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Digitale Revolution : Was kann der Großkonzern vom Start-up lernen?

  • -Aktualisiert am

Treffen in der Münchener Königstraße: Allianz-Chef Oliver Bäte, 51, empfängt Oliver Samwer, 43 (rechts). Bild: Jan Roeder

Allianz-Chef Oliver Bäte trifft Internetheld Oliver Samwer zum Unternehmergipfel: Beide arbeiten an der digitalen Revolution. Ein Gespräch über Feiglinge, Weltverbesserer und die Turnschuhfrage: mit oder ohne Schnürsenkel?

          Herr Samwer, Sie stammen aus altem Versicherungsadel. Ihr Urgroßvater hat die Gothaer Versicherung gegründet. Säßen Sie heute gerne auf Herrn Bätes Platz als Allianz-Chef?

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Samwer: Versicherungen waren bei uns zu Hause häufig ein Thema. Aber unser Vater ist Anwalt, und seine Geschichten, die wir Kinder früher spannend fanden, hatten immer mit Unternehmertum zu tun. Meine beiden Brüder und ich wollten zusammen ein Unternehmen gründen, das stand schon zu Schulzeiten fest. Da kam gerade das Internet auf, das war unsere Chance, die wollten wir nicht verpassen.

          Sie waren im gleichen Alter, Herr Bäte. Warum haben Sie kein Start-up gegründet?

          Bäte: Ich war zu dem Zeitpunkt schon bei McKinsey, und zu meiner Schande muss ich gestehen: Ich war wohl zu ängstlich, zu etabliert, um den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Wir hatten zwei kleine Kinder, und wenn ich die beiden Zwerge am Wochenende auf dem Arm hatte, habe ich mich gefragt: Nehme ich das Risiko auf mich? Ich hatte im Gegensatz zu vielen Gründern keine wohlhabenden Eltern im Hintergrund, die ich hätte fragen können, ob sie mich decken. Außerdem hat mir die Arbeit viel Spaß gemacht, und sie hat uns finanziell abgesichert.

          Die Samwers sind reich geworden mit ihren Internetideen. Vielleicht haben Sie die falsche Wahl getroffen.

          Bäte: Ich habe damals schon das Zigfache von dem verdient, was mein Vater je bekommen hat. Dieses „Ich will reich werden“, was viele Gründer heute antreibt, war nie ein Kriterium für mich.

          Samwer: Wir wollten damals nicht reich werden. Wir wollten die Welt verändern.

          Bäte: Und das tut ihr. Unternehmertum ist schon was anderes als die Schadensbearbeitung, in der ich früher angefangen habe.

          Samwer: Da haben wir einiges gemeinsam. Ich war als Praktikant auch mal bei McKinsey. Und während der Schulzeit habe ich beim Versicherungskonzern Gerling in Paris ein Praktikum gemacht – in der Schadensbearbeitung. Ich fand das nicht langweilig.

          Bäte: Als ich in New York bei McKinsey anfing, wollten alle, die sich schön und wichtig vorkamen, zu den Banken an die Wall Street. Bei mir hieß es: Hier haben wir ganz was Spannendes für Sie, Herr Bäte. Sie dürfen ein Jahr lang bei einer Versicherung arbeiten im Bereich „Optimierung der Schadensbearbeitung“.

          Samwer: Versicherungen galten schon immer als konservativ.

          Bäte: Das stimmt. Aber uns braucht man, wenn’s drauf ankommt. Wer hilft, wenn das Haus weggeweht wird? Die Bank ist es nicht. Und inzwischen muss ich sagen: Es gibt Unternehmer, wie ihr es seid, die sich sagen: So, jetzt verändern wir die Welt. Aber auch als angestellter Unternehmer in einer Versicherung hat man viele Möglichkeiten, die Welt zu verbessern.

          Samwer: Unternehmertum ist ein Kontinuum, das von wenig Risiko bis volles Risiko geht. Wenn meine Brüder und ich nicht Unternehmer wären, säßen wir jetzt bei wahrscheinlich McKinsey oder in irgendeinem internationalen Konzern.

          Haben Sie beide sich bei McKinsey damals kennengelernt?

          Samwer: Nein, das war später. Ich weiß gar nicht, wo und wann. Du, Oliver?

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