn die Fähigkeit zur Teamarbeit bildet eine Grundvoraussetzung für eine Anstellung.

          20 Jahre Knochenarbeit mit Dauerstress

          Der können bei einem Anfänger 25 Vorstellungsgespräche - eventuell auf mehreren Kontinenten - vorausgehen. Weimer, den man wegen einer Führungsposition haben wollte, führte 81 Gespräche mit 54 verschiedenen Mitarbeitern von Goldman Sachs. Sinn der Übung ist nicht nur, daß man sich bei dem Unternehmen ein klares Bild vom Kandidaten machen will. Umgekehrt soll auch der Kandidat wissen, worauf er sich einläßt.

          Für einen Universitätsabsolventen lautet die Perspektive: 20 Jahre Knochenarbeit mit Dauerstress, jederzeitige Verfügbarkeit auch nachts und an Wochenenden und damit der Verzicht auf ein regelmäßiges Privatleben, aber auch die Aussicht auf Prestige und viel Geld, wenn der ersehnte Aufstieg zum Partner gelingt. Wobei Geld nach außen keine Rolle spielt: Die Büros im Frankfurter Messeturm sind, von der für die Repräsentation bestimmten 60. Etage abgesehen, geradezu ärmlich ausgestattet.

          „Geld als Gradmesser für die Messung beruflicher Leistung“

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