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Interview : „Wenn der Druck steigt, braucht man den Humor“

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In diesen trostlosen Zeiten der Konjunkturkrise könnte ein Seminar helfen: Humortrainer Thomas Holtbernd macht gute Stimmung in den Unternehmen.

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          Spaß zahlt sich aus: bessere Stimmung im Büro, niedrigerer Krankenstand, mehr Kreativität. „Wo Humor herrscht, da ist alles lebendiger, sind Besprechungen kürzer, Mitarbeiter motivierter“, erklärt Diplom-Psychologe Thomas Holtbernd im Gespräch mit FAZ.NET. Der 43-Jährige hat sich als Humortrainer selbstständig gemacht, zu seinen Kunden zählen Unternehmen wie DaimlerChrysler, Volkswagen oder MAN. Im April kam sein Buch „Der Humorfaktor“ heraus, weitere sind geplant.

          Herr Holtbernd, wozu braucht man einen Humortrainer? Eigentlich ist es doch eine Selbstverständlichkeit, dass es bei der Arbeit nicht nur ernst zugeht.

          Wir haben bestimmte Tabuzonen, wo man nicht lacht. In den Unternehmen existieren unausgesprochene Verbote. Geht man beispielsweise in eine Bank, stellt man fest: Da ist es ganz ruhig und ernst. Viele Menschen brauchen deshalb eine Erlaubnis zum Lachen. Durch unsere Erziehung, durch unsere Kultur haben manche Menschen sogar Angst vorm Lachen. Ich habe bemerkt, dass wenn einmal die Erlaubnis da ist, ein bisschen verrückt zu sein, humorvoll zu sein, dann entsteht eine lockere, menschliche Atmosphäre. Und auf diese kommt es an.

          Sollten sich die Unternehmen in diesen Zeiten der Konjunkturkrise alle ein Humorseminar leisten?

          Wenn der Druck im Arbeitsleben stark ist, braucht man den Humor - als menschlichen Faktor mit betriebswirtschaftlichen Auswirkungen. Den Arzt rufe ich ja auch, wenn es mir schlecht geht. Insofern kann es für Unternehmen durchaus sinnvoll sein, sich derzeit mit Humor zu beschäftigen. Das schützt vor Verbitterung. Derjenige, der unter der schlechten Konjunktur leidet, sollte zeitweise etwas schwarzen Humor entwickeln, um einfach Distanz und dadurch Entlastung zu bekommen. Es darf aber nicht dabei bleiben. Wenn jemand nur zynisch über Entlassungen herzieht, ist das natürlich destruktiv.

          Was bringt ein Humorseminar konkret?

          Die Forschungen sind noch relativ am Anfang. Es ist zwar allgemein bekannt, dass viel Lachen das Immunsystem stärkt. Aber konkret nachzuweisen, dass der Krankenstand durch ein Humorseminar sinkt, ist sehr schwer. Es ist jedoch einleuchtend, dass dort, wo eine gute Stimmung herrscht, die Mitarbeiter viel lieber an den Arbeitsplatz kommen, sich mehr verbunden fühlen mit dem Unternehmen. Studien zeigen zudem, dass der Humor die Kreativität fördert. Wo Humor herrscht, ist alles lebendiger, sind Besprechungen kürzer, Mitarbeiter motivierter. Mit Humor kann man Dinge sagen, ohne jemanden gleich zu verletzen oder anzugreifen.

          Wie läuft ein Seminar bei Ihnen ab?

          Jedes Seminar ist anders - es hängt von der Gruppe und der Situation ab. Es kann zum Beispiel sein, dass ich mit den Teilnehmern Fallgespräche führe und wir überlegen, mit welchen humorvollen Bemerkungen man eine Änderung der Situation oder der Beziehung zu einem Mitarbeiter erzielen könnte. Viele Vorgesetzte haben Angst davor, sich mit Humor lächerlich zu machen. Wenn ein Chef einen Witz von oben nach unten erzählt, haben dagegen seine Mitarbeiter oft nichts zu lachen. Aber wenn er lernt, sich selbst zu karikieren, dann bekommt er zu seinen Mitarbeitern ein viel besseres Verhältnis, weil sie ihn als normalen Menschen erleben und die Hierarchie-Distanz ein wenig aufgehoben ist.

          Oder wir machen Rollenspiele. Dafür habe ich einen so genannten Humorkoffer mit einer roten Nase, einem Lachsack, einem Jammersack, einer Doofie-Brille oder Karten mit lustigen Sprüchen und Karikaturen dabei. Man kann lernen, diese Dinge je nach Situation einzusetzen. Das Spannende ist: Sobald man diese kleine rote Nase aufsetzt, bewegen sich die seriösen Manager plötzlich viel freier und sagen Dinge, die sie sonst nie sagen würden. Einer Managerin ist zum Beispiel auf den Wecker gegangen, dass ihre Mitarbeiter immer nur ernste Gesichter machten. Also setzte sie die Doofie-Brille auf und alle mussten lachen und die Stimmung war plötzlich viel besser. Oder eine andere Situation: Der Firma geht es schlecht, also zieht der Chef am Konferenztisch den Jammersack hervor. Nach dem Motto: Genug gejammert, jetzt werden die Ärmel hochgekrempelt.

          Das klingt alles sehr simpel.

          Es ist alles so simpel. Die Beispiele wirken, wenn ich sie so erzähle, vielleicht etwas konstruiert. Persönlichkeiten kann ich damit sicherlich nicht verändern. Wenn ich einem Mitarbeiter einen Witz erzähle, dann spurt der deshalb nicht plötzlich. Auch eine Mobbing-Situation lässt sich nicht unbedingt humoristisch lösen. Was ich aber schaffen kann: Durch ganz kleine Dinge eine Atmosphäre entwickeln, die eine heitere Stimmung verbreitet. Wenn zum Beispiel der Bankdirektor in die Schalterhalle keine abstrakte Kunst, sondern eine Karikatur hängt.

          Vergeht das Lachen im Büroalltag nicht schnell wieder?

          Nein. Wenn ich Spaß bekommen habe und merke, dass man mit humorvollen Bemerkungen kritische Situationen besser lösen kann, dann schule ich mich darin. Manche haben gelernt, dass sie als wesentlich attraktiver und erfolgreicher erlebt werden, wenn sie öfter lächeln. Das ist für Manager ein sehr wichtiger Punkt. Andere machen es sich zur Hausaufgabe, jeden Tag einen Witz zu erzählen. Das zeigt: Sie haben eine Starterlaubnis bekommen und machen weiter. Wer im Kurs sieht, wie eine rote Nase oder eine Doofie-Brille wirkt, der riskiert auch im Alltag mal etwas Verrücktes, weil er die Wirkung des Lachens erlebt hat.

          Wer nimmt in den Unternehmen an Ihren Seminaren teil?

          Personalentwickler und Führungskräfte aus dem oberen bis mittleren Management. Interessant ist, dass Frauen offener für meine Angebote sind als Männer. Anlass sind Probleme wie gestiegener Leistungsdruck, Kommunikationsschwierigkeiten oder Blockaden bei der Produktion kreativer Ideen. Manchmal kommt es aber auch zu einer Verwechslung, wenn die Leute sagen: „Kommen Sie zu uns, dann haben wir etwas zu lachen.“ Ich bin aber kein Alleinunterhalter. Ein Humorseminar ist eine ernste Sache und man kann dabei viel lachen.

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