https://www.faz.net/-gqe-2r7o

Interview : „Wir müssen immer einen Schritt schneller sein“

  • Aktualisiert am

Ernst Maul, SEB-Vorstandsmitglied: „Der Namenswechsel war wichtig” Bild: SEB AG

Keine Schließung von Bankfilialen und Größe allein entscheidet nicht über Erfolg und Misserfolg: Interview mit SEB-Vorstand Ernst Maul.

          3 Min.

          Nach der Übernahme ein neuer Name: Die BfG-Bank heißt nun SEB. Das Stockholmer Kreditinstitut will in Deutschland Fuß fassen. Eine teure Marketingkampagne soll dabei helfen. Im Gespräch mit FAZ.NET erläutert Ernst Maul, Vorstand der SEB AG, die Strategie. So erwartet Maul kein größeres Wachstum im Bereich Online-Brokerage. Das Internet sieht der Vorstand nur als ergänzenden Vertriebskanal. Das Schließen von Bankfilialen ist für die SEB AG deshalb kein Thema. SEB Deutschland hat rund eine Million Kunden.

          Ihr Relaunch unter neuem Namen ist dank Peter Ustinov nicht zu übersehen. Dennoch, wäre der Name BfG nicht besser verankert gewesen?

          Der Namenswechsel war wichtig, um uns am Markt an anderer Stelle besser zu positionieren - und zwar im gehobenen Kundenbereich. Da hätte der Name BfG nicht dieselbe Durchschlagskraft gehabt wie im Mengengeschäft. Und die Kampagne hat Erfolg. Bis Herbst haben wir mit einer Awareness von 20 Prozent gerechnet. Jetzt sind es schon 22 Prozent.

          100 Millionen Euro in Werbung auf drei Jahre sind dennoch ein Brocken - bei einem Nettoergebnis im ersten Quartal von 54 Millionen Euro.

          Wir sind deshalb bei der SEB Deutschland auch froh, dass dieser Posten im wesentlichen aus dem Badwill auf Konzernebene bezahlt wird. Unser Ergebnis wird also nur vordergründig belastet.

          Ein herausgehobener Bereich bei SEB ist das Online-Banking? Welches Ziel haben sie auf dem deutschen Markt?

          Der gesamte Bereich Brokerage und Internetbanking wächst kontinuierlich mit 5.000 Kunden pro Monat. Wir haben jetzt 175.000 Kunden. Bis 2005 ist das Ziel 500.000 Kunden.

          Ist der Kuchen im Bereich Online Brokerage nicht schon unter der Konkurrenz verteilt?

          Wir waren sicherlich spät dran. Als wir damit anfingen, war der Boom vorbei. In den nächsten Jahren, so unsere Überzeugung, sind keine großen Wachstumsraten in diesem Bereich zu erwarten. Wir werden demnächst Internetbrokerage und Internetbanking zusammenführen zu einem einheitlichen Vertriebskanal.

          Internet-Onlinebanking heißt auch, Schaltergeschäfte auf den Kundenschreibtisch zu hieven. In Schweden hat die SEB-Mutter schon mal orakelt, alle Filialen mittelfristig zu schließen. Gibt es ähnliche Pläne für Deutschland?

          Wir sind seit fünf, sechs Jahren mit 177 Filialen vertreten, und diese Zahl steht nicht zur Disposition. Unsere Multichannelstrategie besagt, dass der Kunde viele Zugänge zur Bank haben soll, neben der Filiale, das Telefon, das Internet und ein Call Center als Customer Carecenter.

          Unternehmensberater wie die Boston Consulting Group sagen jedoch, das Filialgeschäft trägt sich nicht. Es gebe zu wenige Kunden und zu viele Schalter.

          Natürlich kann man sich nicht ausschließlich auf das Filialnetz stützen. Das würde in der Kosten-Nutzenrechnung zu keinem vernünftiges Ergebnis führen. Die Zusammenführung aller Vertriebswege ist wichtig. Aber zumindest in den nächsten zehn Jahren wird das Filialnetz als additive Vertriebseinheit noch gebraucht werden. Das Internet als Ersatz wurde ja als vor allem im Bereich Brokerage diskutiert, aber ich bin fast sicher, dass Brokeragekunden ihre Autofinanzierung oder Ratenkredit in einer Filiale abschließen. Und so bleibt es auch. Wir werden nicht erleben, dass 70 oder 80 Prozent aller Kunden Internetbanking über die ganze Produktpalette hinweg machen. Die Hausfinanzierung über das Internet beispielsweise hat ja auch nicht den durchschlagenden Erfolg gehabt.

          Die großen Banken in Deutschland haben sich formiert. Wo ist da für sie als kleiner Akteur das Kundenargument?

          Jeder weiß, dass Größe nicht unbedingt der Weg zum Erfolg ist. Das sieht man deutlich, wenn Mitbewerber Transaktionsbanken einrichten und von Synergien sprechen auf die sie seit fünf Jahren warten. Große Mengen und Zahlen sind ja nicht immer einheitlich in der Transaktionsform, sie bringen zusätzliche Komplexitäten und fordern zusätzliche Managementleistungen. Ich bin nicht sicher, ob das immer gut ist. Aber richtig, der Markt ist extrem umkämpft. Wir müssen daher auch in Zukunft immer einen Schritt schneller sein. Wir haben Anfang der neunziger Jahre als erste unser Filialnetz deutlich reduziert von 230 auf 170. Und 1990 war die BfG die erste Bank, die das Wort Sozialplan in den Mund genommen hat, was in der Branche keiner verstand. Heute reden alle davon.

          Das Investmentbanking wirkt angeschlagen. Ist der Trend vorbei?

          Ich glaube, das Produkt Investmentbanking wird im weitesten Sinne dauerhaft eine gewisse Ertragsquelle sein. Aber es wird international nicht mehr so sprudeln. Aber wie das so ist im Beratungsgeschäft, die Investmentbanker feilen schon an neuen Ideen und Konzepten. Und vielleicht gibt es ja das Shareholder Value-Konzept in fünf Jahren schon nicht mehr, um von einer neuen Idee verdrängt zu werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Ziele der EZB sind umstritten.

          Debatte um Inflationsziel : Was die EZB wirklich antreibt

          Ist die Inflationsbekämpfung das einzig wahre Ziel der EZB oder gibt es noch andere implizite Absichten, die in Entscheidungen einfließen? Eine neue Studie stellt ein interessantes Experiment an.
          Die Eröffnung der Vogelfluglinie: Der dänische König Frederik IX. (links) und Bundespräsident Heinrich Lübke gehen im Mai 1963 im dänischen Hafen Rodbyhavn an Bord der Fähre.

          Von Hamburg nach Kopenhagen : Abschied von der Vogelfluglinie

          Die Zugfahrt von Hamburg nach Kopenhagen führte jahrzehntelang mit der Fähre über die Ostsee. Das war mal ein Verkehrsprojekt der Superlative. Nun ist die Verbindung über das Schiff Geschichte. Eine letzte Fahrt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.