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Karriere : „Letztendlich springt man doch immer in eine Welt, deren Regeln man akzeptieren muss.“

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Personalberater Johannes Graf v. Schmettow Bild: Dr. Johannes Graf v. Schmettow

Welche Möglichkeiten bieten sich einem heutigen Young Professional in der New Economy? Johannes Graf von Schmettow von der Personalberatung Egon Zehnder International ist optimistisch.

          4 Min.

          Johannes Graf von Schmettow ist Berater bei Egon Zehnder International. Die Executive-Search-Firma gehört zu den renommiertesten deutschen Personalberatungen.

          Er sieht die Chancen der Young Professionals in der New Economy zuversichtlich - auch wenn es auf dem Neuen Markt mal „hagelt“. Seine Devise: Gute Leistung und klare Kommunikation - dann klappt's auch mit der Karriere.

          Ist die Arbeit bei einem Start-up für Young Professionals heute angesichts der prekären Lage am Neuen Markt noch attraktiv?

          Die Arbeit für Start-ups und Unternehmen des Neuen Marktes ist sicherlich noch sinnvoll. Gerade diejenigen Unternehmen, die jetzt noch existieren, sind eher die Stärkeren, weil sie schon Einiges durchgemacht haben; sie haben also sozusagen die Pest überlebt. Das heißt, dass es jetzt unter Umständen weniger Risiken beinhaltet, für ein Start-up zu arbeiten als noch vor einem Jahr, denn damals gab es noch bedeutend mehr Luftnummern.

          Welche Branchen halten Sie für zukunftsträchtig?

          Biotechnologie-Unternehmen sind genauso Start-ups wie B2C-Unternehmen im Internetbereich, das ist eine riesige Spannbreite. Erfolg kann man in jedem Bereich haben, das Konzept muss halt stimmen.

          Welche Voraussetzungen sollte ein Young Professional mitbringen? Zählt der geradlinige Lebenslauf oder geben Sie auch Quereinsteigern eine Chance?

          Das ist völlig egal. Es muss nur ein verständlicher Lebensweg sein. Der Bewerber muss einer Logik gefolgt sein, und diese kann ja auch lauten: Ich möchte viel kennenlernen und ich möchte die Dinge, die ich vorher gemacht habe, zusammenbauen.
          Auch Spätzünder haben eine Chance. Nehmen Sie einen Kandidaten, der ein schlechtes Abitur gemacht hat, mit 17 von zu Hause ausgezogen ist, sein langes Studium selbst finanziert und irgendwann wahnsinnig Gas gegeben hat. Das ist ein sehr schön nachvollziehbarer Lebenslauf. Er muss halt erklärbar sein.
          Jemand, der gut begreift, warum etwas nicht gelaufen ist, hat schon viel gelernt. Eine Voraussetzung zu nachhaltigem Erfolg ist immer auch, sich selbst gut zu verstehen.

          Was halten Sie von Stock Options für die Mitarbeiter?

          Stock Options als Instrument eines Unternehmens, das den Unternehmenserfolg verfolgt und wiedergibt, haben gerade am Neuen Markt ihre Logik in großen Teilen verloren. Hier dominiert ja oft der gesamte Markt die einzelne Aktie. Natürlich kann man in der ersten und zweiten Unternehmensebene den Erfolg beeinflussen - aber wenn der ganze Markt zusammenbricht, kann man nun wirklich nichts dafür. Trotzdem sollte man das Konzept keineswegs verdammen.

          Warum sollten Stock Options denn für mich als Arbeitnehmer interessant sein?

          Man muss zunächst natürlich vom Grundgehalt leben können. Zweitens werden mittel- und langfristig der Aktienwert und auch der Börsenwert eines Unternehmens im Großen und Ganzen mit dem inneren Unternehmenswert zusammenhängen. Strategisch ist es also schon richtig, Stock Options-Modelle zu fahren.
          Interessanterweise sind ja die Phantom Stock Options-Modelle stabiler. Dies ist die Simulierung des Prinzips durch Unternehmen, die nicht börsennotiert sind, beispielsweise Boehringer Ingelheim. Boehringer geht nicht an die Börse; die Eigentümer wollen und brauchen das nicht. Durch Phantom Stocks kann Boehringer aber - um bei dem Beispiel zu bleiben - bei dem Wettbewerb um Führungskräfte auch gegenüber börsennotierten Unternehmen mithalten.
          In solch ein Phantom-Stocks-Modell gehen letzendlich die geschätzten Cash-flows der Zukunft ein. Man muss sich da natürlich auf ein Modell einigen, aber das ist dann fern von Marktphantasien. Jemand, der den Erfolg des Unternehmens beeinflusst, wird das also auch an seinen Phantom Stocks merken.

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