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Windkraft : Kosten für Ökostromanlagen im freien Fall

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Deutlicher Hinweis auf Kostensenkungspotential

Dennoch geben die bei den Nachbarn gezahlten Subventionen einen überaus deutlichen Hinweis auf Kostensenkungspotentiale in Deutschland. „Die anstehende Umstellung der Förderung von Offshore-Windenergie in Deutschland auf ein Auktionssystem lässt (stark) sinkende Preise erwarten“, prognostiziert das Analysehaus Wind-Research. Die Agentur für Erneuerbare Energien kommt nach dem Vergleich von 15 Studien über Kostensenkungsmöglichkeiten bei den Regenerativen zu dem Schluss: „Die Metaanalyse zeigt, dass für Windenergie und Photovoltaik trotz der bereits erzielten Kostenreduktionen mit weiter sinkenden spezifischen Kosten gerechnet wird.“ Bünting von der RWE-Ausgründung Innogy verweist auf die politische Bedeutung: „Sinkende Kosten sind notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Energien zu erhöhen und damit mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen.“

ROYAL DUTCH SHELL A EO-07

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Doch bleiben die aktuellen Preisstürze vor allem für die noch zu bauenden neuen Offshore-Windparks auch jenseits der Anwendung neuer Auktionsverfahren erklärungsbedürftig. Eine Reihe von kostensenkenden Faktoren liegen auf der Hand, andere im Dunkeln.

Größere Turbinen mit acht und mehr Megawatt Leistung erzeugen mehr Strom als jene mit 2,4 MW, sie brauchen aber weniger Fundamente und Wartung als viele kleine. Neue Werkstoffe lassen effizientere Produktionsprozesse und Abläufe zu. Siemens beispielsweise stellte unlängst ein neues Transportschiff für Windturbinen in Dienst und versprach um bis zu 15 Prozent niedrigere Kosten. Großserien machen Bestellungen für Betreiber und Hersteller günstiger, die wachsende Zahl der Anbieter der den Kinderkrankheiten entwachsenen Offshore-Windräder verschärfe den Kostenwettbewerb und drücke die Preise, analysieren die Berater von Roland Berger. Auch seien Finanzinvestoren wegen der Niedrigzinsen mit geringeren, aber stabilen Erträgen zufrieden. Erst am Donnerstag gab der Allianz-Konzern den Kauf mehrerer Windparks – wenn auch an Land – für 103 Millionen Euro bekannt.

Ölkonzerne investieren in Windfarmen

Andere Faktoren, die sich nicht so eindeutig bestimmen lassen, kommen hinzu. Mit Shell in den Niederlanden und Norwegens Statoil, die nach Großbritannien jetzt auch vor der Küste New Yorks Windstrom erzeugen will, investieren Ölkonzerne in Windfarmen. Sie könnten für den Markteintritt „strategische“ Preise zahlen. Betreiber wie Innogy, die mehr mit dem Geld haushalten müssen, wollen da nicht mitmachen. „Wir werden bei Ausschreibungen nicht versuchen, mit einem extrem niedrigen Gebot zum Zuge zu kommen, nur um ein weiteres Projekt vorweisen zu können“, sagt Bünting.

Staatskonzerne wie Vattenfall oder Dong hätten Vorteile in der Finanzierung, weshalb sie aggressiver bieten könnten, heißt es. Groebler von Vattenfall weist den Verdacht zurück, sein Super-Sonderangebot von 5 Cent je Kilowattstunde in Kriegers Flak sei Dumping. Auch bei Wind an Land und PV-Strom sieht er noch Kostensenkungspotentiale.

Unterschwellig läuft schon die Debatte darüber, ob angesichts sinkender Nachfrage nach Subventionen überhaupt noch eine Förderung notwendig sei. In der Union hatte der Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs (CDU) die Frage nach Abschaffung der Ökostromförderung aufgeworfen. Für die Förderung zahlen die Stromkunden hierzulande 24 Milliarden Euro im Jahr.

Ende des Förderregimes für Neuanlagen nicht in Sicht

Experten weisen darauf hin, dass die Förderung neuer Wind- und Solaranlagen so lange notwendig bleibe, wie der an der Börse erzielte Strompreis zu deren Finanzierung nicht ausreiche. Der werde durch zu viele konventionelle Kraftwerke bestimmt. Aktuell kostet die Megawattstunde an der Strombörse um die 30 Euro.

Doch womöglich ist das Ende des Förderregimes für Neuanlagen doch in Sicht. Hollands Wirtschaftsminister Henk Kamp hat ausgerechnet, dass die Förderung der Borssele-Windparks nach 7,5 Jahren auslaufen könnte, entwickelten sich die Strompreise wie geplant. „Damit wäre das Ziel in Reichweite, dass Erneuerbare mit Konventionellen ohne Subventionen im Wettbewerb bestehen können.“

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