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Intolerante Wissenschaftler : Ökonomen auf Twitter-Abwegen

Sebastian Dullien ist Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Bild: Peter Himsel

Es gibt eine Truppe von Ökonomen, die sich gemäßigt gibt, aber für den SPD-Kanzlerkandidaten noch zum Handicap werden kann. Denn sie versucht es mit Intoleranz.

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          Der Ökonom Sebastian Dullien hat sich auf Twitter über die Deutsche Bundesbank beklagt, weil die Notenbank mit einer „aufsehenerregenden Überschrift“ das Thema der Target-2-Salden auf ihrer Homepage prominent plaziert hat. „Wissen sie nicht, dass dies Kritik an der Geldpolitik der EZB wiederbeleben kann oder machen sie das absichtlich?“ schrieb Dullien. Auf die Frage, ob er damit andeuten wolle, die Bundesbank wolle aktiv die Währungsunion destabilisieren, raunte Dullien: „Mit Blick auf meine Interaktionen mit den Offiziellen und anderen Mitarbeitern über mehrere Jahrzehnte würde ich das zumindest nicht für alle Leute ausschließen, die dort arbeiten.“

          Wer das liest, kann sich nur noch an den Kopf fassen. Die scheinbar skandalöse Überschrift des Bundesbank-Artikels tat nichts anderes, als eine seit über eine Woche bekannte Tatsache aufzunehmen. Sie lautete: „Coronakrise lässt Target-2-Saldo auf über eine Billion Euro steigen.“ Wer über die Titelzeile hinauskommt, erkennt eine nüchterne, gerade nicht skandalisierende Behandlung des Themas durch die Bundesbank. Anders als manche deutschen Target-Kritiker vertritt sie die Auffassung, die Salden seien nur in dem „hypothetischen Fall“ ein Risiko für Deutschland, wenn ein Land mit einem negativen Saldo die Währungsunion verlasse.

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